Werders neues Programm ist einzigartig in Deutschland

Nur das Beste für die Besten der Besten

Julian Riekmann im Profi-Trainingslager in Schneverdingen
+
Julian Riekmann im Profi-Trainingslager in Schneverdingen

Schneverdingen - Wer kennt das nicht – dieses mulmige Gefühl im Bauch, wenn es an einen neuen Arbeitsplatz geht?

So wird es auch Julian Rieckmann ergangen sein, als der erst 16-Jährige Anfang der Woche mit den Werder-Profis ins Trainingslager nach Schnerverdingen reisen durfte. Sein Vorteil: Durch das neue Top-Talente-Programm des Bundesligisten war es nicht sein erster Kontakt zur Bundesliga-Mannschaft. Werder hat vor einem Jahr eine Verzahnung zwischen Profis und Nachwuchs geschaffen, die es so nach Angaben des Vereins in Deutschland noch nicht gibt: Die Besten der Besten bekommen jetzt das Beste im Club – etwa zehn Top-Talente dürfen die Ressourcen der Profis nutzen.

Die Idee dazu stammt von Florian Kohfeldt, dem aktuellen Coach der U23. Von der U14 bis hin zum Co-Trainer bei den Profis unter Viktor Skripnik hat er fast alle Trainerbereiche bei Werder kennengelernt – und festgestellt: „Für die Profis arbeiten natürlich die besten Experten in sämtlichen Bereichen, da gibt es auch die größte Manpower. Da ist die strikte Trennung zwischen Profis und Nachwuchsbereich nicht logisch. Diese Ressourcen der Profis muss man nutzen.“ Das gehe natürlich nicht mit allen Nachwuchsspielern, weil die Arbeit für die Bundesliga-Mannschaft darunter nicht leiden darf. 

Werders Junioren-Trainer Florian Kohfeldt (li.), Thomas Horsch (Co-Trainer der U23)

Deshalb werden vor jeder Saison aus den knapp über 60 Spielern der drei Mannschaften U23, U19 und U17 etwa zehn Spieler ausgewählt, die in den Genuss des Top-Talente-Programms kommen. „Eine schwierige Auswahl“, gesteht Thomas Wolter, der als sportlicher Leiter des Leistungszentrums das neue Förderprogramm koordiniert. 

Keine Garantie in der Bundesliga zu landen

Der Konkurrenzdruck im Nachwuchsbereich ist groß, der Neidfaktor nicht zu unterschätzen. Grundsätzlich gilt: Wer die größtmögliche Perspektive hat, irgendwann in der Bundesliga zu spielen, ist bei dem Programm dabei – ein elitärer Kreis also. „Aber eine Garantie, in der Bundesliga zu landen, ist das für die Spieler nicht“, betont Kohfeldt. Und umgekehrt würden dadurch auch nicht die Chancen der anderen Talente sinken. Im Gegenteil: Sie würden sogar in einigen Bereichen indirekt davon profitieren, da sich die Mitarbeiter im Leistungszentrum um weniger Spieler kümmern müssten als früher. Außerdem sei der Anreiz bei jedem groß, im kommenden Jahr Teil dieser besonderen Fördergruppe zu werden.

Thomas Wolter, sportlicher Leiter des Leistungszentrums von Werder Bremen

Worum geht’s genau? Zum Beispiel um die Athletik. Die Auserwählten bekommen Sondertraining bei Fitnesskoordinator Axel Dörrfuß. Die müden Beine werden dann von den Physiotherapeuten der Profis wieder gelockert. In medizinischen Fragen hilft der Mannschaftsarzt des Bundesligisten – oder Sportpsychologe Andreas Marlovits. Zudem gibt es spezielle Videoanalysen und Medienschulungen aus dem direkten Umfeld der Profis.

Kerngedanke des Konzepts ist es auch, die Talente im Gegensatz zu den früheren Ansätzen in ihren Teams zu belassen. „Die zusätzliche Förderung ist komplett um den Trainingsplan der angestammten Teams herum angesetzt“, berichtet Kohfeldt: „Die Spieler absolvieren jetzt nahezu jedes Mannschaftstraining mit den Teamkollegen, können sich in der Hierarchie ihren Platz erkämpfen und ihre Persönlichkeit in der Gruppe entwickeln. Außerdem wird die Rolle des Mannschaftstrainers durch die durchgängige Betreuung gestärkt.“

Erster Einstieg in die Profi-Welt

Ziel ist aber nicht nur eine qualitativ noch bessere Betreuung der Top-Talente, sondern auch ein erster Einstieg in die Profi-Welt. „Dieser Übergang vom Jugendspieler zum Profi ist extrem schwierig“, sagt Kohfeldt – und Wolter erklärt: „Wir wollen diese Hemmschwelle senken.“

Wie im Fall Rieckmann. Der 16-Jährige ist ohnehin ein eher ruhiger Typ. Da fällt es leichter, sich in einer neuen Gruppe zurechtzufinden, wenn man den einen oder anderen Trainer oder Physiotherapeuten, vielleicht aber auch Spieler schon kennt.

Im vergangenen Jahr profitierten zum Beispiel Niklas Schmidt und Johannes Eggestein von dem Programm. Nun sind sie komplett bei den Profis. Ousman Manneh schaffte den Weg ins Weserstadion dagegen ohne Elite-Förderung. „Es gibt nicht den einen richtigen Weg“, sagt Wolter. Ohnehin sei es viel zu früh, schon ein Fazit zu ziehen: „Das können wir in drei, vier Jahren machen.“ 

Vielleicht mit einem Julian Rieckmann als jungen Bundesligaspieler und damit dann auch als gutes Beispiel.

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Eindrücke vom Kräutertag in Horstedt

Eindrücke vom Kräutertag in Horstedt

Bassum Open Air: Lokalredakteur backstage bei Florian Künstler

Bassum Open Air: Lokalredakteur backstage bei Florian Künstler

Frech und pfiffig: Diese Pferderassen haben es faustdick hinter den Ohren

Frech und pfiffig: Diese Pferderassen haben es faustdick hinter den Ohren

Kanufahren, Demokratieworkshop und sportliche Wettkämpfe

Kanufahren, Demokratieworkshop und sportliche Wettkämpfe

Kommentare