Werder-Stürmer überzeugt
Neue Bestmarken, Auslandsangebote und Tor-Frust: Werder-Stürmer Justin Njinmah wirbelt auch gegen den FC Bayern
Justin Njinmah ist aktuell der Mann der Stunde beim SV Werder Bremen. Doch der schnelle Angreifer hätte im Sommer auch woanders landen können. Warum er trotz mehrerer Angebote an der Weser blieb.
Bremen/München – 30 Sprints, einige sehenswerte Dribblings und ein Top-Speed von 35,5 Kilometer pro Stunde – keine Frage, der pfeilschnelle Justin Njinmah hat beim sensationellen 1:0 (0:0)-Sieg des SV Werder Bremen gegen den FC Bayern die gar nicht so langsame Münchener Hintermannschaft ein ums andere Mal ganz schön alt aussehen lassen – und zählte zu den stärksten Bremern. Zum totalen Glück des 23-jährigen Flügelflitzers fehlte eigentlich nur ein Tor. Zwar hatte Njinmah einen Bilderbuch-Konter cool zur vermeintlichen Führung veredelt, allerdings wurde der Treffer aufgrund eines vorausgegangenen Foulspiels bei der Balleroberung von Jens Stage wieder vom VAR einkassiert – sehr zum Frust des Deutsch-Nigerianers. „Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich geärgert habe, dass mein Tor nicht gezählt hat“, erklärte Justin Njinmah im Anschluss gegenüber Vereinsmedien: „Wir haben schon gejubelt und getanzt – das war schon bitter. Es zeigt aber auch, wie viel Moral wir bewiesen haben.“
Top-Sprinter Justin Njinmah hätte den SV Werder Bremen verlassen können
Denn auch ohne eigenen Treffer hatte Njinmah seine Qualitäten eindrucksvoll unter Beweis gestellt – und dabei sogar neue persönliche Bestmarken aufgestellt. Zunächst spurtete der gebürtige Hamburger 35,5 km/h schnell – und damit schneller als je zuvor in der laufenden Bundesliga-Saison. Ligaweit ist es zudem der bislang elftschnellste gemessene Wert aller Profis. Im Training des SV Werder Bremen ist Justin Njinmah nach eigener Aussage sogar noch schneller unterwegs und bringt es auf sagenhafte 36,8 km/h. Zum Vergleich: Der Saisonrekord in der Bundesliga, aufgestellt von Werder-Leihgabe Eren Dinkci beim 1. FC Heidenheim, liegt bei 36,41 km/h.
Nicht nur deshalb zählte Njinmah zuletzt drei Mal in Folge zur Startelf von Trainer Ole Werner – ein Novum für den Bundesliga-Neuling und eine Belohnung für die frechen Auftritte, die der Stürmer in den vergangenen Wochen immer wieder zeigte. Dass Njinmah in dieser Saison überhaupt für Werder Bremen spielt, ist nämlich keine Selbstverständlichkeit. Schließlich hatte der Angreifer nach seinen starken anderthalb Leihjahren in der U23 von Borussia Dortmund auch das Interesse zahlreicher Clubs geweckt, wie er nun im Interview mit Youtuber Bilal Kamarieh verriet. „Ich hatte Angebote aus gefühlt jedem Land – außer Spanien“, sagte Justin Njinmah mit einem Grinsen und zählte auf: „England, Belgien, Holland.“ Doch er entschied sich letztlich für Werder, wo er davor nur ein halbes Jahr für die zweite Mannschaft in der Regionalliga Nord aufgelaufen war.
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Justin Njinmah verrät, warum er bei Werder Bremen geblieben ist und welche Ziele er hat
„Ich dachte mir, ich habe mit Werder Bremen einen Verein, der hier im Norden und nahe an meiner Familie ist. Der mich zurückhaben, mit mir den Vertrag verlängern und mir die Chance geben will, in der Bundesliga zu spielen“, erklärte Justin Njinmah, der die Rückkehr an die Weser keine Sekunde lang bereut hat. Im Gegenteil: „Ich bin gerade überglücklich bei Werder. Ich habe Bock auf die Saison und will die einfach geil zu Ende bringen“, sagte er und will vor allem eins: weiter auf dem Platz stehen. „Ich habe mich jetzt durchgebissen, habe zunächst noch ein bisschen gebraucht, um mich in der Bundesliga zum Stammspieler zu etablieren, aber ich glaube, ich bin da auf einem guten Weg aktuell“, findet er. Die Marschroute des Offensivmanns ist daher klar: „Jetzt heißt es weiter Gas geben, damit man am Saisonende sagen kann: Das war eine geile Bundesliga-Saison. Vor allem, wenn man sich überlegt, dass man vor drei Jahren noch irgendwo rumgegammelt ist.“
Sportliche Highlights wie die Top-Spiele gegen den FC Bayern sollen, wenn es nach Justin Njinmah geht, künftig jedenfalls nicht die Ausnahme bleiben, sondern gerne zur Regel werden. Zumindest setzt sich der Stürmer des SV Werder Bremen ehrgeizige Ziele: „Was in ein paar Jahren passiert, das weiß man nie. Aber mein Traum ist es natürlich, in den größten Ligen, in den größten Wettbewerben, die es im Fußball gibt, zu spielen. WM, Champions League und diese Filme halt.“ Wenn Njinmah in diesem rasanten Tempo weiter durch die gegnerischen Abwehrreihen sprintet, könnte das vielleicht sogar klappen. (mwi)