Werder-Kapitän zieht Bilanz
Bremer Baustellen: Werder-Kapitän Friedl ist mit dem Trainingslager zufrieden – weiß aber auch um die Defizite
Der Kapitän zieht Bilanz: Marco Friedl spricht über Werder Bremens Trainingslager im Zillertal, Transfers, Baustellen und Trainer Horst Steffen.
Zell am Ziller – Senne Lynen hatte es sich tags zuvor so sehr gewünscht, doch aus dem Schwimmbadbesuch wurde nichts. So richtig sommerlich war es während des Zillertal-Trainingslagers des SV Werder Bremen schließlich nicht zugegangen, mehr Regen als Sonne prägte die Szenerie. „Ich bin enttäuscht von meinem Land, weil ich den Jungs zeigen wollte, wie schön es hier ist“, sagt Kapitän Marco Friedl etwas geknickt. „Wir hätten gerne mehr von den Auszeiten gehabt, aber durch das Wetter ging relativ wenig.“ Nun sind die Profis natürlich nicht zum Urlaub machen nach Österreich gereist, sondern um sich auf die neue Saison vorzubereiten. In nur zwei Wochen wartet mit dem DFB-Pokal-Auftakt bei Arminia Bielefeld die erste amtliche Prüfung – und auch Friedl weiß, dass bis dahin noch reichlich Arbeit vor seinem Team liegt.
Werder Bremen-Kapitän Marco Friedl lobt Neu-Trainer Horst Steffen: „Man sieht, dass die neuen Abläufe Früchte tragen“
„Wir haben noch einige Baustellen und müssen uns etwa bei der Qualität im Spiel mit sowie gegen den Ball steigern“, fordert er. Vor ziemlich genau zwölf Monaten hätte dieser Satz ganz gut in einen verbalen Rundumschlag gepasst, zu dem Marco Friedl damals kurz vor der Rückreise ausgeholt hatte. Ihm gefiel seinerzeit überhaupt nicht die Trainingsqualität der Mannschaft beim Aufenthalt in Zell am Ziller – und machte daraus auch öffentlich kein Geheimnis. Ein Jahr später gibt es diesbezüglich keinerlei Anlass zur Kritik. „Die Intensität und die Qualität waren gut, wir haben viel gemacht und trainiert“, urteilt der 27-Jährige nach der finalen Einheit des SV Werder Bremen. Ein wesentlicher Faktor in dieser Gemengelage ist Horst Steffen. Der neue Coach der Bremer will eine Menge bewegen, stellt aktuell die taktische Ausrichtung um und schraubt somit nicht nur an Details. „Es ist schon einiges anders, ob durch das System oder die Herangehensweise“, bestätigt auch Friedl. „Er redet sehr viel, ist im stetigen Austausch mit vielen Spielern und fordert eine Menge ein.“
Und Werder Bremens Leitwolf in der Defensive registriert erste Erfolge. „Man sieht, dass die neuen Abläufe Früchte tragen“, sagt er, verweist aber auch auf die Veränderungen, an die sich der Kader durch die neuinstallierte 4-2-3-1-Formation erst noch gewöhnen müsse. „Die Höhe der Sechser und Zehner ist anders beim Spiel mit dem Ball, auch die Stürmer verhalten sich anders und natürlich spielst du jetzt mit zwei richtigen Außenspielern“, zählt Marco Friedl auf. „Deshalb gibt es schon noch Dinge, die geübt werden müssen, aber wir sind auch kein zusammengewürfelter Haufen, sondern kennen uns schon lange und wissen, was der andere im Kopf hat. Das hilft uns bei einem neuen System sehr.“
Werder Bremen-Kapitän Marco Friedl hadert mit Ausfällen von Mitchell Weiser und Co.: „Nicht eins zu eins zu ersetzen“
Wenn da nicht der personelle Aderlass wäre. Mitchell Weiser fehlt wegen eines Kreuzbandrisses monatelang, Marvin Ducksch (Wadenverletzung) und Jens Stage (Belastungsreaktion im Fuß) stehen derzeit ebenfalls nicht zur Verfügung. „Die Ausfälle schmerzen sehr. Vor allem Mitchs Ausfall ist das Schlimmste, was uns passieren konnte“, unterstreicht der Kapitän des SV Werder Bremen. „Diese Jungs sind eins zu eins nicht zu ersetzen.“ Und doch muss Werder Lösungen finden. Denn einen Fehlstart in die Saison will sich niemand leisten. „Wir müssen von Anfang an da sein, denn wir haben einen anspruchsvollen Start“, sagt Friedl, der dabei nicht nur an die anfängliche Pokalhürde, sondern auch an die darauffolgenden Liga-Partien gegen Frankfurt, Leverkusen, Mönchengladbach, Freiburg und Bayern München denkt. „Wenn es da nicht läuft, kann es unangenehm werden“, warnt der Innenverteidiger, der auch verrät, dass intern bislang noch kein konkretes Saisonziel formuliert wurde. Aber alle Beteiligten eint laut Friedl ein Wunsch: „Wir wollen uns wieder im Vergleich zum vergangenen Jahr verbessern.“
Personeller Zuwachs könnte dabei helfen, den Abgängen von Milos Veljkovic, Anthony Jung, Dawid Kownacki, Oliver Burke, André Silva und Issa Kaboré stehen bislang die Verpflichtungen von Maximilian Wöber und Samuel Mbangula gegenüber. Des Weiteren mischen mehrere Leih-Rückkehrer wieder mit. Auch Marco Friedl erklärt, dass es ihm logischerweise am liebsten wäre, wenn bereits am ersten Trainingstag einer Vorbereitung der komplette Kader stehe – doch das sei eben kaum bis gar nicht möglich. „Wir haben schon einiges gemacht, es wird aber hoffentlich noch vieles passieren“, sagt der Österreicher. „Obwohl der Markt aktuell zäh ist, gehe ich optimistisch in die nächsten Wochen. Ich tausche mich viel mit Peter Niemeyer (Leiter Profifußball, Anm. d. Red.) und Clemens Fritz (Werders Fußball-Chef, Anm. d. Red.) aus, frage immer wieder nach, wie es mit Neuzugängen aussieht. Wenn jemand kommt, bin ich mir sicher, dass er sich schnell integrieren wird.“ (mbü)
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