DeichStuben-Kolumne
Herzog über Rashica: „Milot ist mir schon vor zwei Jahren aufgefallen“
So klein ist die Fußball-Welt: Mir ist Milot Rashica schon vor zwei Jahren aufgefallen. Zufällig.
Ich habe mir als Trainer der Olympia-Auswahl der USA und Co-Trainer von Jürgen Klinsmann häufiger Spiele von Vitesse Arnheim angeschaut, weil dort ein junger Amerikaner gespielt hat. Milot konnte man dabei nicht übersehen. Das war so ein kleiner, schneller Dribbler, der unheimlich gut im Eins-gegen-Eins war. Wenn er das auch in der wesentlich härteren Bundesliga zeigen kann, wird er ein richtiger Gewinn für Werder. Vor allem Max Kruse kann von ihm profitieren, weil Milot durch seine Dribblings Überzahlsituationen schafft.
Natürlich sind sieben, acht oder neun Millionen Euro, die Milot gekostet haben soll, viel Geld. Gerade für einen 21-Jährigen. Aber so ist das heute. Ich finde es gut, dass Werder den Mut hat, ihn zu verpflichten. Und ich finde es gut, dass Milot diesen Weg geht und sich nicht für einen absoluten Topclub entschieden hat, wo er sowieso nicht spielt und am Ende irgendwohin verliehen wird.
Letztlich ist so ein junger Spieler aber immer auch eine Wundertüte. Ganz im Gegensatz zu Sebastian Langkamp. Das ist ein ordentlicher Bundesligaspieler. Es wundert mich, dass er bei Hertha nicht mehr diese Rolle wie noch vor gar nicht so langer Zeit spielt. Und charakterlich passt er ohnehin viel besser zu Werder als dieser Lamine Sane. Was der gemacht hat, das geht gar nicht. Du kannst doch nicht streiken!
Ich habe damals bei Werder auch mal nicht gespielt und war ziemlich sauer auf Thomas Schaaf und Klaus Allofs. Aber mir wäre nie im Leben eingefallen, nicht mehr zum Training zu kommen. Und ich kann nicht verstehen, dass es andere Clubs gibt, die sich so einen faulen Apfel holen. Am Ende wird der Spieler sogar noch dafür gefeiert, dass er gewechselt ist. Unglaublich!
Man sollte die Karriere zerstören
Solche Spieler gehören auf die Tribüne. Bei so Kandidaten wie Dembele und Aubameyang ist es ja noch viel schlimmer, weil sie so wertvoll sind. Ich würde mir mal wünschen, dass ein Verein sich traut, so einem Spieler die Karriere zu zerstören, damit alle mal begreifen, dass es so nicht geht. Aber das wird nicht passieren, weil es wirtschaftlich total unvernünftig wäre.
Zurück zu Werder: Durch die Transfers sind die Chancen im Kampf um den Klassenerhalt definitiv gestiegen. Aber jetzt müssen einfach auch die Spiele gewonnen werden – und zwar schon am besten auf Schalke. Das ist zwar neben den Bayern gerade der schwerste Gegner in der Bundesliga. Aber ich traue es Werder zu, dort zu überraschen.
Zur Person: Andreas Herzog (49) bestritt zwischen 1992 und 1995 sowie von 1996 bis 2001 236 Bundesliga-Partien für Werder Bremen. Für Österreich lief er in 103 Länderspielen auf Von 2005 bis 2009 war er Co-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft, danach bis 2011 Chefcoach der U21-Auswahl. Von 2011 bis 2016 arbeitete Herzog als Co-Trainer von Jürgen Klinsmann bei der Nationalmannschaft der USA. 2015 bis 2016 betreute er zudem alleinverantwortlich die U23-Auswahl in der Olympia-Qualifikation.
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