DeichBlick-Kolumne

Ex-Werderaner Nils Petersen: „Wenn du Tore machst, interessiert deine Körpersprache niemanden“

Die DeichBlick-Kolumnisten (v.l.n.r): Fin Bartels, Jurica Vranjes, Torsten Frings, Nils Petersen, Felix Kroos und Ivan Klasnic schreiben über den SV Werder Bremen.
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Die DeichBlick-Kolumnisten (v.l.n.r): Fin Bartels, Jurica Vranjes, Torsten Frings, Nils Petersen, Felix Kroos und Ivan Klasnic schreiben über den SV Werder Bremen.

Es macht wieder Spaß, die deutsche Mannschaft kicken zu sehen: Auf den 2:0-Sieg gegen Frankreich folgte am Dienstagabend ein 2:1 gegen die Niederlande. Ich war in Frankfurt im Stadion live dabei und musste immer mal wieder an mein kurzes Intermezzo als A-Nationalspieler zurückdenken – und auch an Marvin Ducksch vom SV Werder Bremen.

Mit 29 Jahren durfte ich erstmals für Deutschlands A-Team auflaufen - gegen Österreich, Startelf. Ich spielte nicht besonders gut, wir verloren 1:2 und trotzdem war es ein ganz besonderer Tag in meinem Leben. Viel mehr kannst du als Fußballer nicht erreichen, ein Kindheitstraum ging in Erfüllung, Wahnsinn! Ich schwebte auf Wolke sieben und dennoch hatte ich zurück beim SC Freiburg die Sorge, dass mir die fußballerische Leichtigkeit abhandengekommen sein könnte. Ich fühlte mich noch mehr unter Beobachtung, die Erwartungshaltung und damit auch der Druck schienen zuzunehmen. Wenn ich dann einen Tag hatte, an dem nicht viel gelang, machte ich mir schnell `nen Kopf. Geholfen hat das in der Regel nicht – im Gegenteil.

Werder Bremens Ex-Profi Nils Petersen über Marvin Ducksch: „Er ist ein toller Fußballer“

Und damit bin ich dann auch endlich beim Thema Marvin Ducksch: Ich muss sicherlich nicht betonen, wie wichtig er für den SV Werder Bremen ist. Er ist ein toller Fußballer, sein Abschluss ist außergewöhnlich – er durfte wie ich mit 29 Jahren für Deutschland debütieren. Nun will ich mir nicht anmaßen, aus der Ferne beurteilen zu können, warum er derzeit nicht so zuverlässig trifft, wie zu Beginn der Saison, aber ich finde, man muss ihm zugestehen, auch mal eine schwächere Phase zu haben. Das Thema Körpersprache würde ich nicht zu hoch hängen. Denn wenn du Tore machst, interessiert deine Körpersprache niemanden. Machst du keine Tore, wird insbesondere bei einem Nationalspieler ganz genau hingeschaut, und natürlich bekommst du mit, was über dich von Medien und Fans geschrieben wird. Das kann einen Spieler zusätzlich verunsichern.

Oft braucht es dann nur einen Moment, dieses eine Tor, um wieder der Alte zu sein. Und plötzlich gehen die Dinge wieder viel leichter von der Hand, beziehungsweise vom Fuß. Ich glaube, dass der viel zitierte Knoten bei Werder Bremens Marvin Ducksch bald platzt, vielleicht ja schon am Samstag (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) im Weserstadion gegen den VfL Wolfsburg. Und womöglich hat ihm die vergangene Länderspielpause, für die er vom Bundestrainer nicht berücksichtigt worden ist, sogar gutgetan und etwas Last von seinen Schultern genommen. Natürlich bist du enttäuscht, wenn du nicht nominiert wirst. Ich erinnere mich gut daran, dass ich zwar ein zweites Mal für Deutschland spielen durfte, zuvor im Sommer 2018 aber aus dem WM-Kader gestrichen wurde. Bitter, fürchterlich bitter war das. Aber vielleicht auch eine Art Brustlöser. Rückblickend weiß ich: A-Nationalspieler bleibt man sowieso ein Leben lang, das kann dir keiner mehr nehmen.

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