Werder in gewaltiger Identitätskrise

Geduld ist endlich: Kommentar zu Werder Bremens miserablem Auftritt in Stuttgart

Werder Bremens Marco Friedl (li.) und Torwart Michael Zetterer geigen sich beim desaströsen Auftritt gegen den VfB Stuttgart die Meinung.
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Werder Bremens Marco Friedl (li.) und Torwart Michael Zetterer geigen sich beim desaströsen Auftritt gegen den VfB Stuttgart die Meinung.

Der SV Werder Bremen hat sich gegen den VfB Stuttgart desaströs präsentiert und gewaltige Probleme offenbart. Ein Kommentar von DeichStube-Reporter Malte Bürger zur aktuellen Lage sowie der katastrophalen Leistung am Samstagabend.

Bremen – Im Fußball ist es wie in der Liebe – da kommt es nicht sonderlich gut an, wenn mit den Gefühlen gespielt wird. Doch genau das tut der SV Werder Bremen. Nicht erst seit dem desaströsen Auftritt in Stuttgart, sondern schon eine ganze Weile. Die miserable Leistung beim VfB war nur der nächste negative Höhepunkt eines nicht enden wollenden Stillstands. Und das frustriert. Vor allem die Fans. Nicht falsch verstehen: Niemand träumt von tabellarischen Husarenstreichen oder utopischen Europapokalreisen – aber dass in regelmäßigen Abständen die einfachsten Dinge nicht funktionieren, ist beschämend und erschreckend zugleich. Jedes Mal, wenn sich eine zarte Entwicklung andeutet, folgt ein Rückschlag, der die Mannschaft gefühlt noch weiter zurückwirft. Da sind Fortschritte schwierig. Der Glaube an Qualitäten schwindet.

20 Niederlagen in 2023 bisher: Werder Bremen befindet sich in einer gewaltigen Identitätskrise

Dass es auch ganz anders gehen kann, hat ausgerechnet der VfB Stuttgart bewiesen. Noch vor zehn Monaten begegneten sich die Vereine in der Bundesliga auf Augenhöhe, beide einte ein einziger Wunsch: der Klassenerhalt. Doch die Schwaben haben in Windeseile aus ihren Fehlern der Vergangenheit gelernt, dem Personal mit neuem Trainer und ohne große Einkaufstour ein gewinnbringendes Muster übergestülpt. Und auch sportlich den Faktor Tempo in den Fokus gerückt. Bei Werder Bremen fehlt diese Handlungsschnelligkeit. Auf verschiedenen Ebenen. Was sich in Stuttgart auf brutale Weise rächte, als zu langsame Spieler mit dem Gegnerdruck phasenweise überfordert waren. Ein eigenes Aufbauspiel existierte nicht, weil die Fehlpassquote eines Erstligisten nicht würdig war und es offenbar keinen Plan B bei allen Beteiligten gibt, wenn die spielerische Grundidee vom Kontrahenten ausgehebelt wird.

Bei Werder Bremen haben sie es sich auf die Fahnen geschrieben, fußballerisch wieder zu begeistern, das ramponierte Image aufzupolieren. Nach einem fast beendeten Jahr 2023, das bislang nur sieben Siege und fünf Unentschieden, dafür aber 20 Niederlagen bot, muss festgehalten werden: Werder befindet sich in einer gewaltigen Identitätskrise. Eine Misere, die Fans völlig zurecht wütend macht und verzweifeln lässt. Denn bei aller Liebe: Geduld ist endlich. Die Entscheider - angefangen beim Aufsichtsrat über die sportliche Leitung bis hin zum Trainer - müssen jetzt zwingend klären, wie viel Geduld ihre Beziehung noch verdient hat. Die kommende Partie gegen Augsburg wird dabei eine Schlüsselrolle einnehmen.  (mbü)

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