DeichStube-Kommentar
Kommentar: Die Glaubwürdigkeit ist bei Werder Bremen jetzt besonders wichtig
Ein Kommentar von Björn Knips. Das Minus ist zurück! Werder Bremen hat im vergangenen Geschäftsjahr rote Zahlen geschrieben und begründet dies damit, dass gerade nach dem Aufstieg die sportliche Wettbewerbsfähigkeit wichtiger war. Das ist nachvollziehbar, der Plan ging auf, Werder hat recht souverän die Klasse gehalten. Die andere Seite der Medaille sieht allerdings nicht so gut aus.
Das negative Eigenkapital ist auf 17,8 Millionen Euro angestiegen. Es dürfte kein Zufall sein, dass diese Zahl von Werder Bremen öffentlich nicht genannt wird – weder in der Pressemitteilung noch bei der Mitgliederversammlung des Bundesligisten. Erst auf Nachfrage wird diese Problematik eingeräumt und von Werder-Boss Klaus Filbry das Ziel angekündigt, bis 2028 wieder ein positives Eigenkapital aufweisen zu wollen. Wie das gehen soll? Wie fast jeder andere Club setzt Werder auf Transfererlöse, weil die normalen Einnahmen nicht reichen. Was den Irrsinn im Rattenrennen der Fußball-Welt verdeutlicht. Und dabei wird gerne der Mega-Millionen-Verkauf eines Spielers angestrebt.
Eine andere Lösung hat Hubertus Hess-Grunewald am Sonntag präsentiert: Den Einstieg eines Investors, den Werder lieber als strategischen Partner bezeichnet, weil es freundlicher klingt. Die Rede des Präsidenten und Aufsichtsratschefs musste am Sonntag als Einstimmung der Mitglieder auf diese offenbar schon bald anstehende und durchaus einschneidende Veränderung bei Werder Bremen verstanden werden. Von den nur 199 anwesenden Mitgliedern gab es kaum Widerspruch, bei den Ultras dürfte das anders sein. Sie haben schon häufiger ihre ablehnende Haltung beim Thema Investor öffentlich gemacht. Das wird spannend.
Kommentar zum SV Werder Bremen: Warum die Glaubwürdigkeit jetzt besonders wichtig ist
Werder Bremen hat allerdings kaum eine andere Chance, aus der Schuldenfalle zu kommen. Schließlich müssen noch die Anleihe (18 Millionen Euro) und der landesverbürgte Kredit (17 Millionen Euro) zurückgezahlt werden. Gepaart mit dem negativen Eigenkapital zeichnet das ein eher düsteres Bild. Doch Filbry und Co. wollen die Stimmung trotz schwieriger Zahlen lieber aufhellen, versprechen für die nächste Bilanz schon mal ein Plus. Auch die Ankündigung von Geschäftsführer Tarek Brauer, endlich die Probleme mit Leistungszentrum und Gästeblock nach vielen Jahren des Stillstands zu lösen, passen da gut ins Bild.
Kommt zudem tatsächlich ein passender Investor und wird auch die Suche nach einem Nachfolger von Frank Baumann überzeugend und mit einer guten Lösung abgeschlossen, dann könnte durchaus so etwas wie eine Aufbruchstimmung entstehen und aus dem Minus wirklich wieder ein Plus werden. Aber dabei sollte der Öffentlichkeit nichts unterschlagen werden. Denn die Glaubwürdigkeit ist gerade in diesen Zeiten ein sehr hohes Gut.