Werder-Neuzugang will die ersehnte linke Lösung sein

Augustinsson muss jetzt tiefer flanken

Ist Ludwig Augustinsson der neue Bremer Flankengott?
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Ist Ludwig Augustinsson der neue Bremer Flankengott?

Bremen - Immer wieder zischten die Bälle von Werders linker Seite in den Würzburger Strafraum – und der Absender hieß stets Ludwig Augustinsson.

Ist er der neue Bremer Flankengott? Der Schwede überlegt kurz. Die Bezeichnung selbst kennt er noch nicht, der 23-Jährige ist schließlich erst wenige Wochen in Deutschland. Aber der Neuzugang vom FC Kopenhagen weiß, was Flanken sind – und da ergibt sich der Rest von selbst. „Ja, in Dänemark war ich für meine Flanken bekannt, da hatte ich viele Assists. Das will ich hier auch schaffen. Gegen Würzburg ist mir das leider noch nicht gelungen. Das will ich ändern.“

Augustinsson will noch besser spielen

Augustinsson ist selbstbewusst, aber keineswegs überheblich. Dazu passt auch seine persönliche Einzelkritik nach dem 3:0-Sieg beim Drittligisten. „Ich habe gut gespielt, aber ich kann einige Sachen noch besser machen. Ich muss im Abschluss noch zielstrebiger werden.“

Es ist, so scheint es, jammern auf höchstem Niveau. Denn Augustinsson gehörte zu den Besten seines Teams – auch ohne Assist. Doch für diesen Makel war weniger er, sondern mehr sein Teamkollege Theodor Gebre Selassie verantwortlich, dem in der ersten Halbzeit nach einer perfekten Flanke zwar eine gute, aber eben keine perfekte Direktabnahme gelungen war.

Ohnehin ist das mit den Abnehmern der Hereingaben für Augustinsson in Bremen etwas anders. „In Kopenhagen hatten wir große Spieler, die sehr gut in der Luft waren“, berichtet der schwedische Nationalspieler: „Hier muss ich mich anpassen und die Bälle etwas tiefer spielen.“ Denn im Sturm ist Werder ziemlich klein.

Florian Kainz und Fin Bartels messen gerade mal 1,75 Meter. Max Kruse ist auch nur sechs Zentimeter größer, kann aber ganz gut köpfen, wie er beim 2:0 nach einer Kainz-Flanke bewiesen hat. Noch besser kann es Gebre Selassie (1,81 Meter), der aber als rechter Außenverteidiger einen durchaus langen Weg ins Zentrum hat. Es täte Werder also durchaus gut, noch einen echten Mittelstürmer zu verpflichten.

Extraschichten auf dem Trainingsplatz

Augustinsson mischt sich da nicht ein. Er kümmert sich um seine Person - und dazu gehören auch Extraschichten auf dem Trainingsplatz. „Seit ich 14, 15 Jahre alt bin, flanke ich oft noch nach dem normalen Training“, berichtet er und gesteht: „Manchmal muss ich schon etwas aufpassen, dass ich da nicht zu viel mache.“ Deswegen sei er dankbar, dass das Trainerteam da die Augen offen hält und ihn auch mal bremst.

Die Dankbarkeit ist sowieso groß. Die Mannschaft habe ihn toll integriert. Inzwischen hat er in Bremen schon eine Wohnung bezogen. Okay, der Fernseher läuft noch nicht, „aber ich kann ja auch im Internet gucken“. Vielleicht schaut er sich da am Dienstag auch Werders nächsten Gegner Hoffenheim an. Die Kraichgauer spielen in der Champions-League-Qualifikation gegen Liverpool.

Augustinsson ahnt schon, dass Werder am Samstag dann einen anderen Gegner als Würzburg erwartet. „Da wird es auch für mich schwieriger“, sagt er. Das Versprechen, endlich Werders Dauerproblem auf der linken Seite zu lösen, will er zwar nicht abgeben, merkt aber an: „Ich werde alles dafür tun, eine gute Lösung für die linke Seite zu sein und in jedem Spiel gefährliche Situationen zu kreieren.“

Einzelkritik: Pavlenka wackelt kurz, Augustinsson überzeugt

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: Pflichtspiel-Premiere für Werder. Pavlenka begann mit einer unsouveränen Faustabwehr, leistete sich in der Folge bei den meist wenig anspruchsvollen Prüfungen keinen weiteren Wackler mehr. Note 3 © nordphoto
Robert Bauer
Robert Bauer: Wie erwartet übernahm er den Part rechts in der Dreierkette. Hatte dort wenig Probleme. Note 3 © nordphoto
Lamine Sane
Lamine Sane: Bis kurz vor dem Halbzeitpfiff erfüllte er solide seine Pflicht, dann verlor er kurz die Übersicht, was Würzburg die Top-Chance durch Taffertshofer (Pfosten/45.) ermöglichte. Note 3,5 © Gumz
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic: Gewollt oder nicht? Egal, Hauptsache drin! Mit einem Schuss, der irgendwo zwischen Kunststück und verunglückter Flanke anzusiedeln war, erzielte der Innenverteidiger das erste Werder-Tor der Saison. Seine eigentliche Aufgabe als linker Mann der Dreierkette erledigte er unaufgeregt. Note 2,5 © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein: Als Abräumer gut, allerdings hätte sich der gelernte Zehner beim 50 Minuten dauernden Geduldsspiel bis zur Führung mehr zutrauen dürfen. Spielte zu oft nur Sicherheitspässe. Nach Bargfredes Einwechslung rückte Eggestein etwas nach vorne und nutzte die Auflösungserscheinungen in Würzburgs Hintermannschaft abgebrüht zum 3:0. Note 2,5 © Gumz
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Von Defensivaufgaben weitgehend unbehelligt durfte sich Gebre Selassie lange nach Herzenslust ins Offensivspiel einschalten. Zwar nutzte er das nicht zu einem Flankengewitter von rechts, aber Gebre Selassie wurde zu Bremens gefährlichstem Stürmer. Drei gute Chancen hatte er – mindestens die nach Flanke von Augustinsson hätte er verwerten müssen (38.). Note 2,5 © dpa
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson (bis 87.): Auch er stand zum ersten Mal bei einem Pflichtspiel für Werder auf dem Platz. Und es lässt sich sagen: Das wird was mit dem Schweden! Augustinsson hielt konsequent seine Position auf links, bekam viele Bälle und schlug gefährliche Flanken. Note 2 © imago
Jerome Gondorf
Jerome Gondorf (bis 63.): Auf der Taktiktafel hatte man ihn auf der rechten Halbposition erwartet. In der Realität spielte Neuzugang Gondorf bei Ballbesitz oft Stürmer, agierte auf einer Linie mit Kainz. Dass diese Rolle zu ihm passt, darf jedoch bezweifelt werden. Note 3,5 © Gumz
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Kein überzeugendes Spiel des Dänen, der Werder erstmals als Kapitän aufs Feld führte. Insgesamt nicht mit der Präsenz und der Bindung zum Spiel, wie es von ihm erwartet wird. Note 3,5 © nordphoto
Florian Kainz
Florian Kainz (bis 79.): Er lief viel, war bemüht, holte sich die Bälle. Aber Offensiv-Akzente? Die blieben lange aus. Erst als Werder mit der Führung im Rücken mehr Raum bekam, hatte auch Kainz auffällige Aktionen. Die beste war die Maßflanke auf Kruse, die das Spiel entschied. Note 3 © Gumz
Max Kruse
Max Kruse: Er lief bei Weitem nicht so viel wie Kainz, spielte auch nicht auf vorderster Linie, sondern ließ sich häufig ein paar Meter nach hinten fallen oder wich auf die linke Seite aus. Dann schlich er sich doch in die Mitte und nickte nach Kainz-Vorarbeit zum 2:0 ein. Gewiss nicht der Fitteste, aber mit sicherem Instinkt für die Situationen. Note 2,5 © Gumz
Philipp Bargfrede
Philipp Bargfrede (ab 63.): Kam für Gondorf und agierte deutlich defensiver. Note - © nordphoto (Archivfoto)
Johannes Eggestein
Johannes Eggestein (ab 79.): Zurück im Kreis der Profis! Zuletzt hatte der 18-Jährige vor einem Jahr bei der Pokal-Blamage gegen Lotte im Bundesliga-Team mitgewirkt. Die elf Minuten gegen Würzburg markieren für ihn also einen Neuanfang. © nordphoto (Archivfoto)
Ulisses Garcia
Ulisses Garcia (ab 87.): Noch ein Kurzeinsatz für den Schweizer. Note - © nordphoto (Archivfoto)

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