Kapitän über seine Werder-Entwicklung
In der Ruhe liegt die Kraft: Wie Marco Friedl seinen Weg als Werder-Kapitän und Abwehrchef endgültig gefunden hat
Marco Friedl fühlt sich aktuell pudelwohl in seiner Rolle beim SV Werder Bremen. Der Kapitän spricht über seine konstant guten Leistungen, das Leben als Vater und seine Aufgaben als Abwehrchef.
Bremen – Ballverteiler, Zweikämpfer, Fels in der Brandung. Marco Friedl hat viele Aufgaben, die er beim SV Werder Bremen zu erledigen hat. Die wichtigste Nachricht aus Sicht des Vereins: Er löst sie schon seit geraumer Zeit auf einem vorbildlichen, weil konstant guten Niveau. Vorbei die Auftritte, bei denen es Friedl allen unbedingt beweisen wollte. So sehr, dass er sich möglicherweise etwas zu sehr unter Druck setzte, sein Spiel dadurch mehr Schwankungen ausgesetzt war, als ihm lieb war. Nun wirkt er fokussiert und gefestigt wie nie zuvor. Kurzum: Der österreichische Nationalspieler hat seinen Weg gefunden.
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Rückblick: Als der Österreicher 2022 Kapitän an der Weser wurde, sprach er offen darüber, dass er sich an Vorbildern und gestandenen Profis wie Ömer Toprak orientiere – mittlerweile hat sich Marco Friedl emanzipiert. Jetzt ist er jemand, zu dem andere aufschauen können. Jemand, der die Ruhe bewahrt, wenn es auf dem Platz mal ungemütlich zu werden droht. Dieser innere Frieden ist es auch, den der 26-Jährige als Schlüssel zu seiner spielerischen Stabilität ausgemacht hat. „Ich habe wenige Sachen, die mich belasten oder unangenehm sind für mich“, schildert er. „Ich habe einen guten Rhythmus, eine gute Entscheidungsfindung.“ Das wirke sich allgemein auf seine Leistungen und eben auch speziell auf sein Kapitänsamt bei Werder Bremen aus. „Ich lebe diese Rolle sehr, sehr gut aus. Deswegen habe ich sehr viel Ruhe in meinem Alltag. Ich weiß, dass ich so der Mannschaft am besten helfen kann. Ich investiere viel, dass es mir gut geht, es für meinen Körper passt und ich fit bin.“
Werder Bremens Kapitän Marco Friedl schwärmt: „Ich fühle mich sehr gut, wie es gerade läuft“
Spezielle Trainings mit Mentalcoach Yasin Seiwasser nehmen etwa einen großen Raum in Marco Friedls Arbeit ein, die dort erlernten Methoden helfen beim Bewältigen von Stresssituationen und dem Erreichen von selbst gesteckten Zielen. Zusätzliche Kraft gibt das familiäre Umfeld, seit April ist der Innenverteidiger Vater und besitzt somit noch ganz andere Verpflichtungen in seinem Leben. Alles kleine Details, die den Profi zu eben jenem wichtigen Akteur bei Werder Bremen machen, der er gerade ist. „Das Papa-Sein hat in dem Sinne Auswirkungen, dass du dich in deinem Alltag umstellen und damit wachsen musst. Vielleicht hat mir das geholfen“, meint Friedl. „Ich fühle mich sehr gut, wie es gerade läuft – auch privat. Und wenn du im Privaten ein gutes Gefühl hast, kannst du das auch in den Sport mitnehmen.“
Weil um ihn herum in der jüngeren Vergangenheit auch immer Mitspieler verletzungsbedingt ausfielen, rutschte Marco Friedl obendrein nach und nach in eine Rolle, die er eigentlich selbst nicht einmal für sich vorgesehen hatte: die des Abwehrchefs in der Zentrale der Dreierkette. „Vor gar nicht allzu langer Zeit hätte ich das nicht gedacht. Ich bin ja Linksfuß. Da fühle ich mich links sehr wohl“, sagt Friedl. „Aber im Zentrum fühle ich mich noch wohler. Das sieht der Trainer genauso, er will auch, dass ich das Kommando übernehme.“ Soll heißen: Selbst wenn Niklas Stark bald wieder fit ist und jetzt auch Milos Veljkovic und Amos Pieper wieder zur Verfügung stehen, wird sich an der grundsätzlichen Aufteilung bei Werder Bremen im Normallfall nichts ändern. Und das ist ganz in Friedls Sinne: „Ich will das Kommando haben, ich muss und will vorangehen.“ (mbü)