WM-Qualifikation

„Ein schwarzer Tag für Österreich“: Amoklauf in Graz überschattet erfolgreiches ÖFB-Comeback von Werder-Kapitän Friedl

Marco Friedl gibt sein Comeback für Österreich, auch die beiden anderen Werder-Bremen-Profis kommen beim 4:0-Sieg zum Einsatz. Zum Feiern ist aber niemandem zumute.

Bremen/Serravalle – Der Fußball geriet an diesem Dienstagabend im WM-Qualifikationsspiel zwischen San Marino und Österreich zur Nebensache. Die Gedanken der Spieler und Verantwortlichen kreisten vor und nach der Partie nur um die schreckliche Amoktat in Graz, wo ein 21-Jähriger am Morgen an einer Schule erst zehn Menschen erschoss und dann sich selbst. Dass das ÖFB-Team seine sportliche Pflichtaufgabe beim Weltranglisten-Letzten mit einem 4:0 (4:0)-Pflichtsieg letztlich souverän erledigte, interessierte eigentlich niemanden. Auch nicht Marco Friedl, der eigentlich allen Grund zur Freude gehabt hätte. Schließlich hatte Werder Bremens Kapitän nach fast genau drei Jahren sein Comeback für die Auswahl der Alpenrepublik gefeiert, und war in seinem sechsten Länderspiel über 90 Minuten zum Einsatz gekommen.

Gemeinsam mit den österreichischen Fans gedachten die Nationalspieler um Werder Bremens Kapitän Marco Friedl der Opfer des Amoklaufs von Graz.

Werder Bremen-Kapitän Marco Friedl und Marko Arnautovic denken bei Österreich-Länderspiel nur an Graz-Opfer

„Sehr dankbar, wieder für das Nationalteam auf dem Platz gestanden zu haben“, postete der 27-Jährige im Anschluss auf seinem Instagram-Kanal: „Aber an einem Tag wie heute rücken sportliche Erfolge in den Hintergrund. Die Ereignisse in Graz machen sprachlos. Ein schwarzer Tag für Österreich.“ Friedls Worten schloss sich auch Matchwinner Marko Arnautovic an, der die Österreicher mit seinem Länderspieltor Nummer 40 (3. Minute) früh mit 1:0 in Führung brachte. „Nachdem, was wir heute in der Früh gehört haben, interessiert mich dieses Spiel überhaupt gar nicht. Seither habe ich nur Herzrasen und Mitleid für das, was dort in Graz passiert ist. Das ist brutal“, gestand der 36-jährige Ex-Profi von Werder Bremen am „Servus TV“-Mikro und ergänzte: „Ich weiß nicht, ob wir noch so safe sind auf dieser Welt. Die Gedanken der ganzen Mannschaft sind nur in Graz.“

Schon vor dem Anpfiff im mit gut 3.000 Zuschauern besetzten Stadio Olimpico San Marino gedachten die rund 1.500 mitgereisten Gästefans der Opfer in Graz mit einem schwarzen Banner und zwei weißen Kreuzen mit dem Wort „Graz“, das auf Höhe der Mittellinie platziert wurde. Es folgte eine emotionale Schweigeminute, bei der einige ÖFB-Stars den Tränen nahe waren. Auf dem Platz ließen sich die in Trauerflor spielenden Österreicher von den tragischen Begleitumständen aber zunächst kaum etwas anmerken. Michael Gregoritsch (11.) und erneut Arnautovic (15.) erhöhten rasch auf 3:0. Nach seinem Abgang von Inter Mailand fehlen dem ehemaligen Stürmer des SV Werder Bremen mit nun 41 Länderspieltreffern nur noch drei Tore auf den ÖFB-Rekordtorschützen Toni Polster. RB Leipzigs Christoph Baumgartner (27.) traf noch im ersten Durchgang zum 4:0-Endstand.

Österreich gegen San Marino: Werder Bremen-Trio Marco Friedl, Romano Schmid und Marco Grüll kommt zum Einsatz

Die Österreicher, bei denen die anderen beiden Werder-Bremen-Profis Romano Schmid (46.) und Marco Grüll (63.) eingewechselt wurden, schalteten in der zweiten Hälfte allerdings mindestens einen Gang zurück, sodass es letztlich beim klaren 4:0-Erfolg blieb. Auch weil Matchwinner Arnautovic in der 85. Minute noch mit einem Foulelfmeter am starken San-Marino-Keeper Edoardo Colombo scheiterte. Doch das interessierte angesichts der Tragödie von Graz niemanden mehr. (mwi)

Rubriklistenbild: ©  IMAGO/Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder, Screenshot Instagram ÖFB

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