Werder-Neuzugang will sich durchsetzen

„Ich hoffe, dass sie mir eine zweite Chance geben“: Werder-Neuzugang Marco Grüll will sportlich und moralisch überzeugen

Der neue Mann mit der Nummer 17: Marco Grüll hat sich im Zillertal als Neuzugang des SV Werder Bremen vorgestellt.
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Der neue Mann mit der Nummer 17: Marco Grüll hat sich im Zillertal als Neuzugang des SV Werder Bremen vorgestellt.

Marco Grüll will sich nach seinem Wechsel zum SV Werder Bremen an der Weser durchsetzen und ist von seinen Qualitäten überzeugt. Zudem hofft der 26-Jährige darauf, nach dem Eklat um homophobe Schmähgesänge nach einem Spiel von Rapid Wien eine zweite Chance von den Werder-Fans zu erhalten.

Zell am Ziller – Zur Begrüßung gab es erst einmal eine Runde Applaus. Auch von den Fans, aber vor allem von den Profis des SV Werder Bremen. Denn endlich ist er da: Neuzugang Marco Grüll. Der österreichische Offensivmann war bereits am Mittwoch im Teamhotel der Norddeutschen in Zell am Ziller eingetroffen, keine 24 Stunden später folgte die erste lockere Trainingseinheit mit den jetzigen Kollegen. „Alle haben mich super aufgenommen. Ich habe mich sofort wohlgefühlt und bin froh, dass es endlich losgeht“, sagte der 26-Jährige hinterher.

Werder Bremen-Neuzugang Marco Grüll: „Ich probiere, meine Leistungen, die ich bei Rapid gezeigt habe, hier zu wiederholen“

Ein Mann der großen Worte ist Marco Grüll nicht. Er wägt genau ab, was er sagt, nach zwei, drei Sätzen sind seine Antworten in der ersten offiziellen Medienrunde stets gegeben. Das mag am noch ungewohnten Umfeld und der Nervosität liegen – oder schlichtweg daran, dass der fünffache Nationalspieler lieber Taten sprechen lassen möchte. „Es wird sicherlich noch ein paar Trainings dauern, bis ich bei 100 Prozent bin, aber ich fühle mich schon ganz gut“, erklärte Grüll, den Werder Bremen bereits im vergangenen Winter von einem ablösefreien Transfer überzeugen konnte. Bei Rapid Wien hatte sich der Mann aus Schwarzach im Pongau zuletzt deutlich in den Fokus gespielt, 46 Tore erzielte er dort seit 2021 in 132 Pflichtspielen. Das weckte Begehrlichkeiten, erste Gespräche mit den Grün-Weißen wurden bereits im vergangenen November geführt, verriet Grüll. Und der musste nicht lange nachdenken, um seine Unterschrift unter einen Vertrag am Osterdeich zu setzen. „Ich wollte Klarheit über meine Zukunft, um mich bis zum Schluss zu 100 Prozent auf Rapid konzentrieren zu können“, schilderte er. Gleiches will er jetzt für den SVW tun: „Ich möchte mich gut integrieren und von Anfang an Gas geben in den Trainings. Ich probiere, meine Leistungen, die ich bei Rapid gezeigt habe, hier zu wiederholen und mein Spiel durchzuziehen. Dann wird man sehen, für wie viele Minuten es reichen wird.“

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Werder Bremens Neuzugang Marco Grüll: „Ich habe ein gutes Tempo, bin gut im Eins-gegen-Eins, suche immer die Wege zum Tor“

Die Konkurrenz in der Offensive ist nicht eben gering. Marvin Ducksch, Justin Njinmah, Dawid Kownacki und Keke Topp lauern beim SV Werder Bremen ebenfalls auf Einsätze, auch Landsmann Romano Schmid kann in vorderster Reihe eingesetzt werden. Grülls großes Plus soll daher dessen Flexibilität sein, denn nach eigener Aussage könne er jede Position in der Abteilung Attacke bekleiden. „Ich habe ein gutes Tempo, bin gut im Eins-gegen-Eins, suche immer die Wege zum Tor und probiere, so schnell wie möglich zum Abschluss zu kommen oder den letzten Pass zu spielen“, beschreibt er selbst seine Qualitäten. Qualitäten, die dabei helfen sollen, den nicht einfachen Sprung von der österreichischen in die deutsche Bundesliga möglichst unkompliziert zu schaffen. Zuletzt bei der EM, als Marco Grüll zum Kader der Alpenrepublik gehörte, ist er auf viele Profis getroffen, die den Schritt ins Nachbarland bereits hinter sich haben – und ihm Mut zusprachen. „Sie haben alle gesagt: ,Mach das, was du immer machst. Dann wird es schon nicht so schlecht ausschauen‘“, erzählte Grüll.

Pluspunkt: Wenn es am Samstag für den Tross des SV Werder Bremen zurück an die Weser geht, dann muss sich der Neu-Bremer nicht erst mit störenden Nebenthemen in seiner jetzigen sportlichen Heimat herumplagen. Die Eingewöhnung kann sofort beginnen. „Ich habe tatsächlich alles schon fertig gemacht, weil ja schon früh bekannt war, dass ich hierher wechsle“, sagte Marco Grüll. Heißt: Eine Wohnung ist gefunden, der Umzug abgewickelt. Auch im Weserstadion hat er schon vorbeigeschaut, war Ende Januar quasi inkognito Gast beim 3:1-Heimsieg seiner damals noch zukünftigen Mannschaft gegen den SC Freiburg. „Das Stadion ist immer voll“, meinte Grüll, „da freut man sich natürlich sehr, dort auch bald zu spielen.“

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Werder Bremens Neuzugang Marco Grüll: „Ich möchte mir hier selbst auch einen Namen machen. Dafür muss ich gute Leistungen bringen“

Und der 26-Jährige hofft, dass ihn die Fans des SV Werder Bremen dann mit offenen Armen empfangen werden. Was selbstverständlich klingt, ist es in seinem Fall nur bedingt. Zur Erinnerung: Nach einem Derbysieg mit Rapid Wien im Frühjahr gegen den Stadtrivalen Austria hatten Grüll und Co. bei einer anschließenden Feier homophobe Schmähgesänge angestimmt und damit einen Eklat ausgelöst. Sperren waren die Folge, auch Werder verurteilte den Zwischenfall seinerzeit. Und auch in großen Teilen der Bremer Anhängerschaft kam das Verhalten des künftigen Spielers nicht gut an. „Ich hoffe, dass sie mir noch eine zweite Chance geben“, betonte Marco Grüll. „Ich bin nicht solch ein Mensch wie der, als der ich mich damals dargestellt habe. Es war ein Riesenblödsinn, der mir unendlich leidtut.“ Auch bei den Bremer Verantwortlichen hatte er sich schon kurz nach den Gesängen telefonisch entschuldigt.

Nun möchte Marco Grüll ein neues, schöneres Kapitel in seiner Karriere aufschlagen. Werder Bremen soll dafür genau der richtige Platz sein – schließlich verfügt der Verein über eine lange Tradition, wenn es um Profis aus dem südlichen Nachbarland geht. „Man hört und liest natürlich, welche Spieler aus Österreich schon alle bei Werder waren und welche Karriere sie gemacht haben“ sagte Grüll. „Ich möchte mir hier selbst auch einen Namen machen. Dafür muss ich gute Leistungen bringen.“ Und danach darf dann auch gern wieder mit den Fans gesungen werden. „Aber auf jeden Fall mit positiven Schlagzeilen“, unterstrich Grüll. (mbü/kni)

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