Verteidiger versucht Fallrückzieher

Comeback mit Flugshow: Wöbers Bundesliga-Debüt für Werder macht Appetit auf mehr

Maximilian Wöber feiert endlich sein Bundesliga-Debüt für Werder Bremen - und macht nicht nur wegen seines Fallrückzieher-Versuchs Lust auf mehr.

Das Datum hat Maximilian Wöber noch ganz genau im Kopf. „Es war der 15. August, als ich im Pokalspiel dabei war“, sagte der Österreicher. Die Erinnerungen daran sind nicht allzu gut, denn einerseits verlor der SV Werder Bremen im vergangenen Sommer in Bielefeld, andererseits zog sich der Verteidiger damals die erste von vielen Verletzungen zu, die noch folgen sollten. Was dazu führte, dass die Leihgabe von Leeds United jetzt erst mit zehnmonatiger Verspätung ihre Bundesliga-Premiere für Werder erlebte. In der 65. Minute war Wöber gegen den VfB Stuttgart (1:1) eingewechselt worden – und deutete dabei an, welche Fantasie die Bremer Verantwortlichen einst zur Verpflichtung bewogen hatte und warum der Profi auch weiterhin ein hohes Ansehen im Nationalteam der Alpenrepublik besitzt und sogar noch auf das WM-Ticket hoffen darf.

Maximilian Wöber feierte sein Bundesliga-Debüt für Werder Bremen - und sein ersehntes Comeback - gegen den VfB Stuttgart - und überraschte mit einem Fallrückzieher-Ansatz.

Maximilian Wöber feiert endlich Bundesliga-Debüt und hätte sich mit Fallrückzieher „in die Geschichtsbücher eintragen können“

„Ich bin extrem erleichtert, dass ich es in dieser Saison noch geschafft habe“, meinte Maximilian Wöber. „Ich bin froh, dass die Leidenszeit vorbei ist und ich hoffentlich nächste Woche mit den Fans im Weserstadion einen Sieg feiern kann.“ Es sind nur ein paar Tage, die der 28-Jährige in die Zukunft schaut, aber es gab Phasen während der vergangenen Monate, da war nicht einmal das möglich. Zu oft gab es Rückschläge, wenn Wöber einen neuen Comeback-Versuch unternahm. Doch aktuell scheint der Körper zu halten. Seit zwei Wochen trainiert er nun mit der Mannschaft, erlebte zwischendurch bei einem Ausflug zu Werder Bremens U23 eine 45-minütige Belastungsprobe für den Ernstfall. Am Montagmorgen, als Chefcoach Daniel Thioune im Anschluss an den Trip zum VfB Stuttgart zum Spielersatztraining für die Reservisten und Kurzarbeiter bat, fehlte der Defensivakteur dann allerdings. „Wir müssen ihn steuern, das war schon sehr viel Wucht und Intensität in Stuttgart“, erklärte Thioune.

Maximilian Wöber hatte geblockt, geköpft, mehrfach gegen immer druckvoller werdende Schwaben geklärt. Und er hatte die Zuschauer kurz die Luft anhalten lassen. „Wir hätten noch etwas kaltschnäuziger sein können – auch ich mit meiner Fallrückzieher-Idee, die ich gehabt habe“, sagte er später lachend. Zwei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit war der gebürtige Wiener mit aufgerückt und hatte sich nach einer feinen Vorlage von Romano Schmid in die Luft gelegt, dann aber den Ball nicht richtig getroffen. So wurde es nichts mit einem spektakulären Siegtreffer für Werder Bremen. „Er hätte sich da in die Geschichtsbücher eintragen können, wenn er den macht“, meinte Sportchef Clemens Fritz beeindruckt. „Ich dachte nur: Was macht Maxi jetzt da vorne? Ich wünsche ihm, dass er noch fitter wird und besser reinkommt, damit er die Weltmeisterschaft spielen kann. Er hat es sehr gut gemacht, und es ist schön, dass er wieder da ist.“

Bleibt Maximilian Wöber bei Werder Bremen? Für Daniel Thioune „verbietet es sich, zu weit nach vorne zu schauen“

Das fanden auch Wöbers Teamkollegen. „Man hat gesehen, wie sehr er uns noch helfen kann. Er hat es super gemacht, viele Bälle geklärt“, lobte Linksverteidiger Olivier Deman. „Wenn du so lange raus gewesen bist und dann bei einem Spiel in Stuttgart eingewechselt wirst, ist das alles andere als einfach. Aber er hat einen super Job angeliefert.“ Senne Lynen urteilte derweil: „Er war stabil, hat gute Entscheidungen getroffen und war im Kopf stark. Das ist auf jeden Fall ein großer Schritt für ihn.“ Wie groß genau, das wird sich jetzt zeigen. Geht es für Maximilian Wöber sogar nochmal Richtung Startelf? Oder nach dem eigentlichen Ende der Leihe gar doch fest beim SV Werder Bremen weiter? „Es ist in der Vergangenheit zu viel gewesen, und daher verbietet es sich, zu weit nach vorne zu schauen“, mahnte Trainer Thioune. „Es ist angebracht, jetzt einfach mal nur das Momentum zu bewerten.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © IMAGO/nordphoto

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