DeichStube-Interview

„Ich denke noch heute, es hätte gut passen können“: Freiburg-Stürmer Gregoritsch über seinen Fast-Werder-Wechsel und die Magie des Christian Streich

Michael Gregoritsch wäre 2019 mal fast zu Werder Bremen gewechselt. Jetzt kommt er mit dem SC Freiburg mal wieder als Gegner an den Osterdeich.
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Michael Gregoritsch wäre 2019 mal fast zu Werder Bremen gewechselt. Jetzt kommt er mit dem SC Freiburg mal wieder als Gegner an den Osterdeich.

Michael Gregoritsch vom SC Freiburg spricht im DeichStube-Interview über seinen einstigen Fast-Wechsel zu Werder Bremen, die EM mit Österreich und die Magie des Christian Streich.

Bremen - Beinahe wäre er in Bremen gelandet. Vor fünf Jahren liebäugelte Michael Gregoritsch, der sich damals beim FC Augsburg nicht mehr wohlgefühlt hat, mit einem Wechsel an die Weser. Die Konstellation beim SV Werder Bremen mit dem damaligen Trainer Florian Kohfeldt und die Besonderheit des Clubs habe ihn gereizt, verrät der 29-Jährige im Interview mit der DeichStube. Nun spielt der Österreicher beim SC Freiburg, vor dem Duell am Osterdeich (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) spricht der Stürmer auch über seine bewegte Karriere, Trainer Christian Streich und die nahende Europameisterschaft.

In Ihrer Karriere herrschte bislang viel Bewegung, seit 2009 haben Sie für acht Vereine gespielt. Sind Sie ein Wandervogel, Michael Gregoritsch?

Zumindest am Anfang meiner Karriere mag das so scheinen. Als junger Spieler bin ich oft den Umweg gegangen – einerseits weil ich es musste, andererseits weil ich es wollte. Ich wollte schnell den nächsten Schritt gehen. Daher habe ich oft den Club gewechselt.

Sehr häufig handelte es sich auch um Leihen oder Zurückstufungen in die Reserve.

Richtig. Es war halt so, dass ich es auch in der zweiten Mannschaft versuchen musste. Bei meinem Heimatverein Kapfenberg in Österreich zum Beispiel, wo ich aus der Jugend gekommen bin, einen Vertrag in Hoffenheim unterschrieben hatte und sofort wieder zu Kapfenberg II verliehen worden bin. Für mich war es völlig normal, als Nachwuchsspieler in der zweiten Mannschaft Spielpraxis zu sammeln, wie es auch später in Hoffenheim und bei St. Pauli der Fall gewesen ist.

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Vor Spiel gegen Werder Bremen: SC Freiburg-Stürmer Michael Gregoritsch im DeichStube-Interview

Seit 2022 sind Sie nun in Freiburg. Wie zufrieden sind Sie?

Sehr zufrieden, es passt ganz gut. Wir spielen guten Fußball und sind erfolgreich.

Am Anfang dieser Spielzeit haben Sie eine nicht so optimale Phase durchlebt, weil Sie als Stürmer nicht so regelmäßig getroffen haben. Woran lag die Durststrecke?

Ein Stürmer, der nicht mehr trifft, fragt sich immer, woran es liegt. Ich habe für mich keine Erklärung gefunden. Möglicherweise hat meine Verletzung eine Rolle gespielt. Ich war halt nicht so im Rhythmus. Zum Glück habe ich zum Jahresende diese Phase beenden können.

In Fußball-Deutschland hat der SC Freiburg sozusagen ein Alleinstellungsmerkmal. Viele schwärmen von dem Club aus dem Breisgau. Was ist das Besondere?

Kurz gesagt: Es geht sehr familiär, sehr freundschaftlich zu. Hier arbeitet jeder für jeden, ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen. So kommt der Erfolg zustande.

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Michael Gregoritsch vom SC Freiburg im Interview: „Für mich ist Christian Streich ein außergewöhnlicher Mensch“

Das Gesicht des Vereins ist der Trainer. Christian Streich ist seit Jahren da und hat den Erfolg gepachtet. Sie haben einige Coaches erlebt. Was macht den Trainertypen Christian Streich aus?

Er hat am Anfang seiner Laufbahn das Vertrauen vom Club ausgesprochen bekommen und konnte so aus der Jugendakademie aufrücken. Auch beim Abstieg haben die Verantwortlichen weiter auf ihn gesetzt und nicht, wie es vielerorts üblich ist, alles über den Haufen geworfen. Es hat sich ausgezahlt. So kann eine solche Erfolgsgeschichte entstehen, wenn alle im Verein die Ruhe bewahren. Für mich ist Christian Streich ein außergewöhnlicher Mensch. Die Fähigkeiten im Umgang mit den Spielern sind neben seinem immensen Fachwissen die Basis für den Erfolg.

Mal stehen Sie in der Startelf, mal kommen Sie von der Bank. Personelle Wechsel sind bei Christian Streich an der Tagesordnung. Wie stufen Sie sich selbst ein? Sind Sie ein Stammspieler?

Der Trainer hat mal gesagt: Es gibt keine Stammspieler. Daher werde ich jetzt hier nicht verkünden, dass ich mich als Stammspieler sehe.

Am vergangenen Spieltag landete Freiburg mit dem 3:2 gegen Hoffenheim einen ganz wichtigen Sieg, hat den Abstand zum direkten Rivalen vergrößert. Mit derzeit 28 Punkten winkt erneut das internationale Geschäft. Wie sehen Sie die Chancen?

Der aktuelle Punktestand ist ganz in Ordnung, entspricht unserem Leistungsstand. Doch wir dürfen nicht nachlassen, müssen weitermachen, um am Saisonende so abzuschneiden, wie wir es uns alle wünschen.

Und Sie wünschen sich das internationale Geschäft, richtig?

Das ist nicht unser Ziel. Doch wenn sich die Möglichkeit ergibt, wollen wir schon zupacken. Wir wissen, wo wir herkommen. Und uns ist bewusst, dass wir eine Mannschaft sind, die nicht jedes Jahr im Europacup vertreten sein muss.

Michael Gregoritsch über Fast-Transfer zu Werder Bremen: „Denke noch heute, es hätte gut passen können“

In dieser Saison ist Freiburg noch in den Playoffs der Europa League vertreten. Mitte Februar folgt das Duell mit dem RC Lens. Wie beurteilen Sie die Chancen?

Die Franzosen besitzen eine enorm starke Elf, die in der letzten Saison eine gute Rolle in der Liga gespielt hat. Auch in der Champions League hat Lens einige gute Leistungen abgeliefert. Deshalb ist Lens leicht favorisiert, doch wir werden alles dafür tun, um uns zu behaupten und dort zu bestehen.

Am vergangenen Bundesliga-Spieltag gab es eine kleine Sensation: Werder hat nach 15 Jahren beim FC Bayern München gewonnen. Wie haben Sie reagiert, als Sie von diesem Coup gehört haben?

Ich habe es neutral zur Kenntnis genommen.

Sie waren nicht überrascht?

Nein.

Stichwort Bremen: Sie wollten früher mal zu Werder, als Sie 2019 beim FC Augsburg unzufrieden gewesen sind. Was war der Grund?

Die damalige Konstellation mit dem Trainer Florian Kohfeldt. Zudem halte ich auch Bremen für einen außergewöhnlichen Verein, in gewisser Hinsicht so besonders wie Freiburg. Damals, so denke ich noch heute, hätte es gut passen können.

Verfolgt das Bundesliga-Spiel zwischen dem SV Werder Bremen und dem SC Freiburg im DeichStube-Liveticker!

Michael Gregoritsch über die schwere EM mit Österreich: „Vergleichbar mit der Lage in Freiburg“

„Ich will einfach nur weg“, wurden Sie zitiert. Waren Sie sehr verärgert, dass die Augsburger den Transfer nicht zugelassen haben?

Zum damaligen Zeitpunkt schon, doch danach haben wir uns ausgesprochen und Dinge geklärt. Ich habe mich dann schnell damit abgefunden.

In Ihrer Vita taucht eine Marke auf, die in der Fußball-Historie möglicherweise einen Rekord für die Ewigkeit darstellen könnte. 15 Jahre und 361 Tage alt waren Sie, als Sie in der österreichischen Liga zum ersten Mal getroffen haben. Der jüngste Torschütze in dieser Spielklasse. Was bedeutet Ihnen diese Bestmarke?

Es ist eine schöne Nebensache. Ich bin glücklich darüber, doch für meine Karriere hatte und hat es nicht den Effekt.

Ihr Vater Werner war auch Fußballer und hat die Trainerlaufbahn eingeschlagen, betreut gegenwärtig Österreichs U21. Ist es ein Vor- oder Nachteil einen Vater zu haben, der in der Branche bekannt ist?

Anfangs war es auf jeden Fall vorteilhaft, weil ich jemanden hatte, mit dem ich privat über Fußball reden konnte. Als er mich trainiert hat, haben wir uns bemüht, es so gut wie möglich hinzubekommen, dass nicht der Eindruck entsteht, er bevorzuge mich. Das hat ganz gut geklappt, zumal wir erfolgreich waren – Gott sei Dank.

Thema Nationalelf und Europameisterschaft: Austrias Team ist seit Monaten im Aufwind. Was ist bei der EM in Deutschland zu erwarten?

Wir haben eine schwere Gruppe erwischt. Unser Ziel ist es, die Gruppenphase zu überstehen und uns gegen so starke Nationen wie Frankreich und die Niederlande so teuer wie möglich zu verkaufen. Es ist vergleichbar mit der Lage in Freiburg: Wir dürfen keine großen Ziele ausrufen, nur weil es bislang so gut gelaufen ist. (hgk)

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