Auf Werder-MV verkündet

Wieder im grünen Bereich: Werder Bremen erwirtschaftet Millionen-Plus – Eigenkapital erstmals seit fünf Jahren wieder positiv

Auf der Mitgliederversammlung in der Werder-Halle an der Hemelinger Straße hat der SV Werder Bremen die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert.
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Auf der Mitgliederversammlung in der Werder-Halle an der Hemelinger Straße hat der SV Werder Bremen die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert.

Der SV Werder Bremen hat am Montagabend während der Mitgliederversammlung die Zahlen zum Geschäftsjahr 2023/24 präsentiert – mit erfreulichen Neuigkeiten.

Bremen – Aus rein sportlichen Gesichtspunkten waren sie beim SV Werder Bremen äußerst zufrieden mit der vergangenen Saison, die bekanntlich ohne große Sorgen verlief und den Verein am Ende sogar fast nach Europa geführt hätte. Nun hat der Bundesligist auch wirtschaftlich Bilanz gezogen und seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2023/24 präsentiert. Während der Mitgliederversammlung des SV Werder trat Geschäftsführer Klaus Filbry am Montagabend in der Werder-Halle an der Hemelinger Straße vors Mikrofon - und hatte Erfreuliches zu verkünden. 

Millionen-Überschuss und sattes Plus beim Eigenkapital: Werder Bremen präsentiert wirtschaftliche Bilanz

In der Spielzeit 2023/24 hat Werder bei einem Umsatz in Höhe von 149,9 Millionen Euro einen Überschuss von 2,2 Millionen Euro erwirtschaftet. Ihr Ergebnis aus dem vorangegangenen Geschäftsjahr 2022/23, als unter dem Strich ein Fehlbetrag von 3,8 Millionen Euro gestanden hatte, konnten die Bremer um sechs Millionen Euro verbessern. Zum Vergleich: Damals hatte der Umsatz bei 120,1 Millionen Euro gelegen, im Geschäftsjahr 2023/24 ist er um beachtliche 29,8 Millionen Euro gewachsen. Dank des Einstiegs des regionalen Investorenbündnisses, das dem SV Werder Bremen im Januar 2024 insgesamt 38 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat, weist der Verein zudem seit Langem wieder ein positives Eigenkapital auf. Aus einem Minus von 17,9 Millionen Euro ist im Geschäftsjahr 2023/24 ein sattes Plus in Höhe von 22,3 Millionen Euro geworden. Letztmals hatte sich Werders Eigenkapital vor fünf Jahren (Geschäftsjahr 2018/19) im grünen Bereich bewegt. Die 38 Millionen Euro Investorengeld tauchen dabei nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung des Vereins für das Geschäftsjahr 2023/24 auf und sind somit kein Teil der 149,9 Millionen Euro Umsatz. Stattdessen sind sie in der Bilanz mit Aktiva und Passiva verbucht und in der Eigenkapitalbetrachtung berücksichtigt.   

Für Geschäftsführer Filbry stellen die aktuellen Zahlen das Ende der wirtschaftlich kritischen Jahre mit Bundesliga-Abstieg und Corona-Pandemie dar, als dem SV Werder Bremen zwischenzeitlich sogar die Insolvenz gedroht hatte. Seine damals viel zitierte Aussage griff der 57-Jährige im Vorfeld der Mitgliederversammlung im Gespräch mit der DeichStube noch einmal auf - und fügte einen entscheidenden Zusatz an: „Wir waren auf der Intensivstation und hatten Long Covid - jetzt sind wir wieder komplett genesen und performant.“ Was sich in der Bilanz des Geschäftsjahres 2023/24 an mehreren Stellen ablesen lässt. 

Transfererlöse, Trikotverkäufe & Co.: Werder Bremen präsentiert auf Mitgliederversammlung wirtschaftliche Bilanz

Der mit Abstand größte Umsatz-Treiber waren die Transfererlöse, die Werder Bremen insgesamt 28,5 Millionen Euro in die Kassen spülten. Im Jahr zuvor waren es nur 5,3 Millionen Euro gewesen. Allen voran der Verkauf von Stürmer Niclas Füllkrug, der im Sommer 2023 für 18 Millionen Euro zu Borussia Dortmund wechselte, sorgte für den starken Anstieg. Auch die Transfers von Ilia Gruev, Niklas Schmidt, Lee Buchanan und Rafael Borré sind in die Gesamtsumme inkludiert. Im Bereich „Handel und Merchandising“ konnten die Bremer ebenfalls zulegen. Ihr bisheriges Rekordergebnis von neun Millionen Euro aus dem Geschäftsjahr 2022/23 steigerten sie auf 12,9 Millionen Euro. „Wir haben allein über 100.000 Trikots verkauft“, sagte Filbry, der wenig überraschend mehr als einverstanden mit der Zusammenarbeit mit Ausrüster Hummel ist. Das TV-Geld stieg derweil von 38,2 auf 42,8 Millionen Euro an. Wie sich die Summe künftig entwickelt, ist aber nur schwer abzuschätzen. Nach einer Klage des Streaming-Dienstes DAZN muss die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Rechte ab der Saison 2025/26 neu ausschreiben. Ergebnis: offen. 
 
Einen leichten Rückgang in Höhe von 200.000 Euro (von 28,1 auf 27,9 Millionen Euro) verzeichnete Werder Bremen im Bereich „Spielbetrieb“, was sich dadurch erklären lässt, dass das Abschiedsspiel von Claudio Pizarro ins Geschäftsjahr 2022/23 fiel und es in 2023/24 kein vergleichbares Event im Weserstadion gab. Auch dass die Bremer im Bereich „Sponsoring“ 1,6 Millionen Euro weniger eingenommen haben (29,1 statt 30,7 Millionen Euro) lässt sich zum Teil damit erklären. „Ein zusätzlicher Effekt ist, dass wir in 2022/23 eine Einmalzahlung von Umbro für die Auflösung des Ausrüstervertrags verbucht haben“, erklärte Filbry - und hielt fest: „Deshalb ist der Bereich rückläufig, obwohl wir mit Matthäi einen neuen Hauptsponsor haben, mit dem wir gewachsen sind.“

Spielergehälter und Transfers: Werder Bremens wirtschaftliche Bilanz und der „Fall Naby Keita“

Größter Kostenfaktor war auch im Geschäftsjahr 2023/24 wieder das Personal. Hier steht ein Gehaltsaufwand von insgesamt 71,7 Millionen Euro zu Buche, wovon rund 40 Millionen Euro auf den Bundesliga-Kader der Männer entfallen. In 2022/23 waren es noch insgesamt 57,2 Millionen Euro gewesen. Der SV Werder Bremen hat einen Teil des Investorengeldes dazu genutzt, „um Vertragsanpassungen in nicht ganz unerheblichem Maße vorzunehmen“, erklärte Filbry. Spieler wie Romano Schmid, Justin Njinmah, Michael Zetterer und Mitchell Weiser wurden langfristig gebunden, Julian Malatini neu verpflichtet. Auch die Transfers von Marco Grüll, Keke Topp und Skelly Alvero fallen ins Geschäftsjahr 2023/24. „Das alles wäre ohne das regionale Bündnis nicht möglich gewesen“, sagte Filbry, der ohne den „Fall Naby Keita“ übrigens ein noch viel besseres Jahresergebnis hätte präsentieren können.
 
Weil der Guineer bekanntlich sportlich aussortiert ist, für Werder Bremen in der laufenden Saison also keine Leistungen mehr erbringt, aber dennoch weiterhin Gehalt bezieht, musste der Verein im Geschäftsjahr 2022/23 eine sogenannte Drohverlustrückstellung verbuchen. Wäre Keita heute noch Teil des Bremer Kaders, hätte sich das Ergebnis bei etwa 5,5 Millionen Euro Überschuss eingependelt. „Das ist ärgerlich, ändert aber nichts daran, dass wir immer noch ein sehr positives Ergebnis haben“, sagte Filbry. Grundsätzlich steht für den Geschäftsführer fest, dass er den Weg der wirtschaftlichen Vernunft mit seinem Verein weitergehen wird.   

Werder Bremen steht trotz positiver Bilanz weiterhin vor wirtschaftlichen Herausforderungen

Denn auch wenn sich die finanzielle Situation merklich entspannt hat, herausfordernd werden die kommenden Jahre trotzdem. So muss Werder Bremen weiterhin das landesverbürgte Darlehen in Höhe von 20 Millionen Euro abbezahlen, was 2026 erledigt sein soll. In dem Jahr wird dann auch die Mittelstandsanleihe in Höhe von 18 Millionen Euro fällig. Aktuell überlegt Werder, ob die Anleihe fortgeschrieben oder zum Teil abgelöst wird. Und auch das Weserstadion ist und bleibt ein großes Thema, rund 60 Millionen Euro Schulden liegen nach den Umbauten von 2008 bis 2010 sowie den aktuellen Modernisierungsmaßnahmen (Gästeblock, Hospitality-Bereich Nordtribüne) noch auf der Arena. Was die laufende Suche nach einem neuen Namenssponsor unumgänglich macht.
 
Grundsätzlich blickte Klaus Filbry am Montagabend vor den Vereinsmitgliedern positiv auf die kommende Zeit. „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch dieses Geschäftsjahr mit einem positiven Ergebnis abschließen“, sagte der Geschäftsführer - und betonte: „Wichtig für unseren Erfolg in diesem sehr starken Verdrängungswettbewerb Bundesliga wird es auch in Zukunft sein, dass es uns gelingt, aus weniger mehr zu machen, dass wir viele gute Entscheidungen treffen und im Verein, in den Gremien und im Umfeld weiterhin eine große Geschlossenheit und einen starken Zusammenhalt aufweisen. Wenn uns das gelingt, alle an einem Strang ziehen und die sportliche Entwicklung weiterhin positiv verläuft, bin ich überzeugt, dass wir für die Zukunft sehr gut aufgestellt sind.“ (dco)

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