Auf der Mitgliederversammlung
Werder-Boss Klaus Filbry verkündet Millionen-Minus - und erklärt, wie der Club damit umgeht
Auf der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen hat Geschäftsführer Klaus Filbry für das vergangene Geschäftsjahr ein Millionen-Minus verkündet. Die Gründe – und warum beim SVW niemand in Panik verfällt.
Bremen – Sportlich haben die allermeisten Zahlen in der vergangenen Saison gestimmt beim SV Werder Bremen – wirtschaftlich, so gab es Geschäftsführer Klaus Filbry am Sonntag während der Mitgliederversammlung des Vereins bekannt, allerdings nicht. So hat der Bundesligist das Geschäftsjahr 2024/25, das am 30. Juni zu Ende gegangen ist, mit einem Minus in Höhe von 7,4 Millionen Euro beendet. Die Umsätze sanken dabei von 149,9 Mio. Euro (2023/24) auf nunmehr 146,5 Mio. Euro, das Eigenkapital des Clubs von 22,3 Mio. Euro auf 14,9 Mio. Euro..
Auf Mitgliederversammlung verkündet: Werder Bremen mit Millionen-Minus
Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2023/24 hatte Werder Bremen noch ein Plus von 2,2 Millionen Euro erwirtschaftet und zudem erstmals seit 2019 wieder ein positives Eigenkapital ausweisen können. Das lag seinerzeit vor allem am Einstieg des regionalen Investorenbündnisses, das dem Bundesligisten Anfang 2024 stolze 38 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hatte. Warum das Ergebnis nun deutlich weniger erfreulich ausfiel, wurde den Mitgliedern in der Energieleitzentrale Bremen von Filbry erklärt. Der Geschäftsführer begann dabei mit dem Sport.
„Wir konnten uns seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga vor drei Jahren sportlich in jedem Jahr steigern und haben diese positive Entwicklung in der letzten Saison mit 51 Punkten und Platz acht in der Abschlusstabelle sowie dem Erreichen des Viertelfinals im DFB-Pokal sehr erfolgreich fortgesetzt“, hielt Filbry fest, ehe er zur Schattenseite kam: „Mit Blick auf das wirtschaftliche Ergebnis, das wir im nun abgeschlossenen Geschäftsjahr erreicht haben, können wir im Vergleich zur sportlichen Entwicklung hingegen nicht zufrieden sein.“
Ausbleibende Transfers: Klaus Filbry erklärt Werder Bremens Millionen-Minus
Ein Grund, um Alarm zu schlagen, ist das Minus für den 58-Jährigen allerdings auch nicht. „Wir sind dieses Risiko auf Basis einer gemeinsamen Entscheidung bewusst und transparent eingegangen“, sagte er – und hob hervor: „Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre hat uns die Freiheit gegeben, punktuell ein kalkulierbares wirtschaftliches Risiko eingehen zu können, um darüber die Wahrscheinlichkeit auf sportlichen Erfolg zu erhöhen.“ Heißt: Das Investorengeld hat Werder Bremen mutiger agieren lassen, was allerdings nichts daran ändert, dass ein fest eingeplanter Einnahmeposten – anders als erwartet – zu großen Teilen weggebrochen ist.
Schaut man sich die Bremer Bilanz genauer an, wird schnell deutlich, dass es den eklatantesten Einnahmerückgang im Geschäftsjahr 2024/25 bei den Transfererlösen gab. Die Summe sank im Vergleich zum Vorjahr deutlich von 28,5 Mio. Euro um 17,9 Mio. Euro auf nunmehr nur noch 10,6 Mio. Euro Transfereinnahmen. Werder Bremen ist es vor dem Stichtag schlicht nicht gelungen, lukrative Abgänge zu verzeichnen, die die Kassen füllen, was die eigenen Aktivitäten auf dem Transfermarkt wiederum deutlich beeinflusste und eine Erklärung für die vielen Ausleihgeschäfte während des vergangenen Sommers ist. „Nachdem sich im Vorjahr insbesondere der Transfer von Niclas Füllkrug zu Borussia Dortmund für die hohen Transfererlöse verantwortlich zeichnete, wurden im Berichtsjahr deutlich geringere Erlöse erzielt“, sagte Filbry. Weil eben Spieler wie Romano Schmid und/oder Jens Stage – Werders Tafelsilber – nicht verkauft werden konnten. Sei es wegen mangelnder Angebote oder längerer verletzungsbedingter Ausfälle.
Geschäftsführer Klaus Filbry stellt Bilanz des SV Werder Bremen vor und erklärt Millionen-Minus
Hinzu kommt, dass Werder Bremen in der wichtigen Fünf-Jahres-Wertung der TV-Geld-Tabelle noch immer dem Niveau von vor dem Abstieg hinterherhinkt. Dieses war im Vergleich zum abgelaufenen Geschäftsjahr um 16 Millionen Euro höher. Auch die vergleichsweise teuren Winter-Ausleihen von André Silva (kam von RB Leipzig) und Issa Kaboré (kam von Manchester City) schlugen ins Gewicht, wirtschaftlich. Als Investitionen, die die Bremer nicht zuletzt deshalb tätigten, um die Chancen auf ein Weiterkommen (und damit auf Mehreinnahmen) im DFB-Pokal zu erhöhen. Gegen Bielefeld war im Viertelfinale der vergangenen Saison dennoch Schluss. Zudem belasteten die Vertragsverlängerungen mit mehreren Leistungsträgern die Bilanz – ebenso wie die Tatsache, dass Werder dank der sportlich erfolgreichen Saison (Platz acht) ein Mehr an Prämien an seine Profis ausschütten musste, aus der erhofften Qualifikation für einen finanziell lukrativen europäischen Wettbewerb aber nichts wurde. Positiv: In anderen relevanten Erlösbereichen wie „Mediale Verwertungsrechte“ (+7,2 Mio. Euro), „Spielbetrieb“ (+4,7 Mio. Euro) und „Sponsoring“ (+2,0 Mio. Euro) hat Werder Umsatzsteigerungen erzielt.
Die betrieblichen Aufwendungen des Konzerns sind im Geschäftsjahr 2024/25 um 7,0 Mio. Euro auf 151,7 Mio. Euro gestiegen. Filbry dazu: „Hierfür sind Steigerungen in verschiedenen Bereichen verantwortlich. Die Personalkosten haben sich um 2,9 Mio. Euro erhöht. Im Bereich der Lizenzmannschaft sind die Kosten nahezu unverändert. Gesunkenen Grundgehältern stehen in nahezu gleicher Höhe gestiegene Prämienzahlungen für die erfolgreiche sportliche Saison gegenüber. Auch im Bereich des Leistungszentrums, dem Frauenfußball und der Verwaltung haben sich die Kosten im Einklang mit der konsequenten Umsetzung unseres Strategieplans erhöht.“
Warum Werder Bremen trotz Millionen-Minus nicht in Panik verfällt
Innerhalb des Vereins löst das Minus natürlich keine Jubelstürme aus. Hektik oder Unruhe aber auch nicht, weil die Aussichten auf wirtschaftlich wieder bessere Zeiten verheißungsvoll scheinen. Einerseits, weil der Transfer von Nick Woltemade vom VfB Stuttgart zu Newcastle United auch Geld in die Werder-Kasse gespült hat und mit den Verkäufen von Torhüter Michael Zetterer (zu Eintracht Frankfurt) und Stürmer Marvin Ducksch (zu Birmingham City) bereits nennenswerte Transfererlöse erzielt wurden, die ins laufende Geschäftsjahr 2025/26 fallen. Zudem sieht sich der SV Werder Bremen mit Spielern wie Mio Backhaus, Karim Coulibaly und Patrice Covic für die Zukunft gut aufgestellt, wenn es um sogenannte Mehrwertspieler geht, die im eigenen Stall ausgebildet, weiterentwickelt und eines Tages möglichst lukrativ verkauft werden können.
Für das laufende Jahr dürfen die Bremer zudem mit rund 3,5 Millionen Euro an Mehreinnahmen aus den TV-Geld-Töpfen rechnen, weil dann die sportlich schwachen Jahre aus der Fünf-Jahres-Tabelle herausfallen. Bei sportlich solider Leistung winken für die Saison 2026/27 gar bis zu zehn Millionen Euro mehr an TV-Einnahmen. Auch das landesverbürgte Darlehen, das während der Corona-Pandemie fällig geworden war, ist im Sommer 2026 abbezahlt. Posten, die Werder Bremen definitiv Luft verschaffen. (dco)
Rubriklistenbild: © gumzmedia
