DeichStube-Interview
„Einen Schritt weiter gehen als bei der WM“: Werder-Profi Veljkovic über Kluivert, Kane und die Ziele bei seiner ersten EM
Milos Veljkovic ist sicher dabei bei der Europameisterschaft 2024 mit Serbien und trifft zum Auftakt am Sonntagabend auf England. Im DeichStube-Interview spricht der Profi des SV Werder Bremen über das Turnier in Deutschland und große Fußballer wie Patrick Kluivert und Harry Kane.
Bremen – 24 Jahre haben die Serben warten müssen auf die nächste Teilnahme an einer Fußball-Europameisterschaft. 2000 war ihr Land – noch als Teil von Jugoslawien – letztmals dabei, jetzt geht Serbien zum ersten Mal eigenständig an den Start. Milos Veljkovic weiß, wie besonders das Turnier in Deutschland für seine Nation ist, und er ist stolz, dabei sein zu dürfen. Im Interview mit der DeichStube spricht der 28-jährige Innenverteidiger des SV Werder Bremen über seine Ziele im Sommer, seine persönlichen EM-Erinnerungen sowie über zwei Star-Stürmer als serbische Gegner von früher und heute: Patrick Kluivert und Harry Kane.
Milos Veljkovic, bekommen Sie und die Fußballfans in Serbien eigentlich noch Schweißausbrüche, wenn der Namen Patrick Kluivert fällt?
(überlegt länger) Ich selber nicht. Weswegen? Holland?
Genau. Als Jugoslawien 2000 zuletzt bei der EM dabei war, ging es bis ins Viertelfinale. Dort gab es ein 1:6 gegen Holland mit drei Toren von Kluivert.
Oha! Das 1:6 habe ich mitbekommen, aber ich wusste nicht, dass Kluivert dreimal getroffen hat. Ich war da nicht mal fünf Jahre alt. (lacht) Aber mein Cousin ist großer Fan der Nationalmannschaft, hat alle Spiele mitbekommen und mir davon erzählt.
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Werder Bremen-Profi Milos Veljkovic im DeichStube-Interview über die EM mit Serbien und Top-Stürmer Harry Kane
Ihre Gruppe heißt in diesem Jahr England, Dänemark und Slowenien. Statt Kluivert kommt jetzt Kane.
Natürlich nicht nur Kane, England hat viele super Spieler und ist einer der Mitfavoriten bei der EM. Da muss man einen perfekten Tag haben, dass man da ein Resultat holt. Aber es ist alles möglich.
Sie haben bei Tottenham Hotspur früher mit Englands heutigem Kapitän Harry Kane zusammengespielt. Wie gut kennen Sie sich?
Schon relativ gut. Wir haben neben dem Platz jetzt nicht viel miteinander gemacht, aber wir haben in der U 19-Champions-League „NextGen“ zusammengespielt, auch zwei Jahre in der zweiten Mannschaft. Da haben wir viele Trainings und Pflichtspiele zusammen absolviert, auch später in der ersten Mannschaft. Dann war er oft ausgeliehen und ich auch zwei Mal. Wir haben uns etwas aus den Augen verloren.
Wird es bei der EM einen Plausch über alte Zeiten geben?
Doch, absolut, das macht man eigentlich oft mit ehemaligen Mitspielern. Hier im Weserstadion war es mit ihm genauso.
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Im Interview spricht Milos Veljkovic vom SV Werder Bremen über die EM-Euphorie
Sie haben zwei Weltmeisterschaften gespielt, aber noch keine Europameisterschaft. Inwiefern ist eine EM anders?
Ich weiß es gar nicht, ich habe ja noch keine EM gespielt! (lacht) Aber es ist auf jeden Fall etwas Besonderes, gerade in dem Land, wo man mit seinem Verein schon lange Jahre spielt. Die Euphorie ist groß, es wird ein Riesen-Fest, weil Deutschland eine Riesen-Liebe zum Fußball hat. Ich freue mich absolut. Auch die Familie und Freunde sind nicht weit weg und können jedes Spiel zum Zuschauen kommen. Das ist etwas Großes.
Auch wenn Sie nicht dabei waren – wie haben Sie die EM-Turniere in der Vergangenheit erlebt?
2008 war die EM in der Schweiz, gefühlt war das ganze Land orange, weil die Holländer da überall gecampt haben. Das habe ich noch in Erinnerung.
Mit welchem Land haben Sie mitgefiebert? Mit der Schweiz, weil Sie dort geboren wurden?
Mit keinem. Ich war nie ein richtiger Fan, auch von keinem Verein. Ich habe die Spiele einfach verfolgt und wollte schöne Tore sehen.
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Werder Bremens Milos Veljkovic im Interview über die Europameisterschaft und die eigene Zielsetzung
Jugoslawien hat eine reiche EM-Historie, ist in den 1960er-Jahren zwei Mal im Finale gewesen. Steckt das in Serbien noch im Fußballgedächtnis?
Ich komme aus einem Dorf, das zwei Stunden von der Hauptstadt entfernt liegt, da gibt es viele Leute im Alter meiner Eltern, die reden immer über Jugoslawien und die alten Erfolge im Basketball und Fußball. Da hört man schon das eine oder andere. Solche Erfolge bleiben in Erinnerung, darauf ist man sehr stolz.
Gibt es besondere EM-Momente oder Spieler, an die Sie gerne denken?
Tschechien und Milan Baros habe ich im Kopf. Er hat mir als Stürmer sehr gut gefallen.
Gibt es etwas, worauf Sie sich bei der EM abgesehen von den Spielen freuen?
Dass meine Familie und Freunde dabei sein können. Viele, mit denen ich sehr eng bin, leben in der Schweiz, auch Serbien ist nicht weit weg. Ich freue mich, dass sie das alle miterleben können. Bei der WM war das ein bisschen schwieriger, da waren sie nur bei einem Spiel dabei, gegen Brasilien.
Mit welcher Zielsetzung gehen Sie ins Turnier, was nehmen Sie sich vor?
Ich nehme mir vor, dass ich in jedem Spiel eine gute Performance zeige. Aber ich mache mir nicht zu viel Druck und versuche, das Maximum zu geben. In Serbien sagt man: sein Herz auf dem Platz lassen. Also einfach 100 Prozent für sein Land geben. Und hoffentlich gehen wir einen Schritt weiter als bei der letzten WM. (Damals schied Serbien mit nur einem Punkt als Gruppenletzter in der Vorrunde aus, Anm. d. Red.)
Und wer wird Europameister?
Man denkt natürlich, dass es das eigene Land wird. Sonst würde man gar nicht hinfahren. Aber die Favoriten sind für mich Frankreich und Deutschland. (han) Auch interessant: So seht ihr das erste EM-Spiel von Werder Bremens Milos Veljkovic Serbien gegen England live und kostenlos im TV sowie Livestream!