Baumann behält Heft des Handelns in der Hand
Mindestens zwei Jahre Sicherheit bei Pavlenka
Bremen - Einer fehlt noch. Aber von dem wird Frank Baumann so schnell keine Unterschrift bekommen. Max Kruse will einfach nicht. Er ist der Leistungsträger, der sich ziert, seinen Vertrag bei Werder Bremen zu verlängern.
Abgesehen von dem Kapitän hat Sportchef Baumann mittlerweile aber alle Leistungsträger mit einem neuen Vertrag ausgestattet. Milos Veljkovic, Niklas Moisander, Ludwig Augustinsson, vor einem Jahr schon Maximilian Eggestein – und seit Samstag Torhüter Jiri Pavlenka. Auf dem „Tag der Fans“ wurde verkündet, dass der wegen seiner Paraden umjubelte Tscheche vorzeitig verlängert hat bei Werder – vermutlich ist er nun bis 2021 statt bis 2020 an den Club gebunden. Offizielle Angaben dazu gibt es nicht.
Pavlenka offenbar ohne Ausstiegsklausel
Durch die Vertragsunterschrift kommt nun wieder Ruhe in die Personalie Pavlenka. Denn seit Wochen herrscht unter Fans die Befürchtung, dass der erst vor einem Jahr verpflichtete Keeper alsbald dem Ruf eines sportlich besser gestellten Clubs folgen könnte. Doch Baumann hat gegengewirkt. Der neue Vertrag bringt Pavlenka mehr Geld und Werder mehr Macht. „Wir haben jetzt die Möglichkeit zu sagen: Du gehst nicht. Und auch nächstes Jahr nicht. Für uns ist es wichtig, das Heft des Handelns in der Hand zu haben“, sagt Baumann.
Das wäre nicht so, wenn Werder dem 26-Jährigen eine Ausstiegsklausel in den Vertrag geschrieben hätte. Aus Baumanns Worten ließe sich folgern, dass dem nicht so ist. Auch eine Absprache für den Fall der Fälle – eine Art „Gentlemen's Agreement“, wie es eines bei Thomas Delaney gab – soll nicht getroffen worden sein. Wobei grundsätzlich in Zweifel gezogen werden muss, dass es Verträge ganz ohne Winkelzüge und Notausgänge überhaupt noch gibt.
Frank Baumann sagt, dass es nicht schwer war, Pavlenka von der Vertragsverlängerung zu überzeugen. Neben einer Gehaltsanpassung hätten auch die weichen Argumente eine große Rolle gespielt. „Er fühlt sich wohl bei uns. Er sieht, dass er sich bei uns gut entwickeln kann und dass sportlich etwas entsteht bei Werder“, erklärt der Manager.
Pavlenka ist eine weitere Säule, auf der der SV Werder der Zukunft gebaut werden soll. In Veljkovic und Augustinsson hatten zuvor schon zwei andere Leistungsträger ihre Verträge verlängert, die entweder sportlich weiterhelfen oder aber durch einen Verkauf einen starken Erlös bringen. Allerdings kosten sie erstmal Geld. Nämlich mehr Gehalt. Wie Werder all das stemmt? Baumann erklärt, dass die Transferausgaben in diesem Sommer „fast ausgeglichen“ seien.
Baumann selbstbewusst
Tatsächlich stehen Ausgaben von knapp 24 Millionen Euro Einnahmen von etwa 23 Millionen gegenüber. Das Gehaltsplus würde wiederum durch die Mehreinnahmen im Bereich TV-Gelder abgedeckt. Baumann: „Wir haben – wie die meisten Clubs – unser Gehaltsgefüge angepasst. Das hat mit der Erhöhung der TV-Gelder zu tun, ist aber im überschaubaren Rahmen geschehen.“
Max Kruse wird Baumann mit mehr Geld nicht ködern können. Der Kapitän hat schon einen Top-Vertrag. Der läuft aber 2019 aus, und bislang hat der Sportchef bei dem Angreifer auf Granit gebissen. Kruse überlegt, im Sommer ablösefrei ins Ausland zu wechseln. Ihm diese Idee auszutreiben, ist eine noch verbleibende Aufgabe für Baumann. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt möchte Max nicht verlängern. Das ist auch legitim. Aber wir sind da im Austausch. Und wichtig ist nicht, wann er verlängert, sondern dass er verlängert“, sagt der 42-Jährige mit dem Selbstbewusstsein eines Managers, dem zuletzt einige bemerkenswerte Abschlüsse gelungen sind.
Zuletzt machte der Rücken von Werder-Keeper Jiri Pavlenka Probleme, Sportchef Baumann sieht jedoch keine Gefahr für den Trainingsstart.
Schon gelesen?
Filbry und das Saisonziel: Die Ambition heißt Europa
Claudio Pizarro: Geflankt, gefeiert, geliebt
Die Schönheit der Vergangenheit: Feier für Helden von 1993