Nach Kreuzbandriss

Weiser vor Neustart bei Werder: Personalcoach erklärt Reha und Comeback-Chancen

Mitchell Weiser steht vor dem Comeback: Sein Fitnesscoach Alexej Busiak spricht über die schwere Verletzung und die Reha des Profis von Werder Bremen!

Er fällt sofort auf. Wer das Studio von Personal- und Fitnesscoach Alexej Busiak in der Bremer Überseestadt betritt, kommt an Mitchell Weiser nicht vorbei. Eine Autogrammkarte und ein unterschriebenes Trikot vom Profi des SV Werder Bremen zieren die Wand des kleinen, aber hochmodernen Fitnessstudios. Auf dem Shirt mit der Nummer acht steht die Widmung: „Für Alexej. Danke für deine Arbeit und deinen Support in dieser Saison!“ Neben Weisers Jersey hängen dort unter anderem auch die von Ex-Werder-Stürmer Eren Dinkci und Bosniens WM-Teilnehmer Amar Dedic, zwei weiteren Klienten Busiaks.

Der gebürtige Ukrainer, der seit 2011 als selbstständiger Fitnesscoach arbeitet, seit 2013 eigene Studios in Bremen betreibt und schon selbst sehr erfolgreich im Kraftsport aktiv war, macht keinen Hehl daraus, dass ihn mit Mitchell Weiser eine besondere Beziehung verbindet. „Mittlerweile ist unsere Zusammenarbeit auch freundschaftlich. Trotzdem weiß ich genau: Wenn er hier ist, geht es ums Arbeiten und nicht ums Kaffeetrinken“, sagt Alexej Busiak im Gespräch mit der DeichStube über den Profi des SV Werder Bremen.

Mitchell Weiser (links) fiel ein Jahr lang mit einer schweren Knie-Verletzung aus - mit Fitnesscoach Alexej Busiak (zweiter von rechts) arbeitete der Profi des SV Werder Bremen an seinem Comeback.

Fitnesscoach Alexej Busiak über Werder Bremens Mitchell Weiser: „Es war besonders bitter“

Schließlich gab es für beide in den vergangenen zwölf Monaten genug zu tun. Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass sich der Rechtsverteidiger des SV Werder Bremen im Training einen Kreuzbandriss zuzog. Alexej Busiak, der seit Herbst 2021 wöchentlich mit Mitchell Weiser arbeitet, um dessen Athletik und Leistungsfähigkeit zusätzlich zum Training im Weserstadion zu verbessern, erinnert sich noch genau an das Telefonat nach dem Trainingsunfall. „Es war besonders bitter, weil Mitch zu Beginn der vergangenen Vorbereitung in einer exzellenten körperlichen Verfassung war“, sagt der Personalcoach.

Es war die erste wirklich schwere Verletzung für den inzwischen 32-jährigen Flügelspieler des SV Werder Bremen, der zuvor über Jahre eine tragende Rolle im Spiel der Grün-Weißen eingenommen hatte. Während viele Akteure an einer solchen Diagnose lange zu knabbern haben, erlebte Alexej Busiak seinen Schützling Mitchell Weiser anders: „Er war vom ersten Tag an unfassbar positiv. Das hat mich ehrlich überrascht. Ich musste ihn während der gesamten Reha eigentlich nie motivieren.“

Fitnesscoach Alexej Busiak über Werder Bremens Mitchell Weiser: „Es war unser Wunsch, dass er im Nordderby sein Comeback feiert“

Mitchell Weiser selbst hatte zu Jahresbeginn betont, fest entschlossen gewesen zu sein, „die Reha auseinanderzunehmen“. Bereits unmittelbar nach der Operation in Österreich schuf er sich eine feste Struktur und begann noch in Innsbruck mit den ersten Reha-Maßnahmen. „Das war hochprofessionell“, sagt Alexej Busiak, der gemeinsam mit dem Hamburger Physiotherapeuten Nico Stempel nach Weisers Rückkehr zusätzlich zu dessen Programm bei Werder Bremen am Comeback arbeitete.

Das Ziel war klar: die Rückkehr auf den Bundesliga-Rasen noch in der vergangenen Saison. „Es war unser Wunsch, dass er im Nordderby sein Comeback feiert“, verrät Alexej Busiak. Im April stieg das erste Bundesliga-Duell des SV Werder Bremen mit dem Hamburger SV im Weserstadion seit vielen Jahren – für Mitchell Weiser blieb der Traum vom Einsatz jedoch unerfüllt.

Lange hielt sich öffentlich die Auffassung, Profis könnten nach einem Kreuzbandriss bereits nach sechs Monaten wieder spielen. Nach Alexej Busiaks Einschätzung hat sich der übliche Zeitraum inzwischen auf neun bis zwölf Monate verschoben. „Man kann nach sechs Monaten nach einem Kreuzbandriss zurückkommen. Die Frage ist nur: Wie kommst du dann zurück?“, betont er und ergänzt: „Es gibt ganz klare Statistiken zur Gefahr einer erneuten Verletzung, wenn man zu früh wieder einsteigt.“ Hinzu kam bei Mitchell Weiser ein Fakt, der bislang öffentlich noch nicht bekannt war und zwar, dass bei dem Profi des SV Werder Bremen neben dem Kreuzband auch zwei Menisken betroffen waren. „Der Zeitgeber war gerade zu Beginn nicht das Kreuzband, sondern der Meniskus. Das Kreuzband könntest du früh belasten – den Meniskus eben nicht.“

Fitnesscoach Alexej Busiak über Werder Bremens Mitchell Weiser: „Er müsste eigentlich die komplette Vorbereitung mitgehen können“

Erschwerend kam hinzu, dass im Frühjahr bei der Rückkehr von Mitchell Weiser ins Individualtraining eine weitere, nicht nähere benannte Problematik auftrat, die das Comeback in der abgelaufenen Saison endgültig verhinderte. Diese stand zwar nicht direkt mit der verletzten Stelle in Zusammenhang, dennoch „wollte Mitch nicht zurückkommen, um nur 80 Prozent zeigen zu können“. Inzwischen sei der 32-jährige Außenbahnspieler des SV Werder Bremen jedoch wieder „rein von seinem physischen Leistungsvermögen auf jeden Fall auf der Höhe“, sagt Alexej Busiak und ergänzt: „Er müsste eigentlich die komplette Vorbereitung mitgehen können.“

Dennoch soll Mitchell Weiser, der erst kürzlich seinen auslaufenden Vertrag beim SV Werder Bremen um ein Jahr bis 2027 verlängerte, zunächst behutsam wieder an das Mannschaftstraining herangeführt werden. „Der eigentliche Test ist jetzt das Training. Jetzt muss das System zeigen, wie belastbar es wirklich ist. Das eine ist, alleine um Hütchen zu laufen. Das andere ist, wenn dir jemand einen Bodycheck gibt.“ Das Wichtigste ist für Alexej Busiak jedoch, dass Weiser „komplett angstfrei“ sei.

Fitnesscoach Alexej Busiak über Werder Bremens Mitchell Weiser: „Wir haben uns wöchentlich abgestimmt und die Inhalte der Reha koordiniert“

Die große Frage lautet nun, ob der frühere U21-Europameister nach der langen Pause wieder an seine alte Form anknüpfen kann. „Es spricht nichts dagegen, dass Mitch trotz des einjährigen Ausfalls wieder seine vorherige Form erreicht“, meint Alexej Busiak. Zugleich stellt er klar: „Der Satz ‚Come back stronger‘ klingt gut. Aber biologisch wird eine verletzte Stelle nie wieder so sein wie im Original. Stärker werden kann man nur, indem man die anderen Bereiche verbessert.“ Daran hat er in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Routinier des SV Werder Bremen gearbeitet.

So hat Mitchell Weiser unter anderem deutlich an qualitativer Muskelmasse zugelegt und zwischenzeitlich sogar 100 Kilogramm auf der Bank gedrückt, wie Alexej Busiak verrät. All das geschah in enger Abstimmung mit Werder Bremen. „Wir haben uns wöchentlich abgestimmt und die Inhalte der Reha gemeinsam koordiniert.“ Zwar macht Busiak deutlich, dass „die Abstimmung über Mitchs Zustand an der einen oder anderen Stelle bestimmt noch etwas intensiver hätte sein können“, betont aber zugleich auch die Komplexität einer Reha mit externen Trainern und Therapeuten.

Trotz der langen Ausfallzeit zieht Alexej Busiak insgesamt ein positives Fazit und betont: „Das Wichtigste ist jetzt, dass das Knie symptomfrei bleibt.“ Schließlich wollen er und Mitchell Weiser bald nicht mehr am Comeback für den SV Werder Bremen arbeiten, sondern wieder an den Feinheiten seiner Athletik. (bvo)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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