Ex-Werder-Profi feiert runden Geburtstag
„Ich sage stets, was ich denke“: Werders Double-Held Krstajic wird 50 und wartet auf den nächsten Job
Am 4. März wird Mladen Krstajic 50 Jahre alt. Vor seinem runden Geburtstag blickt die DeichStube auf das Leben des Double-Siegers vom SV Werder Bremen.
Bremen - Allgegenwärtig ist er in Bremen wahrlich nicht mehr. Seit seinem Abschied vom SV Werder vor zwei Jahrzehnten hat sich Mladen Krstajic in der Hansestadt, in der er seine größten sportlichen Erfolge feierte, rar gemacht - anders als etwa die damaligen Publikumslieblinge wie dem brasilianischen Unikum Ailton oder dem kroatischen Ballkünstler Ivan Klasnic. Dabei ist Mladen Krstajic, der als einer der Double-Helden von 2004 auch nicht an den kürzlichen Jubiläumsfeierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des SV Werder Bremen teilnahm, eigentlich noch immer eine große Nummer im Fußball-Norden. Die Fans erinnern sich gern an ihn und seine Abwehrkünste. Und der Serbe, der am kommenden Montag 50 Jahre alt wird, erinnert sich selbstredend auch mit Vergnügen an seine Zeit bei Werder: „Ich hatte vier schöne Jahre dort“, sagt das baldige Geburtstagskind, das die DeichStube in Belgrad erreicht, über eine perfekte Phase seiner Karriere. „Ich durfte Teil einer Mannschaft sein, die damals von Thomas Schaaf gemeinsam mit Klaus Allofs aufgebaut worden ist. Meisterschaft und Pokal – wir haben die Doppelkrone gewonnen.“
Double-Held Mladen Krstajic wird 50: Das macht der Ex-Profi des SV Werder Bremen heute
In der Branche ist es aktuell still geworden um Mladen Krstajic, der nach seiner aktiven Laufbahn sein Glück als Trainer suchte, aber nur zum Teil fand. Wechselhafte Bilanzen gab es und somit weitaus weniger Erfolg als als Aktiver auf dem Rasen. Im Oktober des vergangenen Jahres wurde er als Nationaltrainer in Bulgarien entlassen, wo der Ex-Werder-Bremen-Spieler Ilia Gruev zum Kader zählt. Es war die logische Konsequenz nach dem Scheitern in der Qualifikation zur Europameisterschaft in Deutschland in diesem Sommer. Lediglich zwei Remis in sechs Partien gab es, ansonsten vier Niederlagen – und damit die „Rote Laterne“ in der Gruppe. Ilian Iliev brachte die Gruppenphase als Coach zu Ende, Krstajic wurde beurlaubt und ist seitdem arbeitslos.
Mit der Familie lebt der Ex-Bremer seit langer Zeit in der serbischen Hauptstadt Belgrad, wo er aktuell auf eine neue Berufung wartet. Er mache halt mal Pause, wolle natürlich wieder als Trainer arbeiten, betont er. „Fußball war schon immer mein Leben – und das wird auch so bleiben. Ich mag das Coaching und die Arbeit mit jungen Menschen.“ Erfahrung gesammelt hat er schon in verschiedenen Rollen. Als Spieler mit 243 Einsätzen in der Bundesliga für den SV Werder Bremen sowie FC Schalke 04 und insgesamt 59 Länderspielen. Als Sportdirektor arbeitete er bei Partizan Belgrad, fungierte als Präsident des FK Radnik Bijeljina, einer Mannschaft aus Bosnien-Herzegowina. Vor seiner Zeit als Nationalcoach war er auch Vereinstrainer des TSC Backa Topola. Wo er künftig trainieren will? Mladen Krstajic setzt für sich keine Prioritäten. „Beide Aufgaben sind gut“, sagt er. Es klingt durch: Hauptsache ein neuer Job, er will wieder buchstäblich am Ball sein. Da will einer zurück ins Rampenlicht, obwohl er genau weiß, „dass ein Engagement eine große Verantwortung und enormen Stress mit sich bringt.“
Höhen und Tiefen von Werder Bremens Double-Held: Das Sportlerleben des Mladen Krstajic
Gespürt hat Mladen Krstajic das am eigenen Leib und an der eigenen Psyche, als er die Nationalelf seines Heimatlandes von 2017 bis 2019 betreute. Legendär ist sein Ausspruch, mit dem er umschrieb, wie sich der Nationaltrainer Serbiens die Finger verbrennen kann: „Es ist, als ob man eine heiße Kartoffel in die Hand nimmt.“ In jenem Amt wurde es in mancher Hinsicht hitzig für den ehemaligen Meisterspieler des SV Werder Bremen. Vor allem 2018 bei der Weltmeisterschaft in Russland, als er unrühmlich in die Historie einging. Nach der verlorenen Vorrundenpartie gegen die Schweiz, in der er sich vom deutschen Unparteiischen Felix Brych krass benachteiligt fühlte, sorgte Krstajic für einen Eklat. Er verglich den gerügten Schiedsrichter mit einem Kriegsverbrecher der Jugoslawienkriege: „Ich würde ihn nach Den Haag schicken. Damit sie ihm den Prozess machen, wie sie ihn uns gemacht haben.“
Mladen Krstajic‘ Leben als Sportler ist also geprägt von Höhen und Tiefen. Er hat es aber geschafft, mit diesen Wellenbewegungen umzugehen. „Als Person stabil zu bleiben“ sei das Wichtigste, erklärt er. „Auch bei schlechten Ergebnissen darfst du nie den Kopf verlieren. Du musst deine positive Energie beibehalten.“
„Bestes Defensivpaar in Deutschland“: Mladen Krstajic schwelgt in Erinnerungen ans Werder Bremen-Double
Damals bei Werder Bremen ist ihm das glänzend gelungen, an der Seite seines kongenialen Partners Valerien Ismael. „Sowohl als Athlet als auch als Mensch war er hervorragend“, lobt Mladen Krstajic seinen einstigen Nebenmann. „Wir hatten einen ähnlichen Charakter, wir wollten immer gewinnen.“ Das Duo funktionierte, war ein Garant für den Gewinn des Doubles 2004. Ohne Übertreibung meint der einstige Defensivakteur heute noch: „In der Saison waren wir das beste Defensivpaar in Deutschland.“ Jedoch trennten sich die Wege der Brüder im Geiste schnell: Krstajic ging (wie auch Ailton) zu Schalke und Ismael ein Jahr später zum FC Bayern. Die Erfolge blieben überschaubar.
Trotz der seltenen Präsenz in Bremen verfolgt Mladen Krstajic Werders aktuelle Entwicklung ganz genau: „Werder hat den Untergang erlitten, doch ist nun zu alten Gewohnheiten zurückgekehrt. Werder ist auf dem besten Weg, wieder zu dem zu werden, was es einmal war.“ Das Ganze sei ein Verdienst eines einstigen Mitstreiters. Eine „hervorragende Arbeit“ attestiert Krstajic seinem ehemaligen Teamkollegen Frank Baumann, der schon als Spieler für Stabilität in der Mannschaft gesorgt habe: „Es war kein Zufall, dass er Kapitän war.“
„Viele Familienunternehmen“: Das macht Werder Bremens Double-Sieger Mladen Krstajic heute abseits des Fußballs
Langeweile kommt bei Mladen Krstajic trotz der aktuell schmerzlichen Zeit der fußballerischen Askese nicht auf. Denn: Private Geschäfte verlangen seinen Einsatz. „Viele Familienunternehmen“, umschreibt er sein in 20 Jahren aufgebautes Imperium. Es heißt, gemeinsam mit seiner Frau und seinen drei Kindern betreibe er einen Bauernhof, zudem habe er mit einem Freund eine Schnapsbrennerei gegründet. Über seine geschäftlichen Aktivitäten spricht Krstajic aber nicht gern, genauso wenig wie über das Minenfeld nationaler und ethnischer Gegensätze im ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien. Der in Zenica im heutigen Bosnien geborene Sohn einer serbischen Mutter und eines Vaters aus Montenegro, der von sich sagt, er sei ein internationaler Typ und er komme aus einem „Multi-Kulti-Land“, hat sich zum Ziel gesetzt: „Ich rede nicht über Politik“.
Lieber erwähnt Mladen Krstajic, was er sich zur Lebensgrundlage gemacht hat. Wichtig sei für ihn neben der Gesundheit vor allem eine Sache: Charakterstärke. Sie sei eine Grundtugend, die eine Persönlichkeit mit Haltung und Grundsätzen ausmache. Krstajic bemüht sich, in allen Lebenslagen diesem Ideal gleichzukommen. „Ich bin immer offen und ehrlich“, betont der frühere Profi des SV Werder Bremen. „Ich lüge nicht. Ich sage meinem Gegenüber stets, was ich denke.“ (hgk)