Nach Pleite gegen FCA

Nach „müdem“ Auftritt: Werders plötzlich verschwundene Energie wirft Fragen auf

Dem SV Werder Bremen fehlt bei der Niederlage gegen den FC Augsburg plötzlich die Energie. Wie kann das in so einem wichtigen Spiel passieren?

Die Enttäuschung stand allen Grün-Weißen am frühen Samstagabend deutlich ins Gesicht geschrieben. Anstatt den „So-gut-wie-Klassenerhalt“ nach dem Heimspiel gegen den FC Augsburg feiern zu können, waren beim SV Werder Bremen plötzlich Erklärungen gefragt – Erklärungen für einen überraschend uninspirierten und in Phasen erschreckend lethargischen Auftritt, der letztlich in einer verdienten 1:3-Heimniederlage mündete. Die Energie, die Werder in den vergangenen Wochen gegen den Hamburger SV und den VfB Stuttgart noch zu wertvollen Punkten im Kampf gegen den Abstieg geführt hatte – vollkommen verpufft. Was nach dem Abpfiff die Frage nach der Ursache dafür augenblicklich zum zentralen Thema im Weserstadion machte.

„Es hat sehr behäbig gewirkt, als wären wir müde, jeder einzelne Spieler“, gab Romano Schmid selbstkritisch am Sky-Mikrofon zu Protokoll, während Kapitän Marco Friedl kurz darauf an selber Stelle zum Thema Müdigkeit festhielt: „Ich bin kein Athletiktrainer, aber es ist Fakt, dass es unser Gefühl war. Wir wollten heute mit Energie rauskommen und das Stadion von der ersten Minute an anheizen. Dann sind wir aber in der ersten Halbzeit nur hinterhergelaufen.“ Für Werder Bremens Cheftrainer Daniel Thioune war das ein wesentlicher Bestandteil der Negativspirale.

Der SV Werder Bremen um Yukinari Sugawara fehlte gegen den FC Augsburg die nötige Energie. Das monierten die Spieler selbst.

Werder Bremen fehlt Energie gegen FC Augsburg: „Vielleicht menschlich, dass man ein bisschen loslässt“

„Wir wussten um die Stärke der Augsburger, tief zu verteidigen und Umschaltmomente zu kreieren. Wenn man dann immer wieder Ballverluste hat und hinterherrennen muss, dann werden der Kopf und die Beine zunehmend müde, was wiederum zu weiteren Fehlern führt“, sagte der 51-Jährige. In der Tat hatte Werder Bremen etliche Bälle ebenso schnell wie unnötig wieder an den Gegner abgegeben. „Dann ist der Akku bei 25 Grad eben schneller leer als bei mehr Kontrolle und eigener Torgefahr. Auf dem Level waren wir heute leider nicht.“

Womöglich auch, weil sich einige Bremer Profis ob der guten Ausgangslage vor dem 32. Spieltag zu sicher waren? Sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und die Möglichkeit, auf neun davonzuziehen – da gab es in der laufenden Saison jedenfalls schon größere Drucksituationen bei Werder Bremen. Ausschließen wollte Thioune diesen Punkt nicht. „Vielleicht ist es menschlich, dass man ein bisschen loslässt, wenn man sich etwas sicherer wähnt“, sagte er, um sogleich hinterherzuschieben, dass er derlei als Trainer nicht gutheißen kann, „denn die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass so etwas nicht sinnvoll ist“.

Werder Bremen-Trainer Daniel Thioune hat kein Verständnis für müden Auftritt gegen FC Augsburg

Thioune nutzte den Moment zwar, um seiner Mannschaft grundsätzlich ein großes Lob auszusprechen, nahm sie aber zugleich kritisch in die Pflicht. Das Team habe einen „großartigen“ Charakter, sagte der Coach des SV Werder Bremen. „In den Momenten, wo die Jungs richtig großen Druck aushalten mussten – gegen Heidenheim, in Wolfsburg und zuletzt auch im Derby – haben sie funktioniert.“ Ohne diesen Druck dann aber plötzlich nicht mehr. „Vor Augsburg konnte die Mannschaft ein wenig atmen und hat sich vielleicht etwas leiten lassen, dass es jetzt ein Selbstläufer werden könnte“, sagte Thioune, der einer solchen Einstellung vehement entgegenwirken möchte: „Es kann nur funktionieren, wenn wir immer wieder diese Leidenschaft und Energie auf den Platz bringen.“

Verständnis für den müden Auftritt seiner Mannschaft hatte Daniel Thioune dementsprechend nicht. „Nachsehen kann ich nur haben, wenn wir wirklich alles für den Erfolg getan haben“, erklärte er – und betonte: „Dafür war heute aber noch ein bisschen zu viel Luft nach oben da. Und ungenutztes Potenzial, das wir wieder abschöpfen müssen.“ (dco/mbü)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Max Vincen

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