Werder erklärt Entscheidung

„Naby ist kein unrechter Kerl“: So reagiert Werder auf die Keita-Lösung

Naby Keita hat bei Werder Bremen keine Zukunft mehr: Sportchef Clemens Fritz erklärt, warum sich der Verein so entschieden hat.
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Naby Keita hat bei Werder Bremen keine Zukunft mehr: Sportchef Clemens Fritz erklärt, warum sich der Verein so entschieden hat.

Naby Keita hat keine Zukunft mehr beim SV Werder Bremen, das teilte der Verein seinem Profi in einem persönlichen Gespräch mit. Jetzt verrät Sportchef Clemens Fritz, warum der Club diese Lösung gewählt hat und wie es nun mit dem 29-Jährigen weitergeht.

Bremen – Es war kein Mittwoch wie jeder andere. Es war der Mittwoch, an dem beim SV Werder Bremen nach langem Hin und Her doch noch geklärt wurde, wie es mit Naby Keita weitergeht. Wobei – ein endgültiges Ende der Beziehung zwischen Spieler und Verein gibt es auch jetzt noch nicht. Aber es wurde bei dem abendlichen Treffen in der Geschäftsstelle des Weserstadions final eingeleitet. Der 29-Jährige bleibt, wie Werder am Donnerstag offiziell mitteilte, zwar vorerst Angestellter des Clubs, darf aber auch weiterhin nur individuell trainieren und wird auf keinen Fall in die Profi-Mannschaft der Bremer zurückkehren. Jetzt geht es darum, möglichst schnell einen Abnehmer für den Mittelfeldspieler zu finden, der sich sowohl durch seinen Streik und die folgende Suspendierung während der vergangenen Rückrunde als auch sportlich ins Abseits befördert hatte. „Wir hatten ein sehr offenes und ehrliches Gespräch und sind dabei gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass wir jetzt bis zum Ende der Transferphase eine Lösung finden wollen“, erklärt Sportchef Clemens Fritz gegenüber der DeichStube. „Es war sehr gut, dass es dieses Gespräch in dieser Form gab, denn letztlich ist es auch wichtig, dass man sich immer noch in die Augen schauen kann.“

Werder Bremens Sportchef Clemens Fritz: „Sowohl Naby Keita als auch wir haben uns seine Zeit bei Werder anders vorgestellt“

Was nicht bedeutet, dass Clemens Fritz hinterher auch komplett glücklich den Tisch verlassen hat, an dem zuvor er selbst, Werders Leiter Profifußball Peter Niemeyer, Naby Keita und dessen Berater gesessen hatten. „Bei solch einem Thema kann man nicht von Zufriedenheit sprechen“, betont der 43-Jährige. „Sowohl Naby als auch wir haben uns seine Zeit bei Werder anders vorgestellt.“ Es ist jetzt ein gutes Jahr her, dass die Verpflichtung des guineischen Nationalspielers für viel Begeisterung gesorgt hatte. Der frühere Akteur von RB Leipzig und des FC Liverpool trug zwar eine dicke Krankenakte mit sich herum, aber auch die Hoffnung, dass er sportlich trotzdem noch immer in der Lage sei, eine Bundesliga-Mannschaft wie den SV Werder Bremen auf ein höheres fußballerisches Level zu heben. Die Bremer Verantwortlichen wagten deshalb nach ausführlichen Checks den Transfer und befeuerten so auch die Erwartungen der Fans – ehe der große Frust einsetzte. Keita verletzte sich früh, kam nie richtig in Tritt und spielte in der Bundesliga letztlich nur 107 Minuten für die Grün-Weißen.

Negativer Höhepunkt: der Streik vor dem Leverkusen-Spiel, weil es keinen Startelfplatz für den 29-Jährigen gab. Naby Keita wurde daraufhin bis zum Saisonende suspendiert – und kehrt auch jetzt nicht zurück in die Kabine. Eine Entschuldigung hat es bis heute gegenüber der Mannschaft nicht gegeben, wie Marvin Ducksch jüngst erklärte. Auch den Aussagen von Trainer Ole Werner war stets zu entnehmen, dass das Vertrauensverhältnis enorm belastet war. „Naby ist kein unrechter Kerl oder Querulant“, sagt Clemens Fritz dennoch. „Sicherlich war sein Handeln damals eine große Enttäuschung für uns, trotzdem ist er ein sehr guter Fußballer.“ Für eine Weiterbeschäftigung beim SV Werder Bremen reicht dieses Lob aber nicht aus. „Es ist schade, dass es nicht funktioniert hat“, meint Fritz. „Wir haben uns das alle anders gewünscht“.

Werder Bremens Clemens Fritz über Naby Keita: „Es ist schade, dass es nicht funktioniert hat“

Aus dem Kreise der Mannschaft gab es zunächst keine wirkliche Reaktion. Werder Bremen hatte die Meldung kurz vor dem morgendlichen Training des Teams publik gemacht, kurz darauf hatte Mitchell Weiser während einer Medienrunde die etwas undankbare Aufgabe, zur neuesten Entwicklung bei Naby Keita Stellung zu beziehen - und tat es dann recht wortkarg: „Ich weiß es jetzt seit fünf Minuten und kann da nichts zu sagen.“ Als Nachfragen aufkamen, verwies der 30-Jährige auf Werders sportliche Belange, über die er bei diesem Termin lieber sprechen wollte. Und damit war das Thema abgehakt. Für den Moment.

Für Werder Bremen selbst ist es das natürlich nicht. Zwei Jahre läuft der Vertrag von Naby Keita noch, den Kontrakt jetzt einfach aufzulösen wäre mit einigen Kosten verbunden. Deshalb bauen sie in Bremen auf ein anderes Szenario. „Naby hat uns mitgeteilt, dass er sich verändern möchte und eine neue Herausforderung sucht“, schildert Clemens Fritz. „Sein Berater ist jetzt am Markt und sucht nach einer Lösung – und dann werden wir uns nochmal an einen Tisch setzen.“ Der Haken an der Sache: Schlange stehen die potenziellen neuen Arbeitgeber nicht gerade. „Es gibt das eine oder andere Interesse, aber noch nichts Konkretes“, spricht Werders Sportchef einen altbekannten Satz.

Werder Bremens Clemens Fritz: „Wir wollen uns jetzt voll und ganz auf den Saisonstart gegen Cottbus fokussieren“

Der in Ungnade gefallene Mittelfeldspieler war vor rund 14 Monaten ablösefrei verpflichtet worden und hatte im Vergleich zu seiner Liverpool-Zeit auf viel Geld verzichtet – dennoch gilt er als einer der Topverdiener bei Werder Bremen. Naby Keita unterzeichnete am Osterdeich zwar einen stark leistungsbezogenen Vertrag, der aber immer noch ein stattliches Grundgehalt von etwa 1,5 Millionen Euro beinhaltet. Somit dürfte es auch bei der Suche nach einem neuen Club nicht zuletzt wieder um den finanziellen Aspekt gehen.

Auch wenn die Angelegenheit also noch nicht gänzlich aus der Welt ist, setzt Clemens Fritz darauf, dass es in der Causa Naby Keita jetzt deutlich ruhiger wird. „Gerade zuletzt gab es natürlich viele Nachfragen, wie es denn nun weitergeht“, berichtet der Sportchef des SV Werder Bremen. „Das ist nun vorbei. Wir wollen uns jetzt voll und ganz auf den Saisonstart gegen Cottbus fokussieren und konzentrieren, haben da noch einiges an Arbeit vor uns. Das ist für uns das Wichtigste, alles andere müssen wir ausblenden.“ (mbü)

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