Werder entschied sich für Klose
Nach Schock-Wechsel im Double-Jahr: Ailton hätte doch bei Werder Bremen bleiben können
Während der Double-Saison 2003/04 entschied sich Ailton dafür, nach der Saison vom SV Werder Bremen zum FC Schalke 04 zu wechseln. Nun wurde bekannt, dass der Brasilianer trotz der Vertragsunterschrift in Bremen hätte bleiben können. Warum sich die Grün-Weißen und Ailton selbst sich dann aber dagegen entschieden.
Bremen – Die Freude war riesig, der SV Werder Bremen hatte im Oktober 2003 tatsächlich die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga erklommen. Sollte aus dem Traum von der Deutschen Meisterschaft also wirklich etwas werden? Doch mitten hinein in derartige Überlegungen platzten zwei echte Hiobsbotschaften. Nicht nur Verteidiger Mladen Krstajic verkündete kurz nach dem Sprung auf Rang eins seinen Abschied am Saisonende in Richtung FC Schalke 04, kaum 24 Stunden später wurde auch der Verlust von Torjäger Ailton nach Gelsenkirchen publik. Zwei Nachrichten, die das Bremer Fan-Lager in einen Schock versetzten. Bekanntlich holte Werder am Ende trotzdem das Double, Ailton bereute seinen Entschluss ziemlich schnell – dabei hätte dessen Arbeitspapier mit dem Ruhrpott-Club sogar noch für unwirksam erklärt werden können. Das berichtet nun der damalige Werder-Geschäftsführer Manfred Müller im ARD-Podcast „Das Werder-Märchen 2004“.
„Wenn man gewollt hätte, dann hätte man den Ailton-Vertrag aufheben können“, erzählt der inzwischen 79-Jährige – und zwar „aus mehreren Gründen“, wie der Ex-Geschäftsführer des SV Werder Bremen verdeutlicht. „Erstens, weil es nicht der Vordruck der Deutschen Fußball Liga war mit den ganzen Voraussetzungen, die drinstehen. Zweitens war der Vertrag nur in Deutsch, das konnte Ailton in dieser Form gar nicht lesen. Und drittens: Es waren Anlagen angekündigt, die nicht dabei waren.“
Ailton oder Miroslav Klose? Deshalb entschied sich Werder Bremen noch gegen eines Verbleib des Brasilianers
Die Gelegenheit, den Brasilianer also auch künftig an der Weser spielen zu sehen, ließen die Verantwortlichen dennoch verstreichen. Den Grund liefert Müller gleich mit: „Wir hatten inzwischen Kontakt zu Klose aufgenommen und haben gesagt, gut, wenn er nicht mehr glücklich ist.“ Beide Profis gleichzeitig im Trikot des SV Werder Bremen auf Torejagd zu schicken, sei keine Option gewesen. „Wir hätten wahrscheinlich Klose nicht verpflichten können, denn wir konnten zu der damaligen Zeit nicht mit Klasnic, Klose und Ailton drei Mittelstürmer bezahlen, die ja auch ein entsprechendes Geld kosten“, sagt Müller. Ailton habe „so ungefähr acht, zehn Wochen“ nach seinem Ja zum FC Schalke 04 erkannt, dass er doch lieber in Bremen bleiben würde. „Da waren aber die Gespräche mit Klose so weit, dass wir der Überzeugung waren, wir nehmen jetzt Klose“, schildert der frühere Geschäftsführer.
Gänzlich abgehakt war die Geschichte damit aber noch immer nicht, denn der frühere Vorstandsvorsitzende Jürgen L. Born berichtet noch von einem weiteren Detail - weil der damalige Manager des FC Schalke 04, Rudi Assauer, aufgrund von Ailtons Unzufriedenheit nicht mehr auf dessen Ja-Wort bestanden habe. Deshalb hätten die Entscheider des SV Werder Bremen mit dem Angreifer „gesprochen und haben gesagt, gut, du kannst unseren alten Vertrag haben und da tun wir so und so viel obendrauf, bist du damit einverstanden?“ Der Südamerikaner habe keine Einwände gehabt, ein gestelltes Ultimatum von zwei Tagen ließ er dennoch verstreichen. Und Ailton erklärt auch, warum: „Ich habe ein Prinzip, mein Vater hat immer zu mir gesagt: Egal, was du Ailton, egal, was du prominent, egal, was deine Konto voll - ein Mann, ein Wort. So.“ (mbü)