Werder-Coach offiziell vorgestellt

Ohne Axt in die Kabine: Werder-Neu-Coach Daniel Thioune über nötige Veränderungen, seine Ansprache und Druck im Abstiegskampf

Daniel Thioune spricht bei seiner offiziellen Vorstellung als neuer Trainer von Werder Bremen u.a. über seinen Spielansatz und Druck im Abstiegskampf!

Am Mittwoch ging es Schlag auf Schlag, es gab schließlich keine Zeit zu verlieren. Erst verdichteten sich am Morgen die Anzeichen, dass der SV Werder Bremen seinen neuen Trainer gefunden habe, um 12.30 Uhr vermeldete der Verein dann höchstselbst die Verpflichtung von Daniel Thioune und keine 90 Minuten später stand der Nachfolger des entlassenen Horst Steffen dann auch schon auf dem Trainingsplatz. Dick eingepackt und mit weißen Stollenschuhen betrat der 51-Jährige um exakt 13.58 Uhr den Rasen, grüßte noch schnell mit einem inbrünstigen „Hallo, guten Tag zusammen“ die Zaungäste und machte sich dann an die Arbeit. Und es gibt eine Menge zu tun: Werder soll raus aus dem Tabellenkeller, den Abstiegskampf so schnell wie möglich hinter sich lassen. Thioune startet also mit reichlich Druck auf den Schultern – und geht damit betont locker um, wie er nach seiner Premiereneinheit in einer Medienrunde erklärte.

Werder Bremens Daniel Thioune: „Diese Mannschaft wird mir definitiv Freude machen, ich bin froh, dass ich mit ihr arbeiten darf“

„Die Aufgabe ist anspruchsvoll. Solange noch drei Teams hinter einem sind, muss man auch in den Rückspiegel schauen, aber grundsätzlich bin ich jemand, der nach vorne schaut. Die Jungs brauchen mal wieder das Gefühl, dass sie die Letzten sind, die den Ball berührt haben, wenn er ins Tor geht“, sagte Daniel Thioune - und der Neu-Trainer des SV Werder Bremen fügte an: „Davon waren sie in den vergangenen Wochen gar nicht so weit entfernt, ein Stück weit fehlten vielleicht die Energie und Überzeugung. Diese Mannschaft wird mir definitiv Freude machen, ich bin froh, dass ich mit ihr arbeiten darf.“

Daniel Thioune spricht bei seiner offiziellen Vorstellung als neuer Trainer des SV Werder Bremen u.a. über seinen Spielansatz, die Mannschaft und seine Ziele!

Als Daniel Thioune diese Worte sprach, saß Clemens Fritz nur eine Armlänge entfernt ebenfalls auf dem Podium. Der Geschäftsführer Fußball des SV Werder Bremen hatte in den vergangenen Tagen viele Gespräche geführt, darunter auch mit vier Kandidaten, auf die sich die Verantwortlichen bei ihrer Trainersuche letztlich festgelegt hatten. „Kein Trainer hat uns dabei abgesagt aufgrund der Qualität des Kaders“, betonte Fritz, nachdem medial genau dieser Verdacht bei der Personalie Bo Svensson nahegelegt worden war. Am Dienstagabend sei schließlich, berichtete der 45-Jährige, die Entscheidung pro Thioune gefallen – und zwar aus gutem Grund. „Ich habe gemerkt, dass ich sehr schnell mit Daniel in der inhaltlichen Tiefe war, was die Taktik und Positionierung angeht. Auch Erwartungshaltung an die Jungs hat er klar formuliert. Aber auch seine positive, sehr angenehme Art hat überzeugt, denn im Fußball ist auch viel Führung gefragt“, sagte Fritz, der sich zudem bei Klaus Allofs eine Einschätzung abholte – schließlich hat der Ex-Werder-Manager bei Fortuna Düsseldorf mit dem Coach zusammengearbeitet.

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Werder Bremens Neu-Trainer Daniel Thioune: „Ich scheue mich vor keiner Aufgabe“

Thioune selbst versprühte während seiner ersten Einheit sowie der offiziellen Vorstellung viel Leidenschaft, zeigte sich engagiert und angriffslustig. „Ich scheue mich vor keiner Aufgabe“, sagte der ehemalige Profi, der im niedersächsischen Georgsmarienhütte geboren wurde. „Traditionsvereine haben vielleicht ein etwas anspruchsvolles Umfeld und sind vielleicht auch etwas unruhig. Aber das gibt mir so viel, dass ich die Überzeugung habe, dass ich der richtige Trainer am richtigen Ort bin.“ Daniel Thioune verfügt bislang über keinerlei Erfahrung als Bundesligatrainer. Wie übrigens auch Horst Steffen vor ihm. Oder dessen Vorgänger Ole Werner sowie Markus Anfang. Und dann wären da noch Florian Kohfeldt, Alexander Nouri und Viktor Skripnik. Sieben Trainer in elf Jahren Werder, die mal mehr, mal weniger erfolgreiche Zeiten produziert und versucht haben, an alte Glanzmomente des Vereins anzuknüpfen. Thioune wird der nächste sein, der diesen Anlauf nimmt. „Wenn die Raute anruft und Clemens Fritz am Apparat ist, dann ist es ein No-Brainer“, sagte er und erklärte, dass er nicht lange habe überlegen müssen, als die Bremer Offerte kam. Privat schließe sich sogar ein Kreis, Thiounes Vater sei nämlich glorreicher Fan des SVW gewesen – weshalb er selbst als „Kind des Nordens“ stets genau beobachtet habe, was an der Weser passiere. Und selbst fast einmal, wie er verriet, als Profi beim SV Werder Bremen gelandet wäre.

Ab sofort ist er dafür mitverantwortlich. Und will zwar einiges bewegen, aber nicht alles auf den Kopf stellen. „Ich kann mich nicht verbiegen und auch nicht verändern. Ich bin niemand, der mit der Axt durch die Kabine rennt oder jemanden an den Pranger stellt. Ich arbeite nicht in Problemen, sondern immer in Lösungen“, sagte Daniel Thioune - und der neue Chefcoach des SV Werder Bremen legte nach: „Ob mich das von meinen Vorgängern oder Kollegen unterscheidet, weiß ich nicht. Aber ich habe eine klare Idee von dem, was ich mache, und ich kann versprechen, dass ich jemand bin, der konsequent ist. Die Jungs können und sollen Fehler machen auf dem Platz, aber aus einer Überzeugung heraus handeln. Wenn sie Fehler aus Faulheit oder Dummheit machen, dann ist es schade und ich werde sie daran erinnern – und zurück auf den richtigen Weg führen. Aber die Menschlichkeit sollte über allem stehen.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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