Neuzugang stellt sich vor
„Das ist hier richtiger Fußball“: Kaboré startet sein Werder-Abenteuer und will endlich sesshaft werden
Issa Kaboré hat sich als Neuzugang des SV Werder Bremen offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt. Der 23-Jährige spricht über seine vielen Wechsel, seine Zukunft und mehr.
Bremen – Um ziemlich genau 12.18 Uhr nahm der erste richtige Arbeitstag von Issa Kaboré beim SV Werder Bremen seinen Lauf. Das Auto hatte er auf dem Parkplatz vor dem Weserstadion abgestellt und schlenderte nun gemächlich Richtung Kabinentrakt. Ein paar Fotos noch, dann ging es schnell zum Umziehen – schließlich sollte er keine halbe Stunde später offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Und so stand er also am Spielertunnel der Arena, fröstelte ein wenig und posierte für die wartenden Fotografen. „Es ist in der Tat sehr viel kälter als zuvor in Lissabon, aber ich habe es bislang überhaupt nicht bereut, nach Bremen gekommen zu sein“, sagte Kaboré kurz darauf lächelnd. Eigentlich steht der 23-jährige Rechtsverteidiger bei Manchester City unter Vertrag, von dort war er zuletzt nach Portugal zu Benfica verliehen worden. Richtig gut lief es da allerdings nicht, weshalb das Geschäft vorzeitig endete und nun Werder das nächste Abenteuer in Kaborés trotz jungen Alters schon ereignisreicher Karriere ist.
Werder Bremen-Neuzugang Issa Kaboré ist erst mal nur ausgeliehen, kann sich aber festen Transfer vorstellen
„Es macht sehr viel Spaß, immer wieder etwas Neues kennenzulernen und viel herumzukommen“, schilderte der 40-fache Nationalspieler Burkina Fasos, „aber natürlich habe ich den Wunsch – auch hinsichtlich meiner Familie – mich an einem Ort niederzulassen, an dem wir uns wohlfühlen und es für alle gut ist.“ 2020 war Issa Kaboré als vielversprechendes Talent vom KV Mechelen auf die Insel gewechselt, seither aber immer wieder verliehen worden. So lebte er zunächst weiter in Mechelen, dann in Troyes und Marseille, spielte für Luton Town in der Premier League und kam in Lissabon zuletzt eben nicht so gut zurecht. Und nun also Werder Bremen, wo aber auch erst einmal nur ein Aufenthalt bis zum kommenden Juni vorgesehen ist. Und dann? „Das wird die Zukunft zeigen“, antwortete Kaboré gelassen. „Aber warum soll sie nicht hier liegen? Wenn ich hier die Möglichkeit habe, viel zu spielen, Fortschritte zu machen und mich weiterzuentwickeln, dann bleibe ich gern hier.“
Ein Vorteil der vielen Umzüge: Issa Kaboré kennt bestens das Gefühl, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden. Auch deshalb ist er fest davon überzeugt, sich schnell ins Team integrieren zu können. „Ich habe keine speziellen Werkzeuge, aber es ist immer wichtig, nett, freundlich und offen zu allen zu sein“, hob der temporeiche Außenverteidiger hervor. Auch sprachliche Hürden fürchtet Kaboré, der Französisch und Englisch spricht, trotz nicht vorhandener Deutschkenntnisse nicht. „Ich sehe in der Sprachbarriere eigentlich keine Schwierigkeiten. Immer wenn man in ein neues Land oder einen neuen Verein kommt, dann muss man lernen“, erklärte der Neuzugang des SV Werder Bremen. „Dazu gehören dann auch die Sprache sowie die verschiedenen Gewohnheiten des Landes. Sobald diese verstanden sind, läuft der Rest meistens von allein.“
Werder Bremen zahlt keine Leihgebühr für Issa Kaboré und kaum Gehalt, hat aber keine Kaufoption
Zu sehen war das wenig später auch bei seiner ersten Trainingseinheit mit den neuen Kollegen. Berührungsängste gab es keine, am Ende ist es dann doch eben Fußball. Nun will er möglichst schnell beweisen, dass er eine echte Hilfe für die Bremer sein kann. „Ich möchte natürlich sehr viel spielen und mich weiterentwickeln. An erster Stelle steht aber immer die Mannschaft, und ich möchte alles geben, was ich zu bieten habe, um das Team zu unterstützen“, betonte Issa Kaboré. Dass seine bevorzugte Position derzeit fest von Mitchell Weiser belegt ist, stört ihn nicht. „An erster Stelle steht der Erfolg des Teams. Je mehr gute Spieler in der Mannschaft sind, desto höher stehen die Chancen für die Mannschaft zu gewinnen und sich weiterzuentwickeln“, sagte der Neu-Bremer. „Als Spieler kann man sich somit dann auch verbessern. Deshalb halte ich es eher für positiv, wenn viele gute Spieler in einer Mannschaft vorhanden sind.“
Es fehlte nicht viel und Werder Bremens Winter-Leihgabe hätte schon im vergangenen Sommer den Konkurrenzkampf an der Weser annehmen dürfen. Die Bremer buhlten seinerzeit bereits um den Rechtsfuß, mussten sich dann aber doch Benfica Lissabon geschlagen geben. Der Grund ist einfach. „Ich bin erst sehr spät darüber informiert worden, dass auch Werder Interesse hat“, verriet Kaboré. „Da hatte ich Benfica schon zugesagt und konnte mich nicht wieder umentscheiden.“ Für die Norddeutschen zahlte sich das Warten immerhin finanziell aus. Manchester City trägt weiterhin große Teile von Kaborés Gehalt, auch eine Leihgebühr gibt es nicht. Aber auch keine Kaufoption. Alles Dinge, die für den afrikanischen Profi eher zweitrangig sind. Er freut sich einfach auf seine Herausforderung in Deutschland. „Ich habe mir in der Vergangenheit sehr häufig schon Spiele aus der Bundesliga angesehen. Für mich wird hier sehr intensiver Fußball gespielt, ich würde die Art und Weise als richtigen Fußball bezeichnen“, sagte Issa Kaboré. „Deswegen bin ich sehr glücklich, jetzt hier zu sein. Ich habe den Eindruck, dass Werder ein Verein ist, der eine sehr großartige Zukunft vor sich hat.“ (mbü)