Werder-Neuzugang in der Analyse

Einer, der den Rücken freihält – aber offensiv harmlos ist: Werder-Neuzugang Regeer im Datencheck

Welche Stärken und Schwächen hat Youri Regeer und wie gut passt er zu Werder Bremen? Der Neuzugang in der Datenanalyse von „f30 Football Insights“!

Die Herausforderung ist enorm. Youri Regeer soll in den kommenden Monaten nicht weniger tun als Jens Stage zu ersetzen. Den überragenden Spieler des SV Werder Bremen der vergangenen beiden Saisons. Im Auftrag der DeichStube haben die Datenexperten von „f30 football insights“ die niederländische Leihgabe von Ajax Amsterdam genauestens unter die Lupe genommen und ermittelt, über welche Qualitäten Regeer verfügt und wo es klare Unterschiede zur dänischen Lebensversicherung gibt. Das ist ihr Ergebnis.

Klare Stärken in der Defensive, wenig Impulse für die Offensive: Das gehört zum Profil von Werder Bremens Neuzugang Youri Regeer.

Werder Bremen-Neuzugang Youri Regeer in der Daten-Analyse: Profi von Ajax Amsterdam zurückgeholt und wieder aussortiert

Werdegang:

Youri Regeer wurde ebenso wie sein neuer Teamkollege Ludovit Reis im niederländischen Haarlem geboren, auch er ging mit zwölf Jahren den Schritt von einem lokalen Amateurclub, in seinem Fall den Rijnsburgse Boys, in eine Profiakademie – nämlich zu ADO Den Haag. Dort wurde er nur zwei Jahre später von Ajax Amsterdam entdeckt, wo er schon mit 15 Jahren parallel für die U17 und U19 auflief. Am Ende der Saison 2018/19 gewann Regeer als Sechzehnjähriger mit der U19 das Double aus Pokal und Meisterschaft. Fortan war er als zentraler Mittelfeldspieler gesetzt, auch als Spielgestalter in der Uefa Youth League unverzichtbar. Außerdem feierte er sein Startelfdebüt in der zweiten Liga für Jong Ajax.

Der Neu-Profi des SV Werder Bremen entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem vielseitigen Akteur und Leistungsträger, für die Profis in der Eredivisie kam Regeer allerdings fast gar nicht zum Zug. Zwischen seiner ersten Nominierung im Dezember 2020 und einem Abgang zum FC Twente im Sommer 2023 lagen nur knapp 300 Spielminuten. In Enschede ließ man sich die Dienste des Defensiv-Allrounders etwas weniger als eine Million Euro kosten, unter Trainer Joseph Oosting war der damalige U21-Nationalspieler gesetzt und belegte Rang drei mit seinem Team. Dabei kam Youri Regeer auf insgesamt sechs verschiedenen Positionen zum Einsatz, überwiegend als linker und rechter Verteidiger in einer Viererkette. Zur Saison 2024/25 rückte er dann auf seine angestammte Position im defensiven Mittelfeld.

Die positive Entwicklung blieb auch beim Ex-Verein nicht unbemerkt, Ajax machte im Januar 2025 von einer Rückkaufoption Gebrauch und zahlte dabei 4,5 Millionen Euro. Doch schon kurz nach seiner Rückkehr bremste Youri Regeer eine komplizierte Knöchelverletzung aus, er absolvierte bis zum Saisonende nur vier Spiele. Dann übernahm John Heitinga den Cheftrainer-Posten bei Ajax, mit dem Regeer bereits im Nachwuchs zusammenarbeitete. Dieser schenkte ihm das Vertrauen, auch unter Nachfolger Fred Grim stand er noch häufig als Sechser in der Startelf. Insgesamt bringt es der 23-Jährige so auf 57 Einsätze und über 2000 Spielminuten für Ajax. Seine Leistungen stagnierten allerdings, und nachdem ihn eine Oberschenkelverletzung zum Saisonende erneut aus der Bahn warf, war für Regeer kein Platz mehr im Kader.

Werder Bremens Neuzugang Youri Regeer in der Datenanalyse: Viele Defensiv-Aktionen und große Zweikampf-Effizienz

Spielstil:

Als defensiver Allrounder zeichnen Youri Regeer in erster Linie seine Zweikampfstärke, leidenschaftliche Spielweise und vor allem Sicherheit im Passspiel aus. Bei der Arbeit gegen den Ball zählte er zu den stärksten Profis der Eredivisie. Durch sein hohes Volumen an Tacklings, Zweikämpfen und geblockten Schüssen kommt er auf knapp 14 Defensivaktion pro 90 Minuten, was einen der höchsten Werte aller Mittelfeldspieler der Liga darstellt. Besonders in der eigenen Hälfte hat er einen sehr positiven Impact auf die Defensivleistung seines Teams, ein Großteil seiner Ballgewinne findet tief in der eigenen Hälfte im Abwehrdrittel oder dem Strafraum statt. Dank guten Stellungsspiels und dem richtigen taktischen Gespür zum Attackieren des Gegners ist der neue Mann des SV Werder Bremen im tiefen Pressing sowohl intensiv als auch effizient, beteiligt sich dagegen nur selten beim Pressing in der gegnerischen Hälfte. Dadurch ist er als absichernder Sechser neben einem mutig pressenden sowie spielstarken Achter am wirkungsvollsten. Er kann der Offensive den Rücken freihalten.

Regeers Zweikampfeffizienz wurde in der vergangenen Saison lediglich von zwei Mittelfeldspielern übertroffen, er entscheidet sowohl in der Luft als auch am Boden mehr als 60 Prozent seiner Zweikämpfe für sich. Betrachtet man nur die defensiven Zweikämpfe, bildet Youri Regeer mit einer Erfolgsquote von knapp 54 Prozent sogar die Benchmark der Liga. Da er bei Ajax in einem Team mit sehr viel Ballbesitz spielte, war Werder Bremens Leihverpflichtung als Sechser viel in den Aufbau eingebunden. Aus dem rechten Halbraum in der eigenen Hälfte beziehungsweise aus dem Zentrum kommt er im tiefen Aufbau den Innenverteidigern entgegen, um diesen eine zusätzliche Passoption zu ermöglichen. Regeer besitzt ein gutes Freilaufverhalten und ist in der eigenen Hälfte permanent anspielbar. Unter seinen Laufangeboten befinden sich aber kaum Läufe in die Tiefe, sondern rein sicherheitsgebende Läufe aus dem Pressingdruck heraus, die nicht für Raumgewinn sorgen.

Spielstil von Werder Bremens Youri Regeer im Check: Verschwindend geringer Einfluss auf die Offensive

Mit einem sehr sauberen ersten Kontakt und gutem Abschirmverhalten kann er den Ball gegen Gegner in seinem Rücken behaupten, strahlt eine hohe Pressingresistenz aus, was eine Passquote unter Druck von beeindruckenden 88 Prozent untermauert. Youri Regeer besitzt eine gute Übersicht, trennt sich schnell wieder vom Ball, findet den im druckfreien Raum postierten Mitspieler mit präzisen Kurzpässen. In der Pressingresistenz weist Regeer einige Parallelen zu Joey Veerman auf, anders als beim neuen Dortmunder Spielmacher sind die Aktionen aber rein auf Ballbesitzsicherung und Risikovermeidung ausgelegt. Nur einen sehr geringen Anteil seiner Pässe spielt Regeer nach vorne. Dementsprechend limitiert ist sein Einfluss auf das Übergangsspiel und die Chancenkreation.

Youri Regeer spielt nicht nur einen verschwindend geringen Anteil an Pässen über gegnerische Linien hinweg, seine Passpräzision nimmt bei langen Bällen auch deutlich ab. In der vergangenen Saison zählte der 23-Jährige zu den fünf schwächsten Mittelfeldspielern, was seine Quote angekommener progressiver Pässe angeht. Der Stage-Ersatz wird bei Werder Bremen eher der Spieler, der Angriffe durch schnelle Ballzirkulation vorbereitet, anstatt selbst die vertikalen Impulse zu setzen. Aus dem letzten Drittel hält sich der Niederländer weitgehend heraus, verbleibt in Angriffsphasen und auch bei Standards hinter dem Ball zurück. Anders als der dänischen Stammkraft fehlt es ihm am Drang in den Strafraum. Regeer nimmt sich kaum Abschlüsse und bereitet auch keine vor, ist an weniger als einem Abschluss pro 90 Minuten beteiligt, was nur von vier Eredivisie-Mittelfeldspielern unterboten wird. Offensiven Impact darf man an der Weser von Regeer dementsprechend nicht erwarten.

Youri Regeer im Daten-Check: Werder Bremen-Neuzugang ist kein profilgetreuer Ersatz von Jens Stage

Fazit:

Ein profilgetreuer Ersatz von Jens Stage ist der 1,77 Meter große Niederländer nicht, im Gegenteil. Er verzeichnet kaum Offensivaktionen und verkörpert nicht ansatzweise die Torgefahr von Werders bestem Torschützen der Vorsaison. Aber: Regeer ist ein zweikampfstarker, absichernder Sechser mit hoher Intensität im Spiel gegen den Ball. Dem Bremer Auftritt wird er Stabilität verleihen können, besitzt eine sehr gute Orientierung im Spielaufbau und eine Pressingresistenz, die in den Niederlanden zur Ligaspitze zählte.

Vertikale Impulse sind aber nicht zu erwarten, dafür ist er zu sehr auf Sicherheit bedacht. Regeer ist auf Ballbesitzsicherung bedacht, sein Spiel nach vorne ist schnell fehlerbehaftet. Werder Bremen hätte ein neuer Box-to-Box-Mittelfeldspieler mit Qualitäten in der Chancenkreation und -verwertung gutgetan, der Transfer von Youri Regeer wirft so die Frage auf, ob die entstandene sportliche Lücke tatsächlich gefüllt werden kann. In Dariusz Stalmach hatten die Norddeutschen eigentlich schon einen ähnlichen Spielertypen verpflichtet. (mbü)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Pro Shots

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