Wie geht es Niklas Schmidt?
„Fußball ist meine Therapie“: Ex-Werder-Profi Schmidt spricht über den Umgang mit seiner Depression
Seit fast vier Monaten steht Niklas Schmidt nun schon beim FC Toulouse unter Vertrag. Wie es in Frankreich für den Ex-Spieler des SV Werder Bremen läuft und wie es um seine mentale Verfassung bestellt ist, hat der Mittelfeldspieler nun im „Kicker“-Interview verraten.
Bremen – Zuletzt hat Niklas Schmidt etwas kürzertreten müssen. Bei seinem neuen Verein, dem französischen Erstligisten FC Toulouse, setzte der Mittelfeldmann leicht angeschlagen für zwei Partien aus. Doch nun ist der 25-Jährige wieder fit – und beschreibt im Interview mit dem „Kicker“, wie wichtig das Dasein auf dem Rasen für ihn ist. Denn Schmidt hat bekanntlich mit einer Depression zu kämpfen. „Fußball ist meine Therapie. Auf dem Platz fühle ich mich frei - da kann ich alles vergessen und muss nicht so viel überlegen“, erklärt der frühere Profi des SV Werder Bremen. „Wenn ich mit dem Team unterwegs bin, bin ich abgelenkt. Aber natürlich habe ich auch meine Phasen, wenn ich zu Hause bin und struggle.“
„Es gibt Tage, wo es sehr schlecht geht“: So geht es Werder Bremens Ex-Spieler Niklas Schmidt mit seiner Depression
Im vergangenen Winter hatte Niklas Schmidt erstmals öffentlich über seine mentalen Probleme gesprochen, während Werder Bremens Trainingslager im spanischen Murcia von Schwierigkeiten während der vorherigen Hinrunde berichtet. Im Sommer wechselte der gebürtige Kasselaner dann nach Frankreich – ein Wechsel, der sich nach eigener Aussage „positiv“ auf seine psychische Verfassung ausgewirkt habe. Aufgrund der vielen neuen Eindrücke im Nachbarland komme der frühere U-Nationalspieler „nicht so sehr ins Nachdenken“, wie er sagt. Wöchentliche Treffen mit einer Psychologin des Clubs gehören für ihn dennoch weiterhin zum ganz normalen Programm. „Es gibt immer noch Tage, wo es sehr schlecht geht. Es gibt aber auch Tage, wo es sehr gut geht. Wichtig für mich ist, dass diese Balance bestehen bleibt“, betont Schmidt.
Ähnlich wie bei Werder Bremen früher sind auch jetzt in Toulouse alle Beteiligten im Verein eingeweiht, wissen genau von der Erkrankung des einstigen Bremers. Und genau das sei gut so. „Das Wichtigste ist, mit den Leuten zu sprechen, mit denen man tagtäglich zu tun hat“, sagt Niklas Schmidt. „Ich weiß ja auch nicht, ob das Thema in einem Monat weg ist, in drei Jahren oder nie. Das gehört zu meinem Leben dazu. Ich versuche gegenzusteuern, indem ich mich selbst klar damit auseinandersetze und einfach offen damit umgehe.“ Beim FC Toulouse hat Schmidt bislang zehn Ligapartien absolviert (ein Tor), sieben von Beginn an. Für den Tabellen-15. lief er zudem vier Mal in der Europa League auf. (mbü)