Werder-Profi hofft auf wenig Gegentore

Niklas Stark ist genervt von Abwehrchef-Debatte – und vermisst seine Sitznachbarn in der Werder-Kabine

Niklas Stark zählte in einer schwachen Rückrunde des SV Werder Bremen zu den stärkeren Profis - inzwischen ist er aus der Defensive nicht mehr wegzudenken. Jetzt hat er über den Titel als Abwehrchef, den aktuellen Stand der Vorbereitung und fehlende Sitznachbarn in der Kabine gesprochen.

Bremen – Was sich in einem Jahr alles ändern kann! Vor zwölf Monaten gehörte Niklas Stark noch zu den Neulingen bei Werder Bremen, hatte gehörige Anlaufschwierigkeiten und kam mit dem Spielsystem von Coach Ole Werner nicht zurecht. All das ist lange Vergangenheit. „Ich habe mich reingefuchst“, sagt Stark ganz lapidar. Der Abwehrspieler zählte in einer schwachen Bremer Rückrunde zu den stärksten Werder-Profis. Inzwischen ist Stark aus der Werder-Defensive nicht mehr wegzudenken, gehört zu den Führungsspielern und geht gestärkt in die neue Saison. Den Titel als Abwehrchef will er allerdings nicht haben. Warum das so ist, wie er den Stand in der Vorbereitung sieht und warum er plötzlich in der Kabine keine Sitznachbarn hat, verriet der 28-Jährige am Donnerstag in einer Medienrunde. Niklas Stark über…

Werder Bremens Niklas Stark: „Wir sind gut in der Zeit, dass wir gegen Viktoria Köln hundertprozentig da sind“

… die Vorbereitung: Viel Zeit bleibt nicht mehr. Am Samstag (ab 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) steigen für den SV Werder Bremen in Straßburg die letzten Testspiele, dann stehen schon die Erstrundenpartie im DFB-Pokal gegen Viktoria Köln (12. August) und der Bundesliga-Auftakt gegen den FC Bayern München (18. August) an. Niklas Stark sieht Werder aktuell auf einem guten Stand: „Wir können recht zufrieden sein. Wir haben gute Testspiele hinter uns, auch die richtigen Testspiele zur richtigen Zeit.“ Gerade durch die Partie gegen den „Brocken“ RB Leipzig habe man gesehen, wo man steht. „Wir sind gut in der Zeit, dass wir gegen Viktoria Köln hundertprozentig da sind.“

… die Verletzten in der Abwehr: Erst zog sich Milos Veljkovic eine Bauchmuskelverletzung zu, dann Marco Friedl - und auch Amos Pieper musste nach seiner Knöchel-OP im Frühjahr erst mal wieder richtig reinkommen ins Training. Einzig Niklas Stark hat die vergangenen Monate schadlos überstanden. „Ich bin froh, dass ich verletzungsfrei geblieben bin. Für mich ist es relativ wichtig, viele Trainingseinheiten zu machen und viel zu arbeiten, damit ich auf dem Niveau bin, das ich mir vorstelle“, sagt der Abwehrmann des SV Werder Bremen. Ein Einspielen der Dreierkette war durch die Verletzungen der Kollegen in der Vorbereitung allerdings unmöglich. „Natürlich ist es nicht optimal, dass wir nicht alle zusammen auf dem Platz gestanden sind“, sagt Stark. „Nichtsdestotrotz glaube ich, dass Milos und Marco mit dem Kopf schon dabei sind, auch wenn sie nicht mittrainieren können.“

Werder Bremens Niklas Stark: „Natürlich wäre es schön, wenn noch jemand kommen würde für die eine oder andere Position“

… die Besetzung der Dreierkette: Nach dem Abgang von Fabio Chiarodia Richtung Mönchengladbach hat Werder aktuell einen Innenverteidiger weniger als in der vergangenen Saison, Niklas Stark sieht das Team aber dennoch gut aufgestellt: „Wir haben vier sehr gute Innenverteidiger, die das ausfüllen können, plus einen ,Rappo‘ (Nicolai Rapp, Anm. d. Red.), der unser Allrounder ist, der irgendwie alles kann.“ Auch Christian Groß könne hinten reinrücken. Neuzugänge will der Profi des SV Werder Bremen nicht fordern, sagt aber ganz allgemein: „Natürlich wäre es schön, wenn noch jemand kommen würde für die eine oder andere Position.“

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… die Rolle als Abwehrchef: Niklas Stark muss kurz stöhnen. „Ich hab‘ doch gesagt, dass das wieder kommt…“, murmelt er halblaut zu dem neben ihm sitzenden Pressesprecher Norman Ibenthal. Denn die wiederkehrenden Fragen zum Thema „Abwehrchef“ mag der Verteidiger des SV Werder Bremen nicht. „Das ist mir relativ egal“, meint er, der sich lediglich als Teamplayer sieht. „Ich bin großer Fan davon, dass jeder 100 Prozent gibt und seine Rolle erfüllt. Deswegen betitele ich niemanden als Chef oder sonst irgendwas.“ Es gehe nur um den Erfolg der Mannschaft: „Wenn der gegeben ist, nehme ich jede Rolle an, die dafür notwendig ist.“

Werder Bremens Niklas Stark über Gegentore: „Wenn wir 30 Spiele 5:4 gewinnen, stehen wir auch ganz gut da“

… über eine Gegentore-Höchstgrenze: Unter 52 Gegentoren zu bleiben – dieses Saisonziel hat sich Amos Pieper gesetzt. Während einer Medienrunde im Zillertal hatte der Innenverteidiger das der Öffentlichkeit mitgeteilt, intern wurde die Ambition aber nicht besprochen. Niklas Stark jedenfalls kennt die Marke nicht – würde nach 64 Gegentreffern in der Vorsaison aber mitgehen. „Wenn Amos das sagt, machen wir das auch so“, meint der Innenverteidiger von Werder Bremen über Piepers Limit. Im Prinzip ist dem 28-Jährigen die Zahl der Gegentore aber recht egal, solange die Punkteausbeute stimmt: „Wenn wir 30 Spiele 5:4 gewinnen, dann stehen wir auch ganz gut da – auch wenn es mich wurmen würde.“

… das neue System: Neben der gewohnten 3-5-2-Grundordnung hat Trainer Ole Werner im Trainingslager des SV Werder Bremen ein alternatives 3-4-3-System einstudieren lassen. Niklas Stark ist ein großer Fan davon: „Ich finde es gut, dass sich etwas in der Grundformation verändert. Wenn das eine nicht funktioniert, können wir schnell auf das andere switchen“, sagt er. In beiden Fällen steht zwar hinten eine Dreierkette, doch auch für die Innenverteidiger ändere sich einiges. In der Offensive sind andere Räume zu bespielen, in der Defensive verändern sich die Abläufe beim Herausrücken und Absichern. „Das ist schon ein komplexes Ding“, sagt Stark. Noch ist das System für die Spieler zwar neu, Niklas Stark findet aber, dass die Umstellung „in den Testspielen schon relativ gut funktioniert“ habe.

Werder Bremens Niklas Stark über die Nationalmannschaft: „Im Hinterkopf ist es wahrscheinlich immer - ob man will oder nicht“

… Niklas Schmidts Abschied: An die neue Beinfreiheit muss sich Niklas Stark erst noch gewöhnen. Um ihn herum wird es in der Kabine nämlich ungewohnt leer. „Lee saß links neben mir, ,Schmiddi‘ rechts neben mir“, erzählt der Verteidiger des SV Werder Bremen. Während Lee Buchanan bereits kürzlich zu Birmingham City gewechselt ist, zieht es nun Niklas Schmidt zum FC Toulouse. „Ich mache mir schon ein paar Gedanken, ob ich schuld bin“, schmunzelt Stark. Eigentlich ist ihm aber gar nicht zum Lachen zumute: „Das ist schon ein bisschen traurig.“ Ein Schmidt-Wechsel „wäre natürlich schade für uns als Team, weil er ein guter Typ ist“. Und auch sportlich schmerze der Abschied. „Er hat in der letzten Saison bewiesen, wenn er reinkommt, dass er ein Spiel verändern kann. Das hat uns oft gutgetan.“

… die Nationalmannschaft: Zwei Mal ist Niklas Stark bisher für die DFB-Elf aufgelaufen, das letzte Mal im Oktober 2020. Von einem DFB-Comeback ist er aktuell zwar weit entfernt, ein Jahr vor der Europameisterschaft in Deutschland kann er aber gar nicht anders, als insgeheim ein wenig davon zu träumen. „Im Hinterkopf wird es wahrscheinlich immer sein – ob man will oder nicht“, gibt der Profi des SV Werder Bremen zu. „Aber die Leistung muss erst mal erbracht werden, um theoretisch im Gespräch sein zu dürfen. Deswegen ist das nicht primär im Kopf, sondern der Erfolg der Mannschaft hier bei Werder.“ (han)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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