DeichStube-Interview

Transfers? „Da können wir noch klarer werden und es schneller durchziehen“ - Ole Werner über Personalpolitik, Vertragsgespräche und seine Nummer 1

Im großen Saison-Abschluss-Interview mit der DeichStube spricht Trainer Ole Werner ausführlich über die Transfer-Politik des SV Werder Bremen und seine Zukunft.

Bremen – Seit nunmehr vier Saisons ist Ole Werner als Cheftrainer für den SV Werder Bremen verantwortlich – seitdem geht es für den Verein kontinuierlich aufwärts. Ob noch eine fünfte Spielzeit hinzukommt, ist dennoch nach wie vor offen. Im großen Interview mit der DeichStube zieht der 37-Jährige seine persönliche Jahresbilanz, spricht über den aktuellen Stand der Vertragsgespräche und äußert sich über Verbesserungspotenzial in der Bremer Transferpolitik. Außerdem geht es um die spannende Torhüter-Frage und die speziellen Herausforderungen als Werder-Trainer.

Herr Werner, Sie haben in der abgelaufenen Saison auf Pressekonferenzen Ihre E-Mail-Adresse verraten, einen Tonmann mit Nick Woltemade verglichen und auch darüber hinaus für unterhaltsame Momente gesorgt. Steckt in Ihnen ein heimlicher Entertainer?

(lacht) Im privaten Bereich ist es nicht sonderlich versteckt, sondern sehr offensichtlich. Im beruflichen Kontext gab es das auch schon immer. Aber es freut mich, dass es jetzt auch bemerkt wird und zur Unterhaltung beiträgt. 

Werder Bremens Trainer Ole Werner im großen Saison-Abschluss-Interview mit der DeichStube.

Werder Bremens Trainer Ole Werner ist stolz auf die vergangene Bundesliga-Saison

In der Vergangenheit waren Ihre Auftritte eher geprägt von einem sehr sachlichen, nüchternen Ton. Woher kommt dieser Wandel?

Ich habe mir nicht vorgenommen, dass ich jetzt mal witzig werden muss. Ich weiß auch nicht, ob das vorher wirklich nie so war. Es wurde zum Thema, als ich nach einem Spiel einmal ausdrücklich gut gelaunt war. Seither wird es offenkundig häufiger registriert, und ich werde anders wahrgenommen.

Sie haben die Saison mit 51 Punkten beendet und damit in der Bundesliga zum dritten Mal besser abgeschnitten als im Vorjahr. Macht Sie das stolz?

Ja, total. Aber gar nicht auf mich persönlich, sondern auf das, was wir hier alle zusammen in den letzten Jahren gemacht haben. Wenn man sich ganz bewusst daran erinnert, wie diese Zusammenarbeit begonnen hat und welche Schwierigkeiten es gab, dann kann der ganze Verein sehr stolz auf diesen Weg sein. Man wird nicht viele Traditionsvereine finden, die sich ähnlich gut entwickelt haben im Laufe der letzten vier Jahre.

Wo ist das Limit dieser Entwicklung?

Das ist eine ganz spannende Frage. Es geht darum, dass man kontinuierlich die Möglichkeiten schafft, vielleicht nochmal einen Platz draufsetzen zu können. Es wäre schön, wenn das Ergebnis in jedem Jahr um eine Position besser ausfällt, aber das wird wahrscheinlich nicht gelingen. Entwicklung heißt manchmal auch, dass es kurzfristig schwierig wird, weil man einen Schritt zurück machen muss, um dann zwei nach vorne gehen zu können. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass dieser Verein das grundsätzlich kann, weil hier viele Menschen uneitel für den gemeinsamen Erfolg arbeiten.

Hand aufs Herz: Gab es einen Augenblick im tristen Februar, in dem Sie Angst hatten, dass Ihnen die Saison entgleitet?

Es gab in der gesamten Saison sehr schwierige Momente. Ich hatte schon während der Vorbereitung im Sommer das Gefühl, dass wir nicht so gut gearbeitet haben, wie wir es eigentlich könnten. In der Phase rund um das Pokal-Aus in Bielefeld, fragst du dich schon, in welche Richtung das gerade geht. Am Ende ist das aber unerheblich, weil man die Situation nur dadurch beeinflussen kann, was man am nächsten Tag tut. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass es von mir keinen Hokuspokus geben wird, weil ich nicht daran glaube, dass man all das über Bord werfen sollte, was einen über lange Zeit ausgezeichnet hat.

Ist Ole Werner zur kommenden Saison noch Trainer des SV Werder Bremen? „Aktuell gehe ich davon aus“

Am Ende hat Werder Europa nur hauchdünn verpasst – zum zweiten Mal in Folge. Die Erwartungshaltung vor der neuen Saison dürfte entsprechend groß sein. Wie gehen Sie damit um?

Erst einmal ist es schön, dass es diese Erwartungshaltung gibt, weil sie für eine gewisse Entwicklung spricht. Mir ist das auch lieber, als wenn alle schon am ersten Spieltag Angst haben, dass es in eine andere Richtung gehen könnte. Ich kann diese Haltung nicht beeinflussen, sondern nur darauf hinweisen, wo wir als Verein herkommen und stehen. Werder wird auch nächstes Jahr zu den acht bis zwölf Clubs gehören, die erst einmal 40 Punkte holen müssen.

Sind Sie am ersten Spieltag überhaupt noch Werder-Trainer? Immerhin können Sie im Sommer dank einer Ausstiegsklausel gehen …

Aktuell gehe ich davon aus. Ich habe hier ja einen laufenden Vertrag. Wir sind nach wie vor in Gesprächen über das, was den Zeitraum nach 2026 angeht.

Es gibt also keine Bestrebungen, aufgrund der Klausel auch andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen?

Ich versuche immer nur das zu versprechen, von dem ich weiß, dass ich es zu 100 Prozent halten kann. Stand heute habe ich aber nichts vorliegen, worüber ich mir Gedanken machen muss.

Der Verein hat mehrfach klar kommuniziert, dass er Ihren bis 2026 laufenden Vertrag vorzeitig verlängern möchte. Was muss dafür passieren?

Es geht mir um eine Entwicklung. Für mich persönlich, aber auch als Verantwortlicher für die Mannschaft, hat Entwicklung immer mit neuen Reizen und Neugier zu tun. Auch mit Veränderungen an den richtigen Punkten. Für Profifußball-Verhältnisse bin ich schon eine lange Zeit hier. Im nächsten Sommer wären es viereinhalb Jahre. Wenn man da immer wieder neue Energie schaffen möchte, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder es müssen sich um einen Trainer herum Dinge verändern, oder irgendwann ist es an dem Punkt, wo es für alle gut ist, wenn sich auf der Position des Trainers etwas tut. Die Kernfrage ist: Wie viel Veränderung um einen Trainer herum kann ein Verein leisten, und ist das sinnvoll für die Gesamtentwicklung des Vereins? Mit dieser Frage gehen wir alle sehr verantwortungsbewusst um und versuchen, die beste Lösung zu finden. Ich will nicht nur hier sein, weil ich mich hier wohlfühle und die Leute mich mögen, sondern weil wir gemeinsam besser werden können. Das funktioniert nur über neue Reize.

Update (26. Mai 2025): Knall bei Werder Bremen! Trainer Ole Werner verlängert seinen Vertrag nicht!

Werder Bremens Trainer Ole Werner im Interview über eine mögliche Verlängerung: „Wird keine drei, vier Wochen mehr dauern“

Was benötigen Sie denn, um die Arbeit bei Werder weiterhin als spannend zu empfinden?

Es geht um die richtigen Veränderungen in der Mannschaft, im Trainerteam und im Staff. Das kann alle Bereiche betreffen. Die Frage ist, was davon sinnvoll ist und uns besser macht. Es geht um neue Reize, beispielsweise durch neue Spieler und deren Qualität. Auch veränderte Abläufe sind ein Thema. Darüber müssen wir uns Gedanken machen, wie und ob wir diese Reize setzen können.

Und das geschieht gemeinsam?

Immer. Ich setze niemandem die Pistole auf die Brust, denn ich weiß, dass es so nicht funktioniert. Natürlich habe ich konkrete Vorstellungen, aber wir besprechen alles gemeinsam. Ich weiß natürlich, dass gewisse Dinge hier nicht funktionieren, weil sie finanziell nicht umsetzbar sind. Die Offenheit, mit der wir darüber sprechen, ist außergewöhnlich. Es geht in den Gesprächen zwar oft kontrovers zu, ich habe aber immer das Gefühl, dass ich sagen kann, was ich denke und dass ich mit Leuten an einem Tisch sitze, denen es darum geht, den Verein voranzubringen.

Update (26. Mai 2025): Das sind Ole Werners Gründe für die Vertrags-Absage an Werder Bremen!

Gibt es einen vereinbarten Zeitpunkt, bis zu dem alle Seiten Klarheit haben wollen?

Die Gespräche laufen nach wie vor. Wir stehen nicht am Anfang dieses Prozesses, sondern am Ende. Es ist für alle Seiten wichtig, zeitnah Klarheit zu haben. Es geht jetzt darum, Entscheidungen zu treffen. Das wird keine drei, vier Wochen mehr dauern.

Bei einem Verein wie Werder ist es die große Herausforderung, aus vergleichsweise geringen Mitteln mehr zu machen als die wirtschaftlich stärkere Konkurrenz. Reizt oder nervt Sie das mehr?

Das reizt mich total. Bevor ich damals mit Patrick Kohlmann zu Werder gekommen bin, haben wir auch mit einem anderen Verein gesprochen, aber wir hatten beide das Gefühl: In Bremen braucht man uns mehr, das ist die geilere Aufgabe. Hier können wir wirklich helfen. Bei Werder hatten wir immer das Gefühl, dass es nur um die Sache und um nichts anderes geht. Genau deshalb haben wir uns damals für Werder entschieden. Die Energie, die wir hier haben, ist größer als an anderen Standorten. Und damit vor Mannschaften zu stehen, die andere Startbedingungen haben, ist ein großer Reiz. Ich weiß nicht, ob die Arbeit bei einem anderen Verein so viel reizvoller wäre, nur weil du mehr Geld zur Verfügung hast.

Werder Bremens Trainer Ole Werner über einen möglichen Umbruch: „Es kann viel passieren“

Schauen wir auf den Kader: Im Sommer stehen größere Umbauten an, der Verbleib von Spielern wie Jens Stage, Romano Schmid und Marvin Ducksch ist fraglich. Wie sehr wird sich das Team verändern?

Das kann ich auch noch nicht sagen. Es kann viel passieren, aber auch weniger, als man heute denkt. Wenn Leistungsträger gehen sollten, wird es schwierig, das gleiche Niveau neu zu verpflichten. Da wird man wahrscheinlich erst einmal Spieler holen, die irgendwann noch auf dieses Niveau kommen könnten, aber eben mit einer gewissen Anpassungszeit.

Muss man sich Sorgen um Werder machen?

Dazu sehe ich keinen Grund. Aber auch wir sind leider nicht in der Position, schlecht im Sommer arbeiten und trotzdem eine gute Saison haben zu können. (lacht)

Kapitän Marco Friedl hat einen flammenden Appell für einen Verbleib von Jens Stage gehalten. Unterschreiben Sie den?

Jens ist einer von jenen Spielern, die absolut prägend für unser Spiel sind. Er hat sich auf und neben dem Platz zum absoluten Führungsspieler entwickelt. Deshalb wäre es natürlich unser aller Wunsch, dass Jens hierbleibt.

Werder Bremens Ole Werner über Transfers: „Einen Spieler zu verpflichten, der sofort besser ist, ist finanziell eine echte Aufgabe“

Wie wollen Sie denn Spieler holen, wenn doch im Vergleich zur Konkurrenz bei Werder „wie bei einem Abstiegskandidaten“ bezahlt wird? Mit dieser Formulierung haben Sie kürzlich für Aufsehen gesorgt…

Zunächst einmal: Die Jungs verdienen hier nicht schlecht, wir können gute Gehälter zahlen, aber wir müssen in der Breite Abstriche machen. Sportlich müssen wir über unsere Art und Weise von Fußball kommen – und eine Passung der Spieler, die genau damit besser zur Entfaltung kommen als bei einem anderen Verein. Das ist der Weg, der am meisten zieht. Und natürlich die persönliche, familiäre Atmosphäre bei Werder und in der Stadt, die für viele sehr anziehend ist.   

Die Säulen der Mannschaft sind schon seit Jahren da, während viele Neuzugänge zuletzt deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Muss Werder sich auch bei den Transfers weiterentwickeln?

Wie in anderen Bereichen auch, können wir uns auch hier weiterentwickeln. Wenn wir von einem Spieler wirklich überzeugt sind, können wir in der internen Abstimmung noch klarer werden und es schneller durchziehen. Der zweite Punkt ist: Wir haben uns seit dem Wiederaufstieg als gesamte Mannschaft entwickelt. Als Werder Bremen einen Spieler zu verpflichten, der sofort besser ist, ist finanziell eine echte Aufgabe. Wenn du dann auch noch die Klasse frühzeitig halten sollst, damit du Planungssicherheit hast und wir eigentlich – wenn wir mal ehrlich sind – alle doch auch ein bisschen mehr wollen, dann spielen eben die Besten. Anders kriegst du das sonst nicht hin. Du kannst versuchen, im richtigen Moment andere Spieler einzubauen, aber du bist eben nicht nur auf die Entwicklung einzelner Spieler aus, sondern auf eine Gesamtperformance. 

Besonders spannend ist die Situation im Tor mit Stammkraft Michael Zetterer und dem aufstrebenden Mio Backhaus, der im neuen Jahr unbedingt spielen will. Wie lösen Sie das Problem?

Wir sind mit beiden Spielern in Gesprächen. Klar ist, dass Mio ans Spielen kommen muss, um einen Schritt voranzukommen. Wir sind aber trotzdem auch mit Zetti sehr zufrieden. Ich würde es mal als Luxusproblem beschreiben, weil wir auf der Torhüterposition keine Bauchschmerzen haben.

Werder Bremens Trainer Ole Werner im DeichStube-Interview.

Werder Bremens Trainer Ole Werner im DeichStube-Interview: „Zetti ist unsere Nummer eins“

Rufen Sie den Kampf um die Nummer eins im Sommer neu aus?

Zetti ist unsere Nummer eins, und so ist bisher auch die Planung für die kommende Saison. Natürlich gab es Schwankungen bei ihm – so, wie bei jedem anderen Spieler auch. Er hat aber trotzdem wieder eine gute Saison gespielt.

Könnte es sich Werder denn leisten, in Backhaus das nächste Top-Talent zu verlieren?

Das wird am Ende nicht nur der Cheftrainer entscheiden, gerade auf der Torhüterposition nicht. Wir werden versuchen, eine Lösung zu finden, die alle zufriedenstellt.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass es bei Werder zu wenig Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die Bundesliga schaffen?

Man kann in den letzten Jahren nicht davon sprechen, dass es viele Spieler geschafft haben. Das liegt an mehreren Dingen. Zum einen haben wir jetzt erst wieder Jahrgänge, in denen spannende Spieler dabei sind, die eine Perspektive für den Profifußball haben. Das sieht man an der Qualität, die diese Spieler schon jetzt in die Trainingsgruppe mit einbringen und an den Ergebnissen, die sie mit der U19- und U23-Mannschaft geschafft haben. Zum anderen ist es so: Wenn du das Ziel hast, viele junge Spieler einzubauen, wird es wahrscheinlich nicht damit einhergehen, im Windschatten von Europa mitzuspielen. Du musst dich entscheiden, welchen Weg du gehen willst.

Wechsel im Sommer? Werder Bremens Trainer Ole Werner geht davon aus, beim Trainingsauftakt mit dabei zu sein

Welchen bevorzugen Sie?

Ich bin grundsätzlich für beide Wege offen und finde sie enorm spannend. Sie aber beide zusammenzubringen funktioniert nur, wenn du für Teenager auch mal zweistellige Millionenbeträge ausgeben kannst. Deshalb werden wir uns hier für einen Weg entscheiden müssen. Wenn wir auf die Jugend setzen, weil wir Spieler entwickeln und mit ihnen eines Tages Transfererlöse erzielen wollen, kann es passieren, dass es dadurch erstmal wieder knapper nach unten wird. Das müssten wir dann aushalten, da müssten wir dann alle durch. Das Spannungsfeld sieht so aus: Du sollst mit begrenzten Mitteln einen Verein möglichst frühzeitig in der Liga halten. Trotzdem entsteht die Erwartungshaltung, auch mal wieder unter die ersten Sechs kommen zu wollen. Zudem sollen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs eingebaut werden. Alles zusammen zur gleichen Zeit umzusetzen, wird nur schwer realisierbar sein. Da muss man Prioritäten setzen. Und bitte nicht vergessen: Wir sind Achter geworden in der Bundesliga. Das heißt, dass es nur sieben Mannschaften in Deutschland gibt, die zuletzt besser waren als wir. Da als junger Spieler reinzukommen, ist nicht so einfach.

Herr Werner, jetzt steht der Sommerurlaub an. Wie verbringen Sie die freie Zeit?

Ich werde zwei Mal unterwegs sein, einmal in Skandinavien und einmal auf der Südhalbkugel. Zwischendurch bin ich zu Hause.

Um dann zum Trainingsauftakt wieder bei Werder auf dem Platz zu stehen?

(lacht) Am 5. Juli ist hier Trainingsauftakt, und Stand heute gehe ich davon aus, dass ich mit dabei sein werde. (dco/mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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