Werder zeigt zwei Gesichter
„Das werden wir deutlich ansprechen“: Werner kritisiert Werders ersten Coventry-Auftritt scharf - lobt aber auch die Profis des zweiten Tests
Die zwei Mannschaften des SV Werder Bremen haben im Doppel-Test gegen Coventry City zwei verschiedene Gesichter gezeigt. Trainer Ole Werner wird deutlich.
Coventry – Die Zeit drängte, schnell wollte der Tross des SV Werder Bremen zum Flughafen – schließlich stand noch am Samstagabend die Rückreise vom Trip nach England an. Beim Zweitligisten Coventry City erlebte der Bundesligist einen Doppeltest mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern. Am Morgen setzte es für eine Bremer B-Elf eine enttäuschende 0:4 (0:3)-Pleite, während der nachmittäglichen 90 Minuten sprang ein 2:1 (1:1)-Erfolg heraus. Folglich zog Cheftrainer Ole Werner ein differenziertes Fazit – und sparte nicht mit Kritik an den Protagonisten der Frühschicht.
Ole Werner kritisiert Leistung im ersten Testspiel des SV Werder Bremen gegen Coventry City, lobt aber die zweite Vorstellung
„Mit dem ersten Spiel war ich sehr unzufrieden. Wir haben eine viel zu hohe Fehlerquote gehabt“, monierte der 36-Jährige. „Wenn man ehrlich ist, haben wir uns drei der vier Tore selbst reingeschossen.“ Bereits nach 28 Minuten stand es deshalb 0:3 aus Sicht des SV Werder Bremen, ein echtes Debakel drohte. Beide Clubs hatten nicht in ihren ersten Anzug ins Rennen geschickt, bei den Gästen standen dennoch potenzielle Startelfkandidaten wie Justin Njinmah, Leonardo Bittencourt, Olivier Deman oder Skelly Alvero neben Talenten wie Isak Hansen-Aaröen oder Julian Malatini auf dem Rasen. Auch einige Nachwuchskräfte füllten die Mannschaft auf. „Wir werden morgen beide Spiele analysieren“, kündigte Ole Werner an. „Im ersten Spiel gab es als Gruppe auch Dinge, die vernünftig waren, aber von der Qualität her hat es bei dem einen oder anderen nicht gereicht. Das ist eine Erkenntnis, und das werden wir deutlich ansprechen.“ Werders Leiter Profifußball Peter Niemeyer betonte ebenfalls: „Wir sind sehr fehleranfällig gewesen, was eiskalt bestraft wurde. Wir haben viel zu unsauber gespielt, das war nicht zufriedenstellend.“
Umso glücklicher waren die Verantwortlichen mit der Darbietung am Nachmittag. Coventry City startet bereits in der kommenden Woche in die neue Championship-Saison, ist also in der Vorbereitung etwas weiter, wie es so schön heißt. Die Bremer fanden aber gut in die Partie, schon nach fünf Minuten traf Keke Topp nach einer Ecke von Marvin Ducksch. Doch danach hakte es etwas im Spiel des Bundesligisten, die Engländer kamen so durch Jack Rudoni zum Ausgleich (29.). Im zweiten Durchgang blieb Werder Bremen aber engagiert und verdiente sich den Sieg nicht zuletzt dank einer wunderschönen Kombination über Keke Topp und Jens Stage, die Ducksch mit dem Tor zum 2:1 krönte (86.). „Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass wir körperlich entsprechend vorbereitet sind – auch wenn die Fehlerquote sicherlich im Spiel mit dem Ball einen Tick zu hoch war. So wie auch beim zwischenzeitlichen Ausgleich“, bilanzierte Ole Werner. „Es war trotzdem zu erkennen, dass die Dinge funktionieren, wenn wir sie mit der richtigen Intensität auf den Platz bringen.“
Nach durchwachsenen Testspielen: Werder Bremen hat noch viel Arbeit vor sich
Genau dieses Engagement hatte in den vergangenen Wochen mitunter in den Testspielen gefehlt. Lediglich gegen den Oberliga-Aufsteiger FC Verden 04 (2:0) war deshalb zum Einstand gewonnen worden, ansonsten offenbarten die Partie gegen US Lecce (0:3) ebenso wie der XXL-Test gegen Sheffield Wednesday (2:2) einige Defizite. Da drohte nach dem 0:4 vom Morgen Ungemach. Doch es kam anders, Werder Bremen tat mit dem folgenden 2:1 auch etwas für das eigene Wohlbefinden – da war sich zumindest Peter Niemeyer ganz sicher: „Wir haben gut dagegengehalten, hintenraus sind uns vielleicht ein wenig die Körner flöten gegangen. Aber für die Moral war es super, dass wir das Tor noch geschossen haben. Das war für das Gefühl der Mannschaft unheimlich wichtig.“
Zwei Wochen sind es jetzt noch, bis der erste Ernstfall der neuen Saison für den SV Werder Bremen ansteht. In der Auftaktrunde des DFB-Pokals muss Drittligist Energie Cottbus aus dem Weg geräumt werden (19. August, 18 Uhr). Die Generalprobe dafür steht am kommenden Samstag an, wenn erneut in den Flieger gestiegen und zweimal beim französischen Erstligisten Stade Rennes (11 und 17 Uhr) getestet wird. Das jetzige gute Resultat im zweiten Duell in Coventry taugt da als nette Zwischenstation – mehr aber auch nicht. „Also, dass wir nicht arbeitslos sind und noch eine Menge Arbeit vor uns haben, ist keine Frage“, hob Peter Niemeyer hervor. „Aber für diesen Zeitpunkt ist das völlig okay. Ich glaube, dass uns die jetzigen Spiele über 90 Minuten guttaten und dass uns nächste Woche die jeweiligen 90 Minuten auch noch einmal guttun werden. Wir werden definitiv gute Schlüsse aus beiden Spielen ziehen können.“ (mbü)