Werner über aktuelle Fußball-Regeln
Lob und Kritik am Bundesliga-Regelwerk: Warum Werder-Trainer Werner den VAR gerne abschaffen und wie er die Handspiel-Regel verändern würde
Vor zweieinhalb Wochen hatte Ole Werner erst gegen den Videobeweis in der Fußball-Bundesliga geschossen. Jetzt erklärt der Trainer des SV Werder Bremen, was ihn an der aktuellen Regelauslegung stört.
Bremen – Als Ole Werner zum Wochenstart bei einem regionalen Trainer-Kongress des Bunds Deutscher Fußball-Lehrer im Weserstadion zu Gast ist, wird der Trainer des SV Werder Bremen auch nach seiner Meinung zu einigen kontrovers diskutierten Regelungen und Praktiken im Bundesliga-Fußball befragt. Der derzeit jüngste Coach im deutschen Oberhaus über...
„Nicht wirklich gerechter geworden“: Was Werder Bremens Trainer Ole Werner am Videobeweis (VAR) kritisiert
... den Videobeweis:
„Das ist ein schwieriges Thema, dazu gibt es 1000 Meinungen“, beginnt der 36-Jährige seine Ausführungen, um dann klarzustellen: „Am Ende ist es so, dass für meinen Begriff durch den VAR das Spiel nicht wirklich gerechter geworden ist.“ Warum? „Weil nach wie vor die Frage offenbleibt, wie man gewisse Dinge auslegt, was man sich anguckt und wie dann diese Bilder interpretiert werden.“ Der Trainer des SV Werder Bremen würde daher liebend gerne auf den Videobeweis verzichten, weil für ihn Fehler zum Fußball dazugehören. „Ich kann besser damit leben, wenn Fehlentscheidungen getroffen werden. Dann ist es einfach so“, findet Ole Werner, der betont: „Jeder von uns macht Fehler. Ich mache das jeden Tag bei meiner Arbeit, die Spieler genauso. Schiedsrichter machen auch Fehler.“
Deshalb könne er besser verschmerzen, wenn ein Schiedsrichtergespann mal eine Abseitsentscheidung nicht richtig einschätze, „als wenn man das Gefühl hat, dass da zwei Minuten lang eine Linie angelegt wird. Und dann ist es am Ende immer noch falsch, weil die Linie falsch angelegt wurde.“ Wie womöglich beim jüngsten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (2:2) als Gladbachs Robin Hack bei seinem Führungstreffer mutmaßlich im Abseits gestanden hatte, der Treffer aber trotzdem anerkannt wurde. Hoffnungen auf eine Abschaffung des Videobeweises macht sich der Coach des SV Werder Bremen aber nicht. Ole Werner: „Das werden wir wohl nicht mehr zurückdrehen, es wird wahrscheinlich dabei bleiben.“ Dass es aber auch mit dem VAR funktionieren könne, zeige ein Blick auf die internationalen Turniere: „Da funktioniert es häufig besser, die Entscheidungen werden schneller getroffen, mit geringerer Fehlerquote.“
Absichtliches Handspiel oder nicht? Werder Bremens Trainer Ole Werner sieht aktuelle Regelauslegung kritisch
... die Handspiel-Regelung:
Bei der wohl am meisten diskutierten Regel im Profifußball wünscht sich Ole Werner wie viele andere Protagonisten vor allem eines: „Möglichst viel Klarheit.“ Das sei aktuell kaum möglich, „weil die Regel eben so ist, dass sie viel Interpretationsspielraum lässt.“ Werners Verbesserungsansatz: „Ich finde, man fährt immer noch am besten mit dem Kriterium Absicht oder nicht Absicht. In neun von zehn Fällen erkennt man als jemand, der Fußball gespielt hat, ganz egal, auf welchem Niveau, ob es ein absichtliches Handspiel ist oder nicht, würde ich behaupten.“ Bei einer entsprechenden Regeländerung gäbe es somit „weniger Ungerechtigkeiten und unterschiedliche Auslegungen“.
Fünf statt drei Wechsel: Werder Bremens Ole Werner erklärt, warum er diese Regelung gut findet
... die aktuelle Wechsel-Regelung (fünf statt drei Auswechselungen):
Seit der Corona-Zeit haben Fußballtrainer im Laufe des Spiels die Möglichkeit, fünf statt der bis dahin erlaubten drei Wechsel vorzunehmen. Die fünf Wechsel dürfen sich jedoch maximal auf drei Slots verteilen. Entstanden war die Regel ursprünglich, weil der während der Corona-Pandemie zum Erliegen gekommene Spielbetrieb in der Bundesliga schnellstmöglich wieder aufgenommen werden sollte. „Damals wurde gesagt, dass wir schnell wieder spielen müssen, aber die Spieler sind nicht im entsprechenden Fitnesszustand gewesen“, erinnert sich Ole Werner. Deshalb sei man von mehr Verletzungen ausgegangen und zu dem Schluss gekommen: „Wir brauchen mehr Wechsel.“ Bestand hat die Regel bis heute. Und das gefällt dem Trainer des SV Werder Bremen sehr: „Ich glaube, insgesamt macht es das Spiel schneller, spannender und variabler, weil mit zwei zusätzlichen Auswechslungen zwei zusätzliche, frische Spieler auf den Platz kommen können, die entsprechend noch mal eine andere Intensität haben als jemand, der vielleicht schon 50, 60 oder 70 Minuten gelaufen ist.“
Zudem würden die taktischen Möglichkeiten erhöht. Ein Vorteil? „Das ist sicherlich eine taktische Waffe“, sagt Ole Werner, fügt jedoch schmunzelnd an: „Das Blöde ist nur, dass sie beide Seiten haben. Insofern ist die Frage, wer sie besser für sich nutzt.“ Grundsätzlich habe die Wechsel-Regel dazu geführt, dass man sich als Coach nochmal mehr taktische Gedanken mache, „weil du auch einfach mal einen Spieler mit in den Kader nehmen und einwechseln kannst, der vielleicht nur in einer einzigen Spielsituation hilft, der sonst gar nicht im Aufgebot wäre“, erklärt Werner. „Dann hast du vielleicht einen auf der Bank, der für einen langen Einwurf am Ende dabei ist, in einer Situation, wo du unbedingt ein Tor brauchst.“ Zudem könne ein Trainer mehr Spieler am Spiel beteiligen, was erfreulich sei. Für den Coach des SV Werder Bremen ist die aktuelle Wechsel-Regelung daher als „ausschließlich positiv“ zu bewerten. (mwi)