Knapper Werder-Heimsieg
So langsam fügen sich die Neuzugänge ein: Werders Sieg gegen Köln in der Taktik-Analyse
Auf das 2:4 in Heidenheim folgt ein 2:1-Erfolg gegen den 1. FC Köln. Trainer Ole Werner vertraut den Neuzugängen. Diese fügen sich auch taktisch so langsam ein, meint DeichStube-Kolumnist Tobias Escher in seiner Taktik-Analyse. Vor allem dem Sturmduo Ducksch-Borré traut er Großes zu.
Niclas Füllkrug steht nicht länger in Diensten des SV Werder Bremen, Trainer Ole Werner sucht einen Nachfolger. In den drei Spielen seit Füllkrugs Wechsel testete Werders Coach drei unterschiedliche Sturmduos. Gegen den 1. FC Köln feierte Leihspieler Rafael Borré sein Startelf-Debüt. Der Kolumbianer deutete bereits an, dass er eine gute Ergänzung zu seinem Sturmpartner Marvin Ducksch sein kann. Doch seine Mitspieler müssen noch begreifen, dass im Angriff ein klarer Zielspieler fehlt.
Werder Bremens Heimsieg gegen den 1. FC Köln in der Taktik-Analyse: Bremer Manndeckung gegen Kölns 4-2-3-1-System
Ole Werner überraschte: Gleich drei Neuzugänge standen in der Startelf. Taktisch veränderte der 35-Jährige aber nichts: Werder Bremen verteidigte gegen den 1. FC Köln im gewohnten 5-3-2-System. Borré begann als Sturmpartner von Ducksch, Senne Lynen gliederte sich auf der Sechs ein und Olivier Deman lief als Linksverteidiger auf.
Steffen Baumgart, Trainer des 1. FC Köln, ist bekannt für seine Leidenschaft. Er lebt den Spielern an der Seitenlinie vor, wie sie spielen sollen: druckvoll, aggressiv, nach vorne gerichtet. Die Kölner begannen im 4-2-3-1-System dann auch mit einem mutigen Pressing: Die beiden Außenstürmer rückten weit vor, um zusammen mit Stürmer Davie Selke die Dreierkette des SV Werder Bremen anzulaufen.
Werder begann die Partie etwas abwartender. Werders Spieler deckten – wie unter Ole Werner üblich – ihre Gegenspieler eng. Vor allem im Mittelfeld setzte Werder auf Manndeckung. Kölns Sechser Florian Kainz sah sich einer engen Deckung ausgesetzt. Die Kölner Verteidiger ließ Werder Bremen in dieser Phase hingegen unbehelligt, sie durften sich gegenseitig die Bälle zuschieben. So kam der 1. FC Köln in der Anfangsviertelstunde auf 60 Prozent Ballbesitz.
Werder Bremen gegen den 1. FC Köln in der Taktik-Analyse: Werders lange Bälle ohne Abnehmer
Die Kölner griffen vornehmlich über die linke Seite an. Kainz bewegte sich immer wieder hierher, um Linksaußen Linton Maina zu unterstützen. Der Flügelflitzer des 1. FC Köln suchte den Raum hinter Werder Bremens Außenverteidiger Mitchell Weiser. Mehrfach setzte er zu gefährlichen Dribblings an und leitete die ersten Kölner Chancen ein.
Werder Bremen brauchte dagegen etwas, um ins Spiel zu finden. Weiser hielt sich fortan merklich zurück; seine sonst so häufigen Ausflüge in die gegnerische Hälfte unternahm er gegen den 1. FC Köln nur selten. So bekam Werder den eigenen rechten Flügel besser geschlossen. Nach vorne brachte Werder in der Anfangsphase jedoch wenig zustande. Gegen Kölns aggressives Pressing ging die Abwehrkette auf Sicherheit. Sie wählte häufig den hohen Ball, um zu klären.
Allerdings ist die Art der langen Bälle, die die Verteidiger des SV Werder Bremen spielen, noch stark an Ex-Stürmer Füllkrug ausgerichtet. Anstatt den Ball lang auf die Flügel oder hinter die gegnerische Abwehr zu spielen, flogen die Bälle gegen den 1. FC Köln hoch in den Zehnerraum. Diese hohen Bälle, die fast senkrecht auf den Mittelstürmer herunterfallen, sind Füllkrugs Spezialität. Die Verarbeitung solcher Bälle gehört jedoch nicht zu den Stärken von Ducksch oder Borré.
Werder Bremen gegen den 1. FC Köln in der Taktik-Analyse: Werder findet Räume im Zentrum
„Stolz auf die Mannschaft“: Die Stimmen zu Werder Bremens Heimsieg gegen den 1. FC Köln!
Erst nach Kölns Treffer zum 1:0 – Selke traf nach einer Ecke (31.) – fand Werder Bremen auch offensiv ins Spiel. Die Bremer spielten fortan mit mehr Risiko den Ball zwischen die gegnerischen Linien. Diese Pässe schienen zum Matchplan zu gehören: Werder lockte mit kurzen Kombinationen die Doppelsechs des 1. FC Köln heraus. Anschließend folgte der Pass zwischen die gegnerische Abwehr- und Mittelfeldreihe. Romano Schmid und Marvin Ducksch boten sich für diese Zuspiele an. Beim Bremer Ausgleichstreffer durch Rafael Borré ging dieser Plan auf (38.).
Werders Ausgleichstor gegen den 1. FC Köln unterstrich, dass sich das Sturmduo Ducksch-Borré durchaus ergänzt – nur in anderer Form als das Duo Ducksch-Füllkrug. Ducksch ließ sich vor dem Treffer fallen, während Borré die Tiefe suchte. In diesen Tiefenläufen liegt die große Stärke des von Frankfurt ausgeliehenen Torjägers. Mit hohen Flanken oder langen Bällen kann das Duo Ducksch-Borré hingegen wenig anfangen.
Werder Bremen gegen den 1. FC Köln in der Taktik-Analyse: Werders Druck nach der Pause zahlt sich aus
In der Halbzeitpause schien Werder Bremen sich geschworen zu haben, den Druck zu erhöhen. Sie verteidigten nun wesentlich aktiver als in Halbzeit eins: Die Stürmer liefen die Innenverteidiger des 1. FC Köln an, auch Werders Außenverteidiger rückten weit nach vorne. Werder provozierte zwar nur selten Fehlpässe der Kölner, unter Druck griffen die gegnerischen Innenverteidiger jedoch auf lange Bälle zurück. Die Bremer Verteidiger mussten diese nur abfangen.
Werder Bremen dominierte die Partie gegen den 1. FC Köln in dieser Phase. Offensiv hielten die Grün-Weißen am Plan der ersten Halbzeit fest: Sie lockten Kölns Doppelsechs heraus und bespielten anschließend die Lücke vor Kölns Abwehr. Der eingewechselte Justin Njinmah erwies sich als Dosenöffner: Sein Treffer zum 2:1 erinnerte im Aufbau stark an den Ausgleichstreffer aus der ersten Halbzeit (67.). Der Unterschied: Diesmal besetzte Lynen den Raum vor Kölns Abwehr und spielte den entscheidenden Pass.
Werder Bremen gegen den 1. FC Köln in der Taktik-Analyse: Ole Werners Ideen gehen auf
Der 1. FC Köln stemmte sich in der Schlussviertelstunde gegen die drohende Niederlage. Steffen Baumgart schmiss sämtliche Offensivspieler auf das Feld, die Kölns Bank hergab. Doch selbst im enorm offensiven 4-1-3-2-System gelang es den Kölnern nicht, Chancen gegen den SV Werder Bremen herauszuspielen.
Den Bremern fehlte es in dieser Phase dennoch an offensiver Entlastung. Die hohen Bälle, die die Verteidiger des SV Werder Bremen unter Druck schlugen, fanden keinen Abnehmer. Edeljoker Naby Keita musste seinen Mitspielern zeigen, wie man einen derart offensiven Gegner knackt: Mit kurzen Dribblings ließ er seinen Gegenspieler aussteigen und fand ausschließlich jede Menge freien Raum vor sich. Er verpasste jedoch den Treffer zum 3:1.
Dennoch kann Werder Bremen auf eine gelungene Leistung zurückblicken. Die Neuzugänge fügen sich langsam, aber sicher auch taktisch ein. Das Sturmduo Ducksch-Borré deutete seine Klasse an. Nun müssen die Mitspieler nur noch verstehen, dass diese Angreifer andere Pässe benötigen, als Top-Torjäger Füllkrug.
