Erstes Interview von Burke in Deutschland

„Ich liebe jeden Moment, den ich hier habe“: Oliver Burke über seine wechselhafte Zeit bei Werder, die Rolle im Team und Heimatgefühle in Bremen

Werder Bremens Oliver Burke (re.) im ausführlichen DeichStube-Interview.
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Werder Bremens Oliver Burke (re.) im ausführlichen DeichStube-Interview.

Ob Oliver Burke da schon eine Vorahnung hatte? Der Matchwinner des SV Werder Bremen gegen Holstein Kiel hat Anfang November im Exklusivinterview mit der DeichStube schon über seine wechselhafte Zeit an der Weser gesprochen - und dabei von Fans, Club und Mitspielern geschwärmt.

Bremen – Bestens gelaunt erscheint Oliver Burke zum Interview-Termin – dem ersten überhaupt in Deutschland seit seinem Wechsel zum SV Werder Bremen vor zwei Jahren. Der 27-jährige Stürmer hat eine wechselhafte Zeit an der Weser erlebt: Mal war er der Held, dann wurde er nicht gebraucht und verliehen, sollte sogar schon gänzlich abgegeben werden. Im Gespräch mit der DeichStube blickt Burke auf Höhen und Tiefen zurück, skizziert seine Rolle in der Mannschaft und verrät, warum er aktuell rundum glücklich in Bremen ist.

Werder Bremens Oliver Burke im Interview: „Weiß die Liebe der Fans wirklich sehr zu schätzen“

Welcher Spitzname gefällt Ihnen eigentlich am besten: Sind Sie eher „Burkules“ oder „Der Schotte mit dem Bart“?
(lacht und wiederholt auf Deutsch) Der Schotte mit dem Bart. Ich habe davon am Anfang ganz lange nichts gewusst und dann erst verstanden, dass es um mich und meinen Bart geht. Das ist cool, mir gefällt es. Hier im Team nennt mich aber ja jeder Burkey, ganz selten auch Burkules.

Können Sie sich diese Zuneigung der Werder-Fans erklären? Sie haben schließlich nur 23, meist sehr kurze Einsätze für Werder gehabt?
Ich kann das auch nicht so genau erklären, weiß die Liebe der Fans aber wirklich sehr zu schätzen. Es kommt wahrscheinlich von den Höhepunkten, die es gab, ganz besonders natürlich das Tor gegen Dortmund. Das war ein ganz spezieller Tag für alle, die dabei waren oder das erlebt haben.

Wie oft denken Sie noch an diesen Treffer zurück?
Das tue ich immer wieder, es war eines der Highlights meiner Karriere. Allein schon das Werder-Trikot auf solch einer besonderen Bühne getragen zu haben, war fantastisch.

Ist es vielleicht sogar DER Höhepunkt Ihrer Karriere gewesen?
Ja, um ehrlich zu sein, war das der Höhepunkt. Debüts sind auch besonders, genauso wie Erlebnisse als Kind oder sonstige Erfolge – aber ein Tor in so einem großen Spiel zu erzielen, ist wirklich unglaublich.

Oliver Burke spricht im Interview über seine harten Zeiten bei Werder Bremen

Was lief danach schief?
Das ist eben Fußball, da gibt es immer Höhen und auch Tiefen. Alles, was ich will, ist Fußball spielen – und als ich dann nicht so viel gespielt habe, war ich vielleicht ungeduldiger als ich es hätte sein sollen. 

Sind solche Tiefen hart zu akzeptieren?
Es ist halt Teil der Reise, meiner Reise. Jeder Spieler hat einen eigenen Weg, den er geht – und das ist eben meiner. Es gibt da nichts, was ich großartig bedauere, es gehört einfach zu meiner Karriere.

Sie galten im Sommer – nicht zum ersten Mal in Ihrer Werder-Zeit – als Wechselkandidat. Wie überrascht sind Sie selbst, dass Sie im November 2024 noch immer in Bremen sind?
Ich hatte immer in meinem Kopf, hier zu sein. Ich liebe jeden Moment, den ich hier habe und mit meinen Teamkollegen verbringen kann. Ich verspüre eine große Liebe für sie, den Staff und jeden anderen im Verein. Wir haben da eine ganz tolle Beziehung. Dieser Club ist deshalb ein ganz spezieller Ort für mich – nicht viele Menschen erkennen das sofort, aber es ist wirklich so.

Und weiter?
Sicherlich gab es Augenblicke, die nicht so gelaufen sind, wie ich mir das vorgestellt habe, aber du musst irgendwann einfach verstehen, dass dies nun einmal der Verein ist, für den du spielst. Und dass du hart dafür arbeiten musst, dass genau das auch klappt. Ich möchte jedem beweisen, dass ich das kann. Der Fußball ist schnelllebig, du kannst Dinge verändern. Ich bin sehr glücklich, hier zu sein und genieße es, jeden Tag in Bremen aufzuwachen und bei diesem Club zu spielen. Das war genau das, was ich von der ersten Minute an nach dem Ende der letzten Leihe machen wollte. Ich kann mir aber vorstellen, dass es Leute gibt, die überrascht waren, dass ich geblieben bin.

Oliver Burke spricht im Interview mit der DeichStube offen über seine Zukunft bei Werder Bremen

Waren Ihre Leihen nach Millwall und Birmingham, bei denen es nicht wirklich gut lief, rückblickend ein Fehler?
Ich mag es nicht, über gewisse Dinge zu sagen, dass sie ein Fehler waren. Wie ich schon gesagt habe: Diese Stationen sind Teil meiner Reise. Es gibt immer „Vielleichts“, aber ich mag es nicht, zu sehr in die Vergangenheit zu schauen. Ich schaue lieber nach vorne und ärgere mich nicht über das, was war. Man schließt das eine Buch, öffnet ein neues und widmet sich dem Kapitel in diesem Jahr.

Ihr Vertrag endet im kommenden Sommer. Für wie realistisch halten Sie es, auch in der Saison 2025/26 noch ein Teil des SV Werder Bremen zu sein?
Wer weiß das schon? Solche Dinge kann man nie vorhersagen. Ich kann nur sagen: Ich liebe es, hier zu sein und hatte viele schöne Momente auf, aber auch neben dem Platz. Mein Sohn Landon ist kürzlich hier in Bremen geboren worden, jetzt ist die Stadt ein noch viel speziellerer Ort für mich und diese Tatsache ist auch ein Grund, weshalb ich unbedingt möchte, dass es hier funktioniert. Ich habe zudem eine gute Beziehung zu meinen Teamkollegen. All das hilft dabei, um besser zu performen. Da kann man viele Spieler fragen: Wenn man ein gutes Gefühl an dem Ort hat, an dem man ist, dann fördert das das Beste von dir zutage. Ich fühle, dass genau hier meine beste Art Fußball zu spielen, herauskommen kann.

Als Sie 2022 zu Werder gewechselt sind, haben Sie betont, dass Sie nach den vielen Wechseln in Ihrer Karriere endlich sesshaft werden wollen. Ein Zuhause suchen. Ist Bremen diese Heimat?
Ich möchte, dass sie das ist. Aber es ist eben mein letztes Vertragsjahr, da kann alles passieren. Es liegt an mir, meine Argumente dafür auf dem Platz zu zeigen und meine Chancen zu nutzen, wenn ich sie bekomme.

Gibt es Signale, die Sie diesbezüglich von Trainer Ole Werner, Peter Niemeyer (Werders Leiter Profifußballs) oder Sportchef Clemens Fritz erhalten haben?
Sie haben mir gesagt, dass ich jeden Tag hart weiterarbeiten und geduldig bleiben soll, dann werden meine Gelegenheiten kommen. Ich will dieses Positive beibehalten, denn das hilft auch der ganzen Mannschaft. Wenn du gut trainierst, pusht das alle anderen auch und sorgt für eine erfolgreichere Saison.

Werder Bremens Oliver Burke verrät im DeichStube-Interview, in welcher Rolle er sich am wohlsten fühlt

Ihre sportliche Perspektive ist dennoch nicht die beste, Sie sind in der Jokerrolle und der Trainer bevorzugt eigentlich andere Spieler. Ist es da schwierig, sich immer wieder neu zu motivieren?
Nein. Ich habe nämlich das Gefühl, dass diese Rolle genau die richtige für mich ist. Ich habe schon in der Vergangenheit bewiesen, dass ich einen Einfluss auf ein Spiel haben kann, wenn ich reinkomme. Jeder weiß das hier. Darauf fokussiere ich mich. Ich bin zu 100 Prozent bereit, wenn ich gebraucht werde. Es passiert so viel innerhalb eines Spiels, gegnerische Defensiven öffnen sich in Schlussphasen nochmal. Das ist perfekt für mein Spiel.

Vor einem Jahr waren Sie im Zillertal-Trainingslager plötzlich als Rechtsverteidiger unterwegs. Haben Sie da nicht gedacht, dass Sie völlig im falschen Film sind?
Ja, das war speziell. Als Fußballer ist es sicherlich gut, sich auf verschiedenen Positionen anpassen zu können, aber ich bin natürlich lieber in der Offensive, dort sehe ich mich als effektiver an. Aber am Ende bin ich froh, zu spielen, wo immer mich der Trainer aufstellt. Du nimmst jede Chance, die du bekommen kannst.

Aber haben Sie sich nicht gefragt, was Ole Werner da jetzt mit Ihnen macht?
Nein, so denkt man als Spieler nicht. Es gibt für alles einen Grund, immer wieder werden neue Dinge ausprobiert. Er wollte halt einfach sehen, wie es mit mir dort klappt.

Trotz schwieriger Zeiten: Oliver Burke erzählt im Interview, dass er sehr glücklich bei Werder Bremen ist

Und dann gab es sogar Momente, in denen Sie in Trainingsspielen nicht mitmachen durften, sondern einfach nur zuschauen mussten. Das muss doch unheimlich hart sein.
Natürlich ist das schwierig. Aber ich hatte immer in meinem Kopf, dass ich weiter hart arbeiten und Druck machen muss – in der Hoffnung, dass gesehen wird, dass es hier einen Platz für mich gibt. Im Fußball wird dir nichts geschenkt, du musst dir alles erarbeiten. Mein Weg hat keinen leichten Verlauf. Aber ich habe ein wirklich klares Mindset jetzt und bin sehr glücklich. All die Zeit, die ich zuschauen musste, kannst du auch als Bestimmung dafür sehen, dass ich realisieren musste, endlich aufzuwachen.

Wie sieht es inzwischen eigentlich mit Ihren Deutsch-Kenntnissen aus?
Mein Deutsch ist noch nicht so gut. Meine Teamkollegen finden es jedenfalls immer lustig, wenn ich ein bisschen spreche, aber es nicht so klingt, wie es eigentlich sollte (lacht). Ich verstehe die meisten Leute hier inzwischen ganz gut, aber zum Glück spricht auch jeder Englisch hier.

Wir hatten in den vergangenen zwei Jahren nicht allzu viele Gelegenheiten, mit Ihnen zu sprechen. Es ist überhaupt Ihr erstes großes Interview in Deutschland. Haben wir einfach zu selten nachgefragt oder wollten Sie nicht reden?
(lächelt) Das weiß ich auch nicht genau. Manchmal mag ich es einfach nicht, zu viel zu reden, sondern will mich lieber auf den Fußball konzentrieren. Ich spreche lieber, wenn die Zeit dafür die richtige ist. So wie jetzt.

Und wann ist die Zeit für das nächste Tor von Oliver Burke?
Das ist ein Moment, den ich wirklich herbeisehne. Ich hoffe, dass es bald passiert. Dafür gebe ich alles. (mbü)

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