Hildebrands Gedanken über Plogmanns Debüt
Pavlenka lacht schon wieder
Bremen - Jiri Pavlenka sieht aus, als ob nichts gewesen wäre – und der Tscheche ist gut gelaunt, als er am Montagvormittag vom Weserstadion zum Parkplatz geht.
„Alles ist gut“, sagt er noch schnell und setzt sein schüchternes Lächeln auf, bevor er in sein Auto steigt und davonfährt. In diesem kurzen Moment deutet nichts daraufhin, dass der Keeper, der beim 2:1-Sieg in Frankfurt eine Gehirnerschütterung davongetragen hatte, dem SV Werder tatsächlich länger fehlen wird.
Aber Vorsicht! Mit einer Gehirnerschütterung ist erstens nicht zu scherzen, und zweitens weiß man nie, wie sie sich entwickelt. Siehe Thomas Delaney im Februar 2017, siehe Theodor Gebre Selassie im Herbst 2015. Pause bei ihnen: jeweils 14 Tage.
Braucht auch Pavlenka so lange, wird er das Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg am Sonntag, 16. September, verpassen. Geht es schneller und Pavlenka kann Tage vor dem Spiel schon trainieren und dann auch auflaufen, hat Werder ein Problem weniger. Doch noch mag Sportchef Frank Baumann nicht einmal hoffen. „Es ist richtig, dass sich Jiri soweit gut fühlt. Aber mit einer Gehirnerschütterung muss man sehr sensibel umgehen. Wir werden kein Risiko bei ihm eingehen.“
Erstmal stehen sowieso weitere Untersuchungen in Bremen an, danach könne man vielleicht schon eher einschätzen, wie lange Pavlenka tatsächlich nicht zur Verfügung stehen wird, so Baumann.
Bundesliga-Debüt für Plogmann
Nach der Auswechslung des Schlussmanns in Frankfurt war Luca Plogmann zu seinem Bundesliga-Debüt gekommen. Falls Pavlenka nicht rechtzeitig gesund wird, wäre der 18-Jährige auch gegen Nürnberg erste Wahl – aber nicht die einzige Auswahl. Auch Jaroslav Drobny (39) ist wieder einsatzbereit, aber noch ohne Spielpraxis in dieser Saison. Deshalb soll er auch in den Testspielen morgen in Leer und Samstag in Cloppenburg seine Einsatzzeit bekommen, um für den Fall der Fälle ein bisschen besser gerüstet zu sein.
Plogmann freut sich derweil, dass er schon mit 18 Jahren seine Bundesliga-Premiere gefeiert hat. Damit hat er gleich zwei Rekorde aufgestellt: Er ist der jüngste Bremer Bundesliga-Torhüter aller Zeiten und der erste Bundesliga-Keeper, der im neuen Jahrtausend geboren wurde. „Ich bin sehr stolz, mein erstes Spiel für die Werder-Profis gemacht zu haben“, sagt der gebürtige Bremer bei „werder.de“: „Mein ganzes Leben habe ich davon geträumt.“
„Ich will nicht wissen, wie groß der Kackstift war“
Wobei der Moment, in dem der Traum dann auch in Erfüllung geht, ein ganz besonderer ist. Timo Hildebrand, langjähriger Keeper des VfB Stuttgart und ehemaliger Nationalspieler, hat sich darüber im Online-Magazin „Fums“ Gedanken gemacht. „Ich will nicht wissen, wie groß der Kackstift von Plogmann war, als Pavlenka auf dem Boden lag. Dieses Gefühl, wenn du weißt, dass du gleich deine ersten Bundesligaminuten spielen wirst, ist unglaublich“, erzählt der 39-Jährige: „Du bist einfach nur heiß drauf und willst auf den Rasen. Dass das der Beginn einer großen Karriere sein kann, dass du vielleicht in ein paar Jahren Stammtorwart bist oder eventuell sogar international spielst – all die Hoffnungen, all diese Gedanken, die man sich zuhause auf der Couch macht, sind in diesem Moment völlig egal.“
Zumal Plogmann als erste Amtshandlung einen Elfmeter zu halten hatte. Was nicht gelang. Dass dennoch am Ende der Bremer Sieg stand, wird auch dem Teenie-Torwart geholfen haben, meint Baumann: „Er hat zwar nichts zu halten bekommen, aber er hat jetzt ganz bestimmt ein gutes Gefühl und muss sich nicht verrückt machen.“
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