Werder-Neuzugang überzeugt
Plötzlich eine zentrale Figur bei Werder: Marco Grüll ist Bremer Lichtblick im Januar
Der SV Werder Bremen hat mit drei sieglosen Spielen einen Fehlstart ins Jahr 2025 hingelegt: Warum Marco Grüll so etwas wie ein Bremer Lichtblick im noch recht tristen Januar ist!
Bremen – Zwei Tore erzielt, dazu eines vorbereitet – mit dieser Ausbeute ist Marco Grüll nach drei Partien der bisherige Topscorer des SV Werder Bremen im Kalenderjahr 2025. Zugegeben: Statistisch ist das nicht viel mehr als eine Randnotiz. Und doch sagt sie etwas aus – nämlich, dass Österreicher inzwischen voll angekommen ist am Osterdeich. Nachdem er das vergangene Jahr mit einem Doppelpack gegen Union Berlin beendet hatte, legte er im neuen gegen Heidenheim direkt den nächsten nach. Wenn man so will, ist Grüll derzeit so etwas wie ein Bremer Lichtblick nach doch recht tristen Januar-Wochen. Wohl nicht zuletzt deshalb schickte der Verein ausgerechnet ihn am Mittwoch ins wöchentliche Spieler-Journalisten-Gespräch. „Grundsätzlich läuft es für mich persönlich um einiges besser als zu Beginn der Saison. Ich glaube, dass sieht man auch, wenn ich auf dem Platz stehe“, sagte der Österreicher, der in seiner neuen Rolle als gesetzter Stürmer logischerweise auch vor Werders anstehenden Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) im Fokus steht.
Werder Bremens Marco Grüll über den BVB: „Die Dortmunder sind eine starke Mannschaft mit sehr viel Qualität“
Halb dürfte es klassische Feierabend-Gestaltung, halb Vorbereitung aufs Wochenende gewesen sein: Am Dienstagabend hat sich Marco Grüll jedenfalls den Auftritt von Borussia Dortmund in der Champions League beim FC Bologna angesehen, „ganz gemütlich“, wie er berichtete. Dass zwischen Abpfiff und seinem Pressetermin am Mittwochmittag die Entlassung von BVB-Coach Nuri Sahin lag, war dem Angreifer freilich nicht entgangen. „Die Dortmunder sind eine starke Mannschaft mit sehr viel Qualität, auch wenn sie in den letzten Wochen nicht so gut gespielt haben“, betonte Grüll, der dem Trainerwechsel beim kommenden Gegner kein allzu großes Gewicht beimessen möchte – und fast beiläufig festhielt: „Wir können es ja nicht ändern, was in Dortmund passiert. Deswegen konzentrieren wir uns auf uns.“ Angesichts der jüngsten Ergebnisse – 2:4 in Leipzig, 3:3 gegen Heidenheim und 0:2 gegen Augsburg – haben sie beim SV Werder Bremen damit auch genug zu tun.
„Wir waren in den entscheidenden Aktionen nicht bei 100 Prozent“, sagte Marco Grüll – und schob direkt hinterher: „vorne und hinten“. Jedem einzelnen Spieler müsse nun bewusst sein, dass es so nicht weitergehen kann, dass es wieder besser werden muss. Nur zur Einordnung: Als Appell oder gar kämpferische Ansage gingen Grülls Sätze nicht durch. Dafür ist der 26-Jährige grundsätzlich viel zu zurückhaltend. Aber wer sportlich auffällt, also wichtig ist, muss auch drüber sprechen. „Jetzt müssen wir als Team aus der Situation herauskommen“, sagte der Angreifer des SV Werder Bremen vor dem Spiel bei Borussia Dortmund.
Für ihn persönlich wird es am Samstag übrigens der erste Auftritt im Stadion von Borussia Dortmund, das zweifelsohne eines der imposantesten in Europa ist. Nach der Sahin-Entlassung dürfte die Erwartungshaltung der BVB-Fans nicht eben abnehmen, Ausreden gibt es für die Gastgeber nun schließlich keine mehr. Was wiederum die Aufgabe des SV Werder Bremen nicht einfacher macht. „Ich freue mich auf das Spiel“, betonte Marco Grüll: „Ein Profi, der neu in der Bundesliga ist und aus einer kleineren Liga kommt, fiebert auf so ein Duell hin. Ich kann es kaum erwarten.“ Gegen seinen dann bereits sechsten Saisontreffer vor der Südtribüne hätte er sicherlich nichts einzuwenden. Große Aufmerksamkeit wäre Grüll damit einmal mehr gewiss.
In seiner Heimat Österreich wurden seine jüngsten Leistungen aufmerksam registriert, Kontakt zu Nationalcoach gibt es laut dem Stürmer derzeit aber nicht. „Mein Ziel ist es, gute Leistungen zu bringen und mit Werder Bremen viele Punkte zu holen. Dann kommt alles andere wieder von selbst“, sagte Marco Grüll, der seinen inoffiziellen Titel als aktueller „Werder-Topscorer im Jahr 2025“ gerne noch etwas ausbauen und behalten würde. (dco)