DeichStube-EM-Tagebuch
Auf der Suche nach dem großen Klick: Sieben Tage, drei Spiele, ein Reporter: Das DeichStube-EM-Tagebuch, Teil 7
Bremen - Die Europameisterschaft läuft, eine Woche lang ist auch Werder-Bremen-Reporter Malte Bürger für die DeichStube mittendrin im Geschehen. In seinem EM-Tagebuch gewährt er spannende Einblicke hinter die Kulissen, schildert seine Erlebnisse aus den Stadien und drumherum. Heute: Teil 7.
Es kribbelt. Endlich steht die Deutschland-Partie in Frankfurt gegen die Schweiz an. Und damit das große Finale meines komprimierten EM-Dreierpacks. Ich sah bislang Kylian Mbappé dribbeln und dessen Nase brechen, wacker kämpfende Österreicher samt des eingewechselten Euro-Debütanten und Werder-Profis Romano Schmid gegen Frankreich verlieren. In Hamburg brüllten sich kroatische und albanische Fans die Seele aus dem Leib, auf dem Feld wurde für den neutralen Beobachter beim 2:2 ein spannendes Spektakel geboten. Und jetzt? Kommt hoffentlich das Sahnehäubchen. Als ich mich um eine Akkreditierung bemühte, war noch nicht abzusehen, dass Toni Kroos wieder auf dem Rasen stehen, Bundestrainer Julian Nagelsmann den Kader mächtig umstrukturieren und ausgerechnet „Major Tom“ dem DFB-Team Flügel verleihen würde. Mal sehen, welche Überraschung die Partie also jetzt bereithält.
Werder Bremen-Reporter Malte Bürger für die DeichStube bei der EM: Ein Glücks-Klick als Volltreffer
Apropos Überraschung: Ausgerechnet das viel gescholtene Medien-Portal der Uefa verdient an dieser Stelle ein dickes Lob. Als es am Freitag mal wieder darum ging, sich den exakten Sitzplatz für das heutige Spiel zu sichern, rechnete ich mit dem Schlimmsten – also einer erneut zähen Sitzung. Allzu oft war der Auswahlvorgang in den vergangenen Tagen ins Stocken geraten, von einer Error-Meldung nach der anderen begleitet worden. Und wer sich auf einen Streifzug durch das Internet begab und die aufgeschriebenen Erfahrungen der Journalisten-Kollegen einsammelte, dem fiel schnell auf, dass das eigene Leid kein Einzelfall war. Doch dann plötzlich: Exakt um 9 Uhr eingewählt, auf den Wunschplatz geklickt und direkt zum Zuge gekommen. Beinahe hätte ich mich an meinem Frühstücksbrot verschluckt. Wenn dieser Volltreffer kein Zeichen ist. Wäre doch gelacht, wenn Niclas Füllkrug später am Abend nicht genauso zielsicher gegen die Eidgenossen daherkommt.
Zum Nachlesen: Das DeichStube-EM-Tagebuch, Teil 6: Warum ich ohne meinen Vater wahrscheinlich gar nicht bei dieser EM wäre...!
Werder Bremen-Reporter im DeichStube-EM-Tagebuch: Die nervige Jagd nach dem großen Klick
Aber ich bin ehrlich: Mir geht es gar nicht nur um das reine Spiel. Ich will wieder in die Atmosphäre vor Ort eintauchen. Das ist fast das Schönste an der EM und macht den großen Unterschied aus zum Mitfiebern am heimischen TV-Gerät. Die Fans der anderen Nationen haben bei meinen bisherigen Stadionbesuchen großartig vorgelegt, die deutschen Zuschauer werden sich bei der Europameisterschaft vor der eigenen Haustür garantiert auch nicht lumpen lassen. Okay, das klingt mir jetzt doch ein wenig zu sehr nach EM-Tourist, Event-Fan. Von denen gibt es in diesen Tagen ja leider ziemlich viele. Wer einen Spieler beim Eckball oder Einwurf sieht und die gezückten Smartphones im Hintergrund zählt, dem kann schnell schwindelig werden. Das Handy als neues Abbild der Realität. Das hasse ich schon im Urlaub, wenn Menschen aus aller Herren Länder gar nicht mehr die Schönheit der Natur würdigen, sondern eigentlich nur noch auf den großen Klick aus sind, den sie in den Sozialen Medien oder sonst wo präsentieren können – völlig vergessend, dass die beste Kamera noch immer das eigene Auge samt Hirn dahinter ist. Denn diese Erinnerungen leben ewig. Und so wird es hoffentlich auch nach dem Trip nach Frankfurt sein. Bei mir bin ich mir da jedenfalls ziemlich sicher. (mbü)