Achtelfinal-Niederlage gegen Türkei

„Ich kann da nicht einfach weinen“: Wie Werder-Profi Schmid das bittere EM-Aus mit Österreich verarbeitet

Romano Schmid, Profi des SV Werder Bremen, zeigte sich nach dem EM-Achtelfinal-Aus mit Österreich gegen die Türkei sehr enttäuscht, aber auch stolz und dankbar.
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Romano Schmid, Profi des SV Werder Bremen, zeigte sich nach dem EM-Achtelfinal-Aus mit Österreich gegen die Türkei sehr enttäuscht, aber auch stolz und dankbar.

Nach dem bitteren Achtelfinal-Aus mit Österreich bei der EM ist Romano Schmid von Werder Bremen tief enttäuscht, steht mit seiner Trauerarbeit aber noch ganz am Anfang. So geht er mit dem Erlebten um.

Bremen/Leipzig – Die Blicke waren leer, viele Augen sichtlich gerötet. Ein österreichischer Nationalspieler nach dem anderen trottete am frühen Mittwoch, kurz nach Mitternacht, aus der Kabine in Richtung Mannschaftsbus. Die bittere 1:2-Achtelfinal-Niederlage gegen die Türkei und das damit verbundene EM-Aus in den Beinen und im Kopf. „Wir sind sehr enttäuscht, es ist traurig. Einige von uns haben geweint“, schilderte Freiburg-Stürmer Michael Gregoritsch die Gemütslage des Teams. Romano Schmid, Offensivakteur des SV Werder Bremen, war mit seiner Trauerarbeit noch ganz am Anfang. „Es ist schwer so direkt nach einem Match, ich kann da nicht einfach weinen oder alles einordnen“, erklärte der 24-Jährige bei „Sky Austria“ sichtlich niedergeschlagen in den Leipziger Katakomben. „Dazu brauche ich oft erst ein paar Tage.“

Allzu viel reden wollte der Mittelfeldspieler dann auch nicht mehr. Ein kurzes Interview für die Kameras noch, den Weg zu den schreibenden Journalisten sparte er sich lieber ganz und überließ ihn ein paar seiner Kollegen. Keine Frage, nach dem überraschenden Gruppensieg vor den favorisierten Nationen Frankreich oder Niederlande hatte sich die Alpenrepublik einen komplett anderen weiteren Verlauf des Turniers ausgemalt. Doch gegen die Türkei tat sich die Auswahl nun überraschend schwer, vergab die große Chance auf die Runde der letzten Acht. „Wir haben uns viel mehr vorgenommen. Es tut extrem weh“, gestand Romano Schmid. „Ich glaube auch nicht, dass es extrem verdient war, aber so ist halt leider der Fußball: Wenn du zwei Gegentore bekommst und nur eines schießt, dann hast du halt verloren.“

Romano Schmid und Marco Grüll scheiden mit Österreich bei der EM aus - Werder Bremen fühlt mit

Er selbst hatte zum zweiten Mal in Folge in der Startelf gestanden. Nach seinem Treffer gegen die Niederlande wollte der gebürtige Grazer auch dieses Mal Entscheidendes bewegen. Gewohnt bemüht ging Romano Schmid zu Werke, hatte ein paar gute Aktionen, aber auch ein paar weniger gute. Zu allem Überfluss handelte er sich gegen einen stets auf Konter lauernden Kontrahenten nach einem Foul im ersten Durchgang eine Gelbe Karte ein – weshalb er den zweiten Abschnitt nur noch als Zuschauer erlebte. Und später auf Ursachenforschung für das Ausscheiden ging. „Wir hatten in der ersten Halbzeit nicht so viel Zugriff auf den Ball, trotzdem waren wir insgesamt besser im Spiel und hatten die besseren Torchancen. Leider hat die Chancenverwertung nicht gestimmt, das war der ausschlaggebende Grund“, meinte der Profi des SV Werder Bremen. „Das frühe Gegentor zum 0:1 in der ersten Minute war sicherlich auch ein bisschen ein Schock.“

Und so feierten am Ende die Türken, während Österreich ins Tal der Tränen stürzte. Aus der Ferne fühlte auch Werder-Sportchef Clemens Fritz mit, nicht nur mit Romano Schmid, sondern auch mit dem Neu-Bremer Marco Grüll, der im Laufe der Europameisterschaft vergeblich auf Einsatzzeit wartete. „Es ist extrem bitter. Die Österreicher haben ein starkes Turnier mit einer hervorragenden Gruppenphase gespielt. Natürlich haben sie sich da jetzt mehr erhofft, aber auch die Türkei hat es sehr gut gemacht“, befand der 43-Jährige im Gespräch mit der DeichStube. „Trotzdem ist es für Romano und Marco sehr bedauerlich.“

Werder Bremens Romano Schmid enttäuscht nach EM-Aus, aber auch „stolz und dankbar“ für Teilnahme und Spielzeit

Clemens Fritz musste sich einst selbst von einem brutalen EM-Ende erholen, 2008 war er Teil des deutschen Nationalteams, das im Finale Spanien unterlag. Folglich weiß er, wie lange die Schmerzen des Ausscheidens nachwirken können. „Jeder Spieler ist anders, da gibt es kein allgemeingültiges Rezept. Manchmal dauert es länger, manchmal geht es etwas schneller. Bei mir hat es ein paar Tage gedauert, aber irgendwann wechselst du in den Regenerationsmodus und spürst die neue Energie, damit es wieder losgehen kann“, erinnerte er sich. „Umso wichtiger ist es jetzt für ihn und auch Marco Grüll, in den Urlaub zu gehen und abzuschalten.“ Wie lange der dauern wird und wann die beiden Profis bei Werder Bremen wieder ins Training einsteigen, ist noch offen. „Das werden wir heute in aller Ruhe besprechen“, sagte Fritz am Mittwoch.

Gesichert ist nur: Romano Schmid wird die Auszeit auch für den Nachwuchs nutzen. Erst kürzlich hatte er betont, wie sehr er seine Familie und seinen neugeborenen Sohn vermisse. Nun kann sich der 24-Jährige also erst einmal voll ins Privatleben stürzen, um Versäumtes nachzuholen. Bei der Verarbeitung der sportlichen Erlebnisse kann das sicher nicht schaden. Frust hin oder her. „Wir alle spielen das ganze Jahr Fußball dafür, dass wir am Ende auch im Nationalteam spielen können. Wir geben unter der Saison alles, jeder gibt alles im Training und wahrscheinlich auch außerhalb vom Platz, damit er dabei sein darf“, erklärte Schmid noch. „Dass die Enttäuschung dann jetzt sichtbar ist, das ist doch ganz klar.“ Und doch möchte Werder Bremens Leistungsträger diese EM-Erfahrung nicht missen. „Ich bin stolz und dankbar, dabei gewesen zu sein und so viele Minuten bekommen zu haben“, hob er hervor. „Ich habe coole Momente mit dem Team gefeiert, das wirklich außergewöhnlich ist. Jetzt gab es ein bitteres, zu frühes Ende, aber da müssen wir jetzt als Mannschaft durch und dann demnächst wieder neu angreifen.“ (mbü)

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