Flexibler Zehner mit Tiefgang
Werder-Profi Romano Schmid formuliert eigenes Saisonziel – und hofft, dass Ralf Rangnick Nationalcoach bleibt
Vor dem Auswärtsspiel beim FC Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr) spricht Romano Schmid über die Lage beim SV Werder Bremen, Trainer Ole Werner, sein Saisonziel, die österreichische Nationalmannschaft und ÖFB-Coach Ralf Rangnick.
Bremen – Der Fußball ist mitunter ziemlich bizarr. Soeben wurde noch das Schlimmste für den SV Werder Bremen befürchtet, drei Punkte und einen Sieg gegen Stuttgart später sieht die Fußball-Welt schon wieder ganz anders aus. Mit 34 Zählern stehen die Grün-Weißen aktuell auf Rang elf, das Polster zum Abgrund ist mit sieben Punkten wieder gemütlicher. Und zugleich ist auch das internationale Geschäft, das womöglich dank der guten Ergebnisse der deutschen Topteams schon viel früher als ab Rang sechs erreichbar ist, nur noch fünf, sechs Zähler entfernt. Romano Schmid kann über diese Hektik des Geschäfts nur müde lächeln. „Es ist immer eine Momentaufnahme“, erklärte der Mittelfeldspieler am Mittwoch. „Mein Ziel ist, dass wir in dieser Saison besser abschneiden als letztes Jahr. Da fehlen uns noch ein paar Punkte.“
Werder Bremens Romano Schmid: „Dann ist es für jede Mannschaft schwierig, uns zu schlagen“
Zwei sind es, um genau zu sein. Mit 36 Zählern beendeten die Bremer vor rund elf Monaten die damalige Spielzeit, diese Marke könnte Werder Bremen schon am kommenden Samstag in der Partie beim FC Augsburg (15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) reißen. Darf die Ambition da nicht vielleicht doch etwas größer sein? „Wir sind gut beraten, von Spiel zu Spiel zu schauen“, meinte Romano Schmid in dem Wissen, dass er just eine der abgedroschensten Floskeln überhaupt benutzt hatte. „Ich meine es aber wirklich so.“ Die Erfahrung der jüngeren Vergangenheit hat eben gelehrt, dass an der Weser nicht alles ganz so einfach planbar ist. „Wir wissen, dass wir nur ein Bundesligaspiel gewinnen, wenn wir bei 100 Prozent sind“, betonte der 24-Jährige. „Wenn wir das tun und jeder für jeden alles gibt, dann können wir auch Topmannschaften schlagen und sind selbst eine sehr gute Mannschaft. Es ist schade, dass wir das in den letzten Wochen nicht immer auf den Platz gebracht haben.“
Stattdessen gab es eine Sieglos-Serie von sieben Spielen. Auch aus personellen Gründen, die für allerlei Schwankungen gesorgt haben. Doch dem SV Werder Bremen machen noch andere Faktoren das Leben schwer. „Da kommen viele Dinge zusammen. Die Gegner sind ja auch noch da, wollen 100 Prozent geben und spielen manchmal guten Fußball“, schilderte Schmid. „Wir haben in jedem Spiel richtig gute Phasen – unser größtes Problem ist, dass wir das nicht immer über 90 Minuten auf den Platz bringen. Daran müssen wir arbeiten, denn dann wird es für jede Mannschaft schwierig, uns zu schlagen.“
Romano Schmid über Austausch mit Werder Bremen-Coach Ole Werner: „Er hat mir mitgeteilt, dass ich gute Spiele gemacht habe“
Zuletzt hat das der VfB Stuttgart zu spüren bekommen. Die Schwaben waren als klarer Favorit in die Partie gegangen, bearbeiteten Werder Bremen auch intensiv, doch die Elf von Trainer Ole Werner wehrte sich famos. Und erzielte nach vielen, vielen Wochen auch selbst mal wieder zwei Treffer in einem Spiel. Das zwischenzeitliche 2:0 bereitete dabei Romano Schmid in unnachahmlicher Manier vor, als er erst den sich bietenden Freiraum nutzte und kurz darauf perfekt für Torschütze Marvin Ducksch auflegte. „Eigentlich ist ein Steckpass das Schönste, was es gibt. Dafür haben wir dann, wenn Justin nicht spielt, aber nicht unbedingt die passenden Spielertypen“, meinte der Österreicher. „Aber auch der jetzige Assist auf ‚Duckschi‘ war etwas sehr Schönes, weil ich dann nur den Raum beziehungsweise den Mitspieler sehe und genau weiß, wie ich den Ball spielen muss, damit die Gegenspieler nicht herankommen.“
Nur wenige Tage vor jener herrlichen Szene wurde im Training noch eifrig diskutiert und gestikuliert. Romano Schmid stand minutenlang mit Ole Werner auf dem Rasen, beide malten mit ihren Händen immer wieder Bögen in die Luft, um Pass- und Laufwege aufzuzeigen. „Was ich genau mit ihm besprochen habe, muss ich ja jetzt nicht sagen, aber es war ein guter Austausch“, meinte der Offensivakteur des SV Werder Bremen grinsend, um dann doch einen kleinen Einblick zu gewähren. „Wir haben darüber geredet, wie er manche Dinge sieht und wie ich sie sehe. Und er hat mir mitgeteilt, dass ich in den letzten Wochen sehr gut gearbeitet und gute Spiele gemacht habe.“
Wechsel zum FC Bayern? Werder Bremens Romano Schmid hofft auf Verbleib von ÖFB-Coach Ralf Rangnick
Und in jenen Partien musste Romano Schmid sehr flexibel sein, wurde immer wieder auf anderen Positionen aufgeboten beziehungsweise mit veränderten taktischen Aufgaben ausgestattet. „Meine Lieblingsposition ist die Zehn, dort habe ich zuletzt auch hinter ‚Duckschi‘ gespielt. Natürlich bin ich dann auch oft Doppelspitze gewesen, weil ich häufig tief gehe“, erklärte Schmid. „Ich fühle mich dort wohl. Ich habe die ganze Zeit, bis ich Profi war, immer auf der Zehn gespielt. Deswegen ist es für mich überhaupt keine Umstellung, wenn ich mal von der Acht auf die Zehn oder in den Sturm rücke – ich interpretiere es ja eh immer als Zehn mit viel Tiefgang.“
Das macht er so gut, dass es im Normalfall demnächst auch das EM-Ticket zur Belohnung geben sollte. „Ich gebe jede Woche Gas und hoffe, dass ich mich ein bisschen in den Vordergrund spielen kann und am Ende dabei bin“, sagte Schmid betont gelassen. Die Entscheidung über eine Turnierteilnahme im Sommer fällt schließlich ohnehin Ralf Rangnick – und damit eben jener Coach, der zuletzt mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht wurde. „Ralf Rangnick ist ein absoluter Fachmann, der viele Vereine ganz nach oben gebracht hat. Für mich persönlich ist er eine richtig wichtige Person, ich verstehe mich sehr gut mit ihm. Wenn solche Trainer einen guten Job machen, ist klar, dass Interesse da ist. Ob da aber wirklich etwas dran ist, weiß ich auch nicht“, meinte der Profi des SV Werder Bremen, der hofft, dass der 65-Jährige auch über die Europameisterschaft hinaus sein Förderer bei der ÖFB-Auswahl bleibt. „Wenn man mit einem Trainer gut zusammenarbeitet und sein Stil gut zu einem passt, dann wäre es natürlich schade, wenn er irgendwann weg wäre“, gab Romano Schmid zu, „aber ich weiß ja nicht einmal, ob es stimmt. Deshalb mache ich mir darüber gar keine Gedanken.“ (mbü)
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