„Er muss sich zeigen“
Chance durch Schmid-Abgang? Mbangula wirkt lockerer als zuvor – steht bei Werder aber weiter unter Zugzwang
Für Samuel Mbangula ist es bei Werder Bremen fast ein Neustart. Wie der Rekordtransfer des Vorsommers auftritt und was von ihm erwartet wird.
Wenn in diesen Tagen beim SV Werder Bremen irgendein Scherz initiiert wird, dann ist nicht selten ein Mann mittendrin: Samuel Mbangula. Der Belgier teilt selbst aus, wird aber auch gern mal Opfer eines Ulks – so wie am Dienstag, als er im Training von Kapitän Marco Friedl für jeden auch nur halbwegs unfallfreien Pass lautstark gelobt wurde. Mbangula schaute erst ungläubig, schüttelte dann den Kopf, hob schließlich den Daumen und sagte grinsend: „Danke für die Unterstützung.“
Das Duo hatte sich auch kürzlich beim Testspiel in Cottbus schon ein humorvolles Scharmützel geliefert, als Friedl gerade ein Interview gab und sein Teamkollege sich zwischen die Journalisten stellte und betont interessiert jeden getätigten Satz mit einem ausführlichen Kopfnicken quittierte – und der Österreicher kurz etwas aus dem Konzept geriet. Warum diese Szenen so besonders sind? Weil sie so gar nicht in das Bild passen wollen, das sich während der vergangenen zwölf Monate von Samuel Mbangula zeichnen ließ. In seinem ersten Werder-Jahr wirkte dieser oft verschlossen, unzufrieden, in sich gekehrt. Nun muss sich zeigen, ob der 22-Jährige auch auf dem Platz so richtig aufblühen kann.
„Für ihn ist es ein Neustart“: Samuel Mbangula startet neuen Anlauf bei Werder Bremen
„Er ist ein Spieler, der vielleicht ein bisschen mehr Druck im Gepäck hat, weil wir uns in der letzten Saison alle mehr von ihm versprochen haben“, sagt Chefcoach Daniel Thioune am Rande vom Harsewinkel-Trainingslager des SV Werder Bremen. „Da war die Fallhöhe unheimlich hoch. Jetzt hat man vielleicht die Erwartung ein wenig drosseln und dämpfen können aufgrund der Rückrunde.“ Samuel Mbangula war im Vorsommer als Bremer Königstransfer von Juventus Turin gekommen, eine Ablöse von zehn Millionen Euro stottert der Club noch immer ratenweise für den zwölffachen U21-Nationalspieler ab. „Er muss sich zeigen“, fordert Thioune. „Ich bin immer noch der Überzeugung, dass er deutlich mehr kann bei seinem Potenzial, seiner Qualität.“
26 Bundesligaeinsätze hat der Belgier bisher auf dem Konto, drei Treffer und vier Vorlagen ebenso. Nach anfänglichen Ausrufezeichen wurden Mbangulas Auftritte aber immer unauffälliger, fehlerhafter. Das soll sich nun ändern – zumal Frau und Kind inzwischen nach Bremen gezogen und somit in seiner unmittelbaren Nähe sind. „Familie tut immer gut. Vielleicht hilft es Sam auch, jetzt noch mehr anzukommen“, meint sein Trainer. „Für ihn ist es ein Neustart im Sommer. Jetzt muss man auch den Unterschied sehen können – nicht nur im Training, sondern auch in den Spielen.“
Durch Abgang von Romano Schmid: Neue Position für Samuel Mbangula bei Werder Bremen?
Vornehmlich weiterhin auf dem linken Flügel, aber womöglich winken dem Profi des SV Werder Bremen auch andere Rollen. Während der Vorbereitung wurde Samuel Mbangula schon als Achter oder Zehner aufgeboten, durch den Abgang von Romano Schmid gibt es nun ohnehin Veränderungen im Zentrum. „Das ist nicht unbekannt für ihn, das spielt er auch in der Nationalmannschaft“, sagt Thioune. „Ich weiß, dass er gern von der Linie aus spielt, aber wichtig ist, dass alle Spieler ihre zugeteilte Positionsaufgabe erfüllen. Jetzt ist erstmal ein freier Platz da – und den kann er sich gerne nehmen. Wir haben dann ja auf den Außenbahnen immer noch Qualität.“
Womöglich kommt es aber auch ganz anders. „Vielleicht müssen wir das System ein wenig anpassen“, sagt Thioune mit Blick auf den Schmid-Verkauf. „Wir schauen aber auch, was der Markt noch hergibt. Veränderungen tun immer gut…“ Samuel Mbangula – so wirkt es – scheint sich mit seiner räumlichen Veränderung aus dem Vorjahr nun deutlich besser arrangieren zu können. (mbü)
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