Werder-Sportchef erklärt Transfer
„Das sind die Preise, die gezahlt werden müssen“: Clemens Fritz über Werders neuen Zehn-Millionen-Mann Samuel Mbangula
Werder Bremen hat Samuel Mbangula für zehn Millionen Euro verpflichtet - Sportchef Clemens Fritz erklärt den Transfer und spricht über den Neuzugang!
Zell am Ziller – Der Glockenturm der Pfarrkirche in Zell am Ziller hatte noch nicht ganz zur zehnten Stunde geschlagen, als Samuel Mbangula gemütlich an ihr vorbeiradelte. Der gläubige Katholik hatte für die Umgebung allerdings noch recht wenig Blicke übrig, der 21-Jährige musste schließlich erst einmal den Weg zum örtlichen Parkstadion finden. So ganz schwierig ist der jedoch nicht, zudem konnte sich der Zehn-Millionen-Euro-Transfer des SV Werder Bremen an seinen neuen Teamkollegen orientieren. Und so begann der erste echte Arbeitstag Mbangulas bei den Grün-Weißen völlig unfallfrei – mit einem bislang noch recht kleinen Vorgeschmack auf das, was da noch kommen mag.
Werder Bremens Clemens Fritz über Samuel Mbangula: „Wir sehen in ihm großes Potenzial und wollen das natürlich komplett ausschöpfen“
„Wir sehen in ihm großes Potenzial und wollen das natürlich komplett ausschöpfen“, betonte Clemens Fritz, Fußball-Chef des SV Werder Bremen, im Nachgang der morgendlichen Trainingseinheit in Österreich. Tagelang hatte der Ex-Profi mit den Verantwortlichen von Juventus Turin um die Ablösemodalitäten gefeilscht, am späten Mittwochabend war der Wechsel dann endgültig in trockenen Tüchern. Und Fritz freut sich riesig, dass mit Samuel Mbangula der absolute Wunschspielers dieses Sommers von einem gemeinsamen Weg überzeugt werden konnte. „Er ist ein sehr spielintelligenter Spieler, der sich gut in den Zwischenräumen bewegt“, erläuterte der 43-Jährige. „Er besitzt eine gute Explosivität, Dynamik und auch den Mut, Eins-gegen-Eins-Situationen anzunehmen und aufzulösen. Da ist er schwierig greifbar.“
Möglichst schnell soll das auch bei Werder Bremen zu sehen sein. Vorerst trainierte der Belgier nur anteilig mit dem Team, Schritt für Schritt soll in den nächsten Tagen die Intensität gesteigert und Samuel Mbangula in die Abläufe eingebunden werden. „Er hat eine lange Saison gehabt, war auch noch bei der Club-WM dabei – auch wenn er dort keine Einsatzzeiten hatte“, sagte Clemens Fritz. „Wir wollen ihn jetzt sukzessive heranführen und nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen.“
Werder Bremens Clemens Fritz über Verhandlungen mit Juventus Turin: „Wir haben am Ende eine vernünftige Lösung gefunden“
Bei den Fans stand der flexibel einsetzbare Offensivspieler natürlich sofort im Fokus. Zum Empfang gab es großen Applaus von der Tribüne am Trainingsplatz, später gingen die vornehmlich jungen Fans des SV Werder Bremen auf Foto- und Autogrammjagd. Samuel Mbangula, der sich die Rückennummer 19 ausgesucht hat, lächelte freundlich, erfüllte höflich die Wünsche des Anhangs, wirkte mitunter aber auch noch recht schüchtern. „Man darf nicht vergessen, dass er noch sehr jung ist“, meinte Clemens Fritz. „Er ist durch seinen frühen Wechsel ins Ausland sicherlich in seiner Persönlichkeit gereift, aber niemand, der jetzt zu uns kommt und sofort großartige Ansprachen macht oder sich zu wichtig nimmt. Er ist zurückhaltend, aber trotzdem sehr offen.“
Bei der Anbahnung des Transfers spielte auch Chefcoach Horst Steffen keine unwesentliche Rolle, der 56-Jährige war in die Gespräche mit dem Neu-Bremer involviert, skizzierte ihm präzise, wie die gemeinsame Zukunft aussehen soll. Das wirkte, denn Samuel Mbangula, der bevorzugt Sam genannt wird, war ziemlich schnell von Werder überzeugt. Und dann konnte auch Clemens Fritz endgültig mit Juventus Turin zur Tat schreiten. „Wir haben einige Gesprächsrunden geführt, aber am Ende eine vernünftige Lösung gefunden“, sagte er. Der börsennotierte Club aus Italien hat bereits die Details des Deals offengelegt: Der SV Werder Bremen zahlt demnach zehn Millionen Euro, die in vier Raten an den Serie-A-Club überwiesen werden. „Es ist in der heutigen Zeit nichts Ungewöhnliches, dass man Ablösesummen über einen gewissen Zeitraum streckt. Das war zwischen Juventus und uns auch kein Diskussionspunkt in den Verhandlungen“, berichtete Clemens Fritz. Durch zusätzliche Boni-Vereinbarungen könnten Nachzahlungen in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro folgen.
Werder Bremens Clemens Fritz über Samuel Mbangula: „Wir haben immer betont, dass wir solch einen Transfer umsetzen können“
In der Geschichte des SV Werder Bremen ist es bislang nur einmal vorgekommen, dass mehr Geld für einen Spieler ausgegeben wurde – als Davy Klaassen einst für 13,5 Millionen Euro vom FC Everton geholt wurde. Der jetzige Transfer ist daher für Werder keineswegs Normalität. „Für viele Vereine ist das nicht alltäglich, trotzdem haben wir immer betont, dass wir solch einen Transfer umsetzen können“, sagte Clemens Fritz nicht ohne Stolz, der intern auf wenig Widerstand bei einer derartigen Investition stieß. „Natürlich berichten wir auch an den Aufsichtsrat und haben dort unsere Überzeugung in diesen Transfer zum Ausdruck gebracht“, erklärte der Fußball-Chef. „Wir stehen alle dahinter – und der Aufsichtsrat war dann auch fein damit.“
Zumal sich das Fußball-Geschäft eben deutlich verändert habe. „Man merkt, dass insgesamt mehr Geld im Markt ist, die Summen steigen“, unterstrich Clemens Fritz. „Wir können jetzt sicherlich eine Debatte darüber führen, ob das alles so gerechtfertigt ist oder nicht – aber das sind eben die Preise, die am Markt gezahlt werden müssen. Du musst mehr Geld in die Hand nehmen. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch schauen, wo es dann herkommt.“ Werder Bremen kommt in diesem Fall der finanzielle Zuschau aus dem regionalen Bündnis zugute. Trotzdem gilt laut Fritz: „Für uns als Verein ist es wichtig, dass der Transfer sitzt.“ Und genau davon kann Samuel Mbangula die Fans in den nächsten Tagen im Zillertal überzeugen. (mbü)
Rubriklistenbild: © gumzmedia
