Zwickmühle bei Wechsel-Gedanken
Junuzovic: So schwierig ist es für Delaney
Bremen - Um Platz eins streiten sich Miroslav Klose und Franco Di Santo. Deren Transfers zum FC Bayern München beziehungsweise zu Schalke 04 im Jahr 2015 haben bei den Werder-Fans sicher auf ewig einen Spitzenplatz in einer Liste sicher, in der eigentlich kein Spieler gerne auftaucht.
Man könnte diese Liste als „Wie-verhalte-ich-mich-bei-einem-Wechsel-möglichst-dämlich-Liste“ bezeichnen. Klose hatte in der Hinsicht ein echtes Exempel statuiert, als er anno 2007 zwei Tage vor dem Bremer Uefa-Pokal-Halbfinale gegen Espanyol Barcelona zu einem Geheimtreffen mit Bayern-Verantwortlichen gefahren war. Werder verlor deutlich, Klose spielte schwach und war fortan bei den Werder-Fans unten durch. Di Santo machte sich ähnlich unbeliebt, weil er noch wenige Stunden vor Bekanntgabe seines Transfers am „Tag der Fans“ mit Unschuldsmiene alles geleugnet hatte.
Delaney bereitet Fans schonend auf Wechsel vor
Wieso diese Geschichten an dieser Stelle erzählt werden? Der Grund heißt Thomas Delaney. Denn der Däne scheint es sich zum Ziel gesetzt zu haben, es genau anders herum machen zu wollen wie Klose und Di Santo. Offen und so transparent wie möglich geht er mit seinen Wechsel-Absichten um. So, als wolle er den Spitzenplatz in der „Wie-bereite-ich-Fans-schonend-auf-einen-Transfer-vor-Liste“ haben. Delaney spricht dabei von einem „schmalen Grat“, auf dem er sich bei Aussagen über seine Pläne bewegt. Er will nicht lügen, kann aber auch nicht alle Wahrheiten ausplaudern. Schwierig, schwierig.
Einer, der diese Situation aus eigener Erfahrung kennt, ist Zlatko Junuzovic. Immer wieder ging es während seiner Zeit bei Werder Bremen um einen möglichen Wechsel. Immer wieder musste er sich zu Spekulationen, Gerüchten und Wahrheiten stellen. Wie unwohl sich ein Spieler dabei fühlt, beschrieb er im Gespräch mit der DeichStube.
Als er zum Beispiel vor einem Jahr von Trabzonspor umworben worden war, habe er nicht mit Werder pokern, sondern nur nachdenken wollen über „ein unmoralisches Angebot. Und ich wollte nichts versprechen, was ich am Ende vielleicht nicht gehalten hätte. Das wäre hundertmal schlimmer, als wenn ich sage, dass ich nicht weiß, was kommt. Sich die Möglichkeiten offen zu lassen, gehört zum Geschäft“, schilderte Junuzovic. Zudem: Nicht immer kann ein Spieler auch frei entscheiden. Denn wenn der Verein mit ihm eine Ablöse erzielen will, entsteht Druck. Das, so Junuzovic, geht in der öffentlichen Wahrnehmung oft unter.
Der Fall Delaney kann von eben diesen Seiten beleuchtet werden. Hier der Profi, dessen Ziel die englische Premier League ist. Dort der Verein, der einerseits den Spieler, aber auch die vielen Millionen, die sein Verkauf bringen würde, gebrauchen könnte. Dass Delaney dabei in eine Zwickmühle aus eigenem Ehrlichkeitsanspruch und Zwängen des Geschäfts geraten kann, versteht Junuzovic nur zu gut: „Auch ein Spieler kann nie zu hundert Prozent sagen, was mit ihm als nächstes passieren wird. Thomas kommuniziert seine Absichten sehr offen und ehrlich – auch aus Respekt gegenüber den Fans. Damit die wissen: Es kann alles passieren. Stand jetzt kann er eben nicht sagen: Ich bleibe ganz sicher hier. Und zwei Wochen später ist er dann doch weg.“
Junuzovic erklärt Absage von Trabzonspor
Und was, wenn aus einem Wechsel am Ende nichts wird? Dann, da legt der zum FC RB Salzburg wechselnde Junuzovic für den Ex-Kollegen die Hand ins Feuer, „wird Thomas trotzdem weiter Gas geben für Werder. Zu hundert Prozent. Weil er einfach dieser Spielertyp ist, der sich immer reinhaut.“
Bei Junuzovic selbst führte das Nachdenken über Trabzonspor vor einem Jahr zu einer Entscheidung pro Werder. „Nach zwei, drei Tagen und ein paar Gesprächen, habe ich gemerkt, dass ich mich mit dem Gedanken, dorthin zu wechseln, nicht so gut gefühlt habe. Ich war mir einfach nicht sicher. Letztlich hat mein Bauchgefühl entschieden. Ich hätte nicht zu hundert Prozent hinter diesem Schritt gestanden.“ Mit der Entscheidung pro RB Salzburg ist das „jetzt ganz anders“.
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