Training für den Kopf
Langkamp und der Denksport
Zell - Seinen ersten Profivertrag hat Sebastian Langkamp vor elf Jahren unterschrieben. Seither ist es für ihn jeden Sommer und jeden Winter das gleiche Spiel: Die Vorbereitungszeit wird zur Leidenszeit.
Doch irgendwie ist es diesmal, bei seiner ersten Saisonvorbereitung mit Werder Bremen mehr als nur eine Nuance anders. Die körperliche Belastung sei „sehr human“, der läuferische Umfang in den Trainingseinheiten nicht so groß. „Da habe ich schon andere Trainingslager erlebt“, sagt der Innenverteidiger. Viel ist von den Spielern eben im Vorfeld, im Urlaub, erledigt worden.
Und dennoch: Die Tage im Zillertal sind für den 30-Jährigen – und sicher nicht nur für ihn – auf einer ganz anderen Ebene enorm fordernd. Langkamp nennt es „unseren Denksport“ und erklärt, was er damit meint. Es geht um kognitives Training, um das Training für den Kopf, das unter anderem „in unserem ominösen Zelt“ am Trainingsplatz stattfindet.
Erster Werder-Spieler erklärt, was im Zelt passiert
Bisher haben Trainer Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann erklärt, wieso die Videoschulung direkt vor Ort Sinn macht. Jetzt spricht der erste Spieler darüber – und sagt: „Was die mentale Ebene betrifft, ist es bisher die anspruchsvollste Vorbereitung für mich. Das ist aber auch richtig so. Denn der Fußball ist anders geworden. Er fordert viel mehr von den Spielern als noch vor zehn Jahren – nicht allein körperlich, sondern vor allem geistig.“
Und das liegt an den Methoden von Trainer Florian Kohfeldt – an dem, wie er der Mannschaft die erforderlichen Automatismen beibringen will. Langkamp erklärt am Beispiel eines Innenverteidigers, worum es geht: „Ich bin als Innenverteidiger der erste Spielauslöser. Es kann aber nicht reichen, dass ich dem Theo Gebre Selassie rechts von mir den Ball zuspiele, nur um den Ball los zu sein. Theo wird dann von zwei Mann angelaufen, und nichts ist gewonnen. Es geht für mich also auch um die Spielfortsetzung. Darum, was als nächstes passiert. Und da ist es gut, wenn man im Zelt die von oben aufgenommene Szenen sieht, weil du es auf dem Platz so gar nicht wahrnehmen kannst.
Sebastian Langkamp: Seine Karriere in Bildern




Die bildliche Darstellung hilft dir, die Spielsituationen zu unterscheiden und Automatismen zu lernen.“ Sprich: Situationen zu erkennen, diverse Möglichkeiten der Spieleröffnung zu lernen und abrufbar zu machen. „Das meine ich damit, dass der Fußball sich verändert hat. Du hast viel mehr Input und viel mehr Varianten, die du übst. Das macht schon Spaß, ist aber auch sehr anspruchsvoll“, sagt Langkamp.
Zu schematisch darf das Ganze freilich auch nicht werden. Kohfeldt sucht deshalb den Mix aus Kopfarbeit und Spielfreude – sprich: Intuition. Langkamp plädiert ebenfalls dafür, die Freigeister nicht unfrei zu machen: „Die Einzelkönner dürfen nicht verloren gehen, weil du dich nun wirklich nicht auf jede Situation im Spiel vorbereiten kannst.“
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