Diskussion um Anstoßzeiten

Werder selten zur „Prime-Time“ - Baumann nimmt es hin

Werder-Fans haben beim Nordderby gegen den HSV gegen Montagsspiele protestiert.
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Werder-Fans haben beim Nordderby gegen den HSV gegen Montagsspiele protestiert.

Bremen - Frank Baumann will nicht so recht raus mit der Sprache. Die Thematik ist ihm offenbar zu heikel, als dass sich der Sportdirektor des SV Werder klar positionieren möchte.

Also umschleicht er die große Diskussion um die Spieltermine und Spielansetzungen in der Bundesliga etwas. Klare Kante gegen Montagsspiele? Nicht von Baumann. Kritik an zu wenigen Werder-Terminen zur Bundesliga-„Prime-Time“ am Samstag um 15.30 Uhr? Nur ein bisschen. „Die Mischung muss passen“, sagt der 42-Jährige. Diese Aussage erhält aber erst eine Wertung, wenn man sie mit einem anderen Baumann-Satz verknüpft: „Es ist schon so, dass wir eher wenig am Samstagnachmittag gespielt haben.“ Heißt also: Die Mischung stimmt nicht in dieser Saison für die Bremer. Die Zahlen belegen das.

Seit vergangenem Freitag sind die letzten Ansetzungen für die laufende Saison raus. Und am Ende der Spielzeit wird Werder Bremen nur 15 Mal am Lieblingstermin der Fans gespielt haben – das bedeutet in der „Prime-Time“-Tabelle der Liga lediglich Platz 13 (siehe unten). Im Weserstadion sind es gar nur sieben Spiele, die zur traditionellen Bundesliga-Zeit angepfiffen werden. Einzig die Fans von Borussia Dortmund und des 1. FC Köln (je fünf) sowie von Schalke 04 (sechs) kommen noch seltener in den Genuss eines Heimspiels am Samstag, 15.30 Uhr. „Wir hätten uns natürlich mehr dieser Termine gewünscht“, meint der Bremer Baumann, doch es lohne sich nicht zu meckern, argumentiert er: „Die Verteilung der Spiele auf die anderen Tage muss ja stattfinden.“

„Prime-Time“-Tabelle

PlatzMannschaftPrime-Time-Spiele(Heimspiele am Samstag, 15.30 Uhr)
1FC Augsburg24 (12)
2Eintracht Frankfurt22 (13)
3Mainz 0522 (9)
4TSG 1899 Hoffenheim21 (13)
5SC Freiburg21 (9)
6VfB Stuttgart19 (11)
7VfL Wolfsburg19 (10)
8Hannover 9619 (9)
9Hamburger SV18 (8)
10Bayern München17 (9)
11Hertha BSC17 (8)
12Bayer Leverkusen16 (8)
13SV Werder Bremen15 (7)
14FC Schalke 0414 (6)
15Borussia Mönchengladbach13 (8)
15RB Leipzig13 (8)
171. FC Köln13 (5)
18Borussia Dortmund11 (5)

Wer spielt wie oft zur Bundesliga-Prime-Time am Samstag um 15.30 Uhr? Eine Übersicht der Saison 2017/18. In Klammern die Anzahl der Heimspiele am Samstag, 15.30 Uhr.

Dabei kann man Glück haben wie Eintracht Frankfurt und 1899 Hoffenheim, die beide 13 Heimspiele zur besten Zeit austragen dürfen. Oder man hat Pech. Wie Werder. Zum obligatorischen 15.30-Uhr-Termin an einem der letzten beiden Spieltage (wenn alle neun Partien zeitgleich angepfiffen werden) kommt bei den Bremern in der Rückrunde nur noch ein weiteres Heimspiel am Samstagnachmittag dazu. Es war der Rückrunden-Auftakt gegen 1899 Hoffenheim.

Zwei von neun in der Rückrunde oder sieben von 17 in der gesamten Saison – das stillt den Hunger der Werder-Fans nach Spielen am Samstag um halb vier ganz und gar nicht. Auf Twitter liest sich die Kritik so: „Als noch drei von vier Spielen samstags, 15.30 Uhr, waren, hat mir die Bundesliga besser gefallen.“ Oder: „Wir sollten ,samstags um halb vier' aus unserem Fan-Gesang löschen. Das nimmt uns doch niemand mehr ab.“

Werder-Ultras kündigen Boykott für Köln-Spiel an

Ein Bundesliga-Spieltag ist in den vergangenen Jahren immer stärker zerfleddert worden. Der Samstagabend ist dabei, am Sonntag wird zu drei verschiedenen Anstoßzeiten gekickt, mittlerweile gehört fünfmal pro Saison auch der Montagabend dazu, nicht zu vergessen das klassische Freitagabend-Spiel – manche Fans mögen diese, der Einnahmesteigerung geschuldete Zerstückelung, nicht mehr kommentarlos hinnehmen. In nahezu jedem Stadion wird protestiert. Die Bremer Anhängerschaft beschäftigte sich unlängst während der Nordderbys gegen den HSV nicht etwa mit dem ungeliebten Rivalen, sondern aus aktuellem Anlass mit der Ansetzungsthematik.

Viele Transparente und Banner richteten sich gegen die Termin-Vielfalt in der Liga – und vor allem gegen den Montag. Denn das nächste Werder-Heimspiel findet am kommenden Montag statt. Dann gastiert der 1. FC Köln im Weserstadion. Ginge es nach den Fans in der Ostkurve, wäre die Partie die letzte ihrer Art. Die Abschaffung der Montag-Termine steht ganz oben auf der Wunschliste der Bremer Ultras, die das Köln-Spiel zu großen Teilen boykottieren werden. Vier Bremer Gruppierungen und eine aus Köln haben ihr Fernbleiben angekündigt, und Baumann geht davon aus, „dass sie das auch wahrmachen werden. Das ist schade.“

Bereits 2016 hielten Werder-Fans Banner gegen Montagsspiele hoch.

Der Werder-Manager schließt sich dem Chor der Kritiker definitiv nicht an, sondern akzeptiert, was einst einstimmig von den 36 Clubs der ersten und zweiten Bundesliga beschlossen wurde. „Der Montag ist für uns kein Wunschtermin. Aber er wurde so festgelegt, also müssen wir dann auch spielen“, sagt er. Wer jetzt den Eindruck hat, Werder wäre der Montag aufgezwungen worden, sollte nicht vergessen: Der Beschluss war einstimmig, auch die Bremer haben zugestimmt.

Vielleicht ist es aber tatsächlich mehr eine Zwangsehe als die große Liebe, die die Clubs mit dem zusätzlichen Spieltermin verbindet. Baumann ist es wichtig, zu betonen, dass der Montag nicht aus finanziellen Gründen eingeführt wurde. Die Montag-Gegner behaupten das, der Werder-Manager hält dagegen: „Es geht in einer Saison um fünf von 306 Spielen – das macht finanziell sehr wenig aus, deshalb fließen nicht 50 Millionen Euro mehr in die Kassen. Es gab für den Wunsch, am Montag zu spielen, ausschließlich sportliche Gründe.“ Und zwar die, den Kalender der Europa-League-Teilnehmer zu entzerren.

Werder gegen Köln als Montagsspiel hat keinen sportlichen Zweck

Bleibt die Frage: Was hat das Duell Werder - Köln mit Europa zu tun? Als die Paarung Mitte Dezember angesetzt wurde, war der FC schon aus der Europa League ausgeschieden, und Werder war gar nicht erst qualifiziert gewesen. Das gilt auch für Mainz und Freiburg, die am 30. Spieltag an einem Montag aufeinandertreffen. Ein Zusammenhang zwischen Argument und Ansetzung gibt es in den konkreten Fällen jedenfalls nicht. Und es scheint, als ob diese Paarungen an diesen Terminen Verträge erfüllen, aber keinen sportlichen Zweck.

Frank Baumann weiß, dass es in der Sache weiter einen Dialog zwischen Liga, Fans und Clubs geben muss. Er kann zwar nichts versprechen, geht aber fest davon aus, dass es in naher Zukunft „kein Bestreben“ geben wird, mehr Spiele als die bislang vereinbarten fünf auf den Montag zu legen. Allerdings bestärkt ihn dabei nicht der Glaube an das Gute, sondern der „auf viele Jahre geschlossene TV-Vertrag“. Bis 2021 läuft die aktuelle Vereinbarung noch. Solange müssen sich Werder-Fans wohl nur über einen Montag-Termin pro Saison ärgern. Was danach kommt? Die Fans befürchten das Schlimmste und hoffen das Beste.

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