Bei Nordderby

Tumulte im Tunnel, Polizei im Block: HSV-Chaoten schießen Pyro auf Werder-Fans

Noch vor dem Spiel hatte die Polizei verkündet, dass bei der Anreise ins Weserstadion alles friedlich geblieben war, das Sicherheitskonzept unter der Mithilfe von Beamten aus sieben Bundesländern aufgegangen sei. Innerhalb der Arena gab es dann allerdings gleich mehrfach unschöne Szenen beim Nordderby zwischen dem SV Werder Bremen und Hamburger SV (3:1) – in den Blöcken, aber auch an anderer Stelle.

Einige unverbesserliche Anhänger des Hamburger SV gingen besonders schlecht mit der Niederlage um und stellten eine ausgeprägte kriminelle Energie zur Schau. Aus dem Gästeblock heraus schossen sie im Nachgang des Spiels Raketen in Richtung mehrerer Zuschauerbereiche, in denen Fans des SV Werder Bremen saßen oder standen – und nahmen so billigend Verletzungen Unbeteiligter in Kauf. Bis zur Ostkurve flogen die Gegenstände, auch die Spieler auf dem Rasen waren in Gefahr. „Das waren krasse Geschosse. Ich habe nicht damit gerechnet, dass die tatsächlich über den ganzen Platz fliegen können“, sagte etwa Werders Innenverteidiger Amos Pieper, der mit den Kollegen vor dem eigenen Anhang gefeiert hatte. „Ich hoffe in erster Linie, dass den Werder-Fans nichts passiert ist, denn das ist brutal gefährlich. Auch für uns als Spieler auf dem Platz natürlich. Das muss wirklich nicht sein, ein paar Grenzen dürfen bei aller sportlichen Brisanz dieses Nordderbys nicht überschritten werden.“

Beim Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV wurden Pyrogeschosse auch aufs Spielfeld gefeuert.

Pyrogeschosse auf Fans von Werder Bremen, Polizeieinsatz im Block der HSV-Anhänger

Werders Mediendirektor Christoph Pieper erklärte während der späteren Pressekonferenz mit beiden Coaches, dass es zwar einige Sachbeschädigungen durch die Geschosse gegeben habe, Zuschauer nach ersten Erkenntnissen aber nicht in Mitleidenschaft gezogen worden seien. Das hoffte auch der Bremer Trainer Daniel Thioune: „Irgendwo sind Grenzen. Die Dinge, die ich gesehen habe, fand ich nicht so prickelnd, weil die Verletzungsgefahr sehr groß war. Da ist einiges neben uns eingeschlagen“, sagte er, während Hamburgs Merlin Polzin, der mit seinem Team während der Szenen bereits in den Katakomben weilte, sagte: „Das Derby zwischen dem HSV und Werder gehört mit seinen Emotionen in die Bundesliga, aber es sollte immer fair zugehen und verletzungsfrei ablaufen. Und wenn das scheinbar nicht gegeben war, dann wollen wir das in keiner Weise unterstützen oder gutheißen.“ Auch Werders Fußball-Chef Clemens Fritz war wenig begeistert: „Ich will da kein Öl ins Feuer gießen. Aber: Das ist einfach extrem unnötig und muss nicht sein. Das will auch keiner sehen.“

Die hässlichen Bilder hatten auch die Polizei auf den Plan gerufen: Mehrere Beamte enterten den Block und versuchten, der Lage Herr zu werden. Schon weit vor dem Spiel waren von einigen Hamburgern pyrotechnische Gegenstände aufs Feld gefeuert worden, der Bezahlsender DAZN unterbrach aus Sicherheitsgründen sogar kurzfristig seine Live-Moderation. In der Ostkurve war ebenfalls vor dem Anpfiff gezündelt worden, auch später brannte es immer wieder – aber nach derzeitigem Stand ohne Folgen für Unbeteiligte.

Tumulte im Spielertunnel nach Nordderby zwischen Werder Bremen und HSV

Bei den Hauptdarstellern auf dem Feld war es ebenfalls hitzig zugegangen. Immer wieder wurde sich gezofft und gerangelt. Zwischen den Trainerbänken wurde intensiv diskutiert, in der Schlussphase kam es nach Provokationen gar zu einer Rudelbildung und mehreren Roten Karten für Mitglieder beider Trainerteams. HSV-Profi Jordan Torunarigha zürnte auch, wartete sichtlich erregt im Stadioninneren am Spielertunnel, um einen verbalen Konflikt vom Feld noch einmal zu vertiefen. Doch ehe es soweit kommen konnte, wurde er von Angehörigen des HSV-Staffs vorsorglich gen Kabine eskortiert. „Was bei Jordan genau an Worten gefallen ist, weiß ich nicht. Er ist aber sonst ein eher ruhiger Charakter und dann kann man sich sicherlich vorstellen, dass es etwas war, was ihn wenig erfreut hat“, sagte Merlin Polzin. „Am Ende gehört auch das vielleicht zu einem Derby dazu, aber ich kann es nicht bewerten, weil ich es nicht mitbekommen habe.“ (mbü/bvo)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Heiko Blatterspiel

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