Werder-Neuzugang will angreifen
„Ich warte jetzt auf meinen Moment“: Skelly Alvero lauert auf die große Chance zum Durchbruch bei Werder Bremen
Skelly Alvero kam seit seinem Winter-Wechsel nur als Einwechselspieler für den SV Werder Bremen zum Einsatz. Im kommenden Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg könnte die Leihgabe von Olympique Lyon erstmals in der Startelf stehen - doch ist der 21-jährige Franzose schon so weit? Wie Alvero über seine mögliche Premiere denkt und warum die Sprachbarriere auf dem Platz kein Hindernis ist.
Bremen – Noch sind es nur 40 Minuten. Verteilt auf fünf Partien. Doch die hatten es mitunter schon in sich. Beim Auswärtsspiel gegen Hoffenheim gelang Skelly Alvero nach seiner Einwechslung beispielsweise ein schniekes Hackentor, zuletzt sorgte er gegen Union Berlin für gute Balleroberungen. Der Haken an der Sache: Beide Partien des SV Werder Bremen gingen mit 1:2 verloren, wie zwischendurch auch noch das Dortmund-Spiel, bei dem der Franzose sechs Minuten auf dem Rasen stand. Doch nun winkt ein wesentlich längerer Einsatz. Direkt nach der Länderspielpause müssen gleich drei Profis Gelbsperren im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (30. März, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) abbrummen - unter anderem Alveros direkte Konkurrenten Senne Lynen und Jens Stage. Doch ist der 21-jährige Winterneuzugang überhaupt schon so weit, um in der Startelf zu stehen?
Skelly Alvero selbst hat da wenig Zweifel. „Ich arbeite genau daran, der Mannschaft immer länger helfen zu können“, sagte der Mittelfeldakteur am Dienstag während einer Medienrunde. „Ich warte jetzt auf meinen Moment, in dem ich das unter Beweis stellen kann.“ Mit großer Wahrscheinlichkeit dürfte der Mann aus dem Pariser Vorort Stains bereits am Donnerstag im Testspiel gegen den Zweitligisten Hannover 96 (13 Uhr/DeichStube-Liveticker) längere Zeit zeigen, wie gut er sich inzwischen im Fußball-Alltag des SV Werder Bremen eingelebt hat. Und das soll natürlich nur eine Zwischenstation sein. „Kein Fußballspieler ist damit zufrieden, wenn er nicht von Anfang an spielt. Ich möchte alle Chancen nutzen, die sich mir hier bieten – natürlich dann auch als Einwechselspieler“, sagte Alvero. „Ich tue im Training alles, um zu zeigen, dass ich mich bereit für die Startelf fühle.“
Werder Bremens Skelly Alvero: „Ich hatte durchaus erwartet, irgendwann mal ein Tor für Werder zu schießen, aber nicht so früh“
Ende Januar hatten die Bremer den 2,02-Meter-Hünen vom französischen Traditionsverein Olympique Lyon ausgeliehen. Bis zum kommenden Sommer bleibt Alvero erst einmal an der Weser, in den verbleibenden Wochen will er sich für einen längerfristigen Verbleib empfehlen – der Werder Bremen allerdings aufgrund einer ausgehandelten Kaufoption maximal 6,25 Millionen Euro kosten würde. Ziemlich viel Geld für einen jungen Spieler, der zwar sehr viel Talent mitbringt, aber auf allerhöchstem Niveau eben noch nicht konstant nachweisen konnte, was er zu leisten imstande ist. In Frankreichs 2. Liga überzeugte Skelly Alvero während der Saison 2022/23, eine Etage höher wurde er – auch wegen eines Trainerwechsels in Lyon – nur noch in acht Partien berücksichtigt. Dann folgte im Januar der Wechsel an den Osterdeich, wo der Youngster den nächsten Anlauf nimmt. „Zwischen den beiden Ligen gibt es gar nicht so gravierende Unterschiede. In der Bundesliga geht es taktisch etwas anders zu, aber ich sehe das für mich als gute Chance“, betonte Alvero, „und da ich hier unbedingt spielen will, bin ich auch bereit, mich anzupassen.“
Tore wie das gegen Hoffenheim sind da natürlich ein gern genommener Nebeneffekt. „Das Gefühl war unbeschreiblich. Ich hatte durchaus erwartet, irgendwann mal ein Tor für Werder zu schießen, aber nicht so früh, das muss ich zugeben“, meinte Skelly Alvero mit einem Lächeln im Gesicht. „Es war ein toller Moment für mich und alle, die mir nahestehen und sich mit mir gefreut haben.“ Denn das Smartphone des 21-jährigen Neuzugangs des SV Werder Bremen stand anschließend natürlich nicht mehr still, zahlreiche Grüße aus der Heimat trudelten bei ihm ein. „Ich habe ganz viele Nachrichten erhalten. Das ist natürlich etwas, was einen stärkt und weitermachen lässt“, sagte der Rechtsfuß, der sich nach eigener Aussage noch etliche Male seinen herrlichen Treffer angeschaut habe.
So sehen Fans das Testspiel zwischen Werder Bremen und Hannover 96 live im TV und im Livestream!
Werder Bremens Skelly Alvero: „Das deutsche Herz in meiner Brust wächst“
Mit leiser Stimme berichtete Skelly Alvero von diesem außergewöhnlichen Moment, eine Dolmetscherin übersetzte erneut seine Aussagen. Im Training sorgen in der Regel Milos Veljkovic, Naby Keita, Olivier Deman und Senne Lynen dafür, dass die Sprachbarriere kein Hindernis ist. „Einige Wörter verstehe ich schon auf Deutsch, aber zum Glück habe ich einige Mitspieler, die mir immer wieder helfen. Denen möchte ich auf diesem Wege auch unbedingt mal danke sagen“, betonte Alvero. „Jeder, neben dem man sitzt oder steht, ist darum bemüht, mich mit den nötigsten Informationen zu versorgen.“ Und den Rest erledigt dann die Intuition. „Wenn die Trainer Video-Analysen machen, verstehe ich noch nicht alles. Ich würde es mal so ausdrücken: Ich folge dann meinem Fußball-Instinkt, sehe, wie es gewünscht ist und wie man sich auf dem Feld verhalten soll“, schilderte der Mittelfeldprofi des SV Werder Bremen. „Ich versuche dann, das richtig zu übertragen. Für mich ist es wichtig, ein Gefühl für das Spiel zu haben.“
Genau dieser Weg führt Skelly Alvero womöglich gegen den VfL Wolfsburg in die Startelf. Ein Spiel, das für den Franzosen also eine besondere Bedeutung haben könnte, aber vor allem für Werder Bremen nach zuletzt drei Niederlagen und einem Remis noch viel wichtiger ist. „Ich denke, dass es jetzt genau der richtige Moment für eine Länderspielpause ist und wir diese Negativserie stoppen können“, sagte der Neu-Bremer. „Wir haben ja schon gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind, die Spiele gewinnen kann. Wir haben auch genügend Selbstvertrauen, können dieses aber nun noch einmal weiter stärken.“
Skelly Alvero ist auf jeden Fall bereit dafür. Für sich und für Werder Bremen. Und wie gern er hier ist, zeigt auch der Blick auf das bevorstehende Länderspiel zwischen Deutschland und Frankreich (Samstag, 21 Uhr), das der Mittelfeldakteur natürlich vor dem Fernseher verfolgen wird. Klar, den Sieg wünsche er seinem Heimatland, hob Alvero hervor, aber: „Das deutsche Herz in meiner Brust wächst“. (mbü)