Vorbereitung läuft

Sicher schwimmen statt ertrinken: Wie Thioune Werder in den nächsten Wochen besser machen will

Beim SV Werder Bremen läuft die Vorbereitung auf die nächste Saison. Wie Trainer Daniel Thioune seine Mannschaft jetzt besser machen will.

Die Bilder glichen sich. Auch am Donnerstag war das wieder so. Daniel Thioune legte die Stirn ein wenig in Falten, beobachtete genau, was seine Spieler auf dem Rasen taten, wie sie sich bewegten. Doch nicht nur der Trainer des SV Werder Bremen fixiert in diesen Tagen ganz besonders die Aktionen der Profis, auch die Assistenten Christian Groß und Jan Hoepner tun es. Letzterer sogar gern in gebeugter Haltung, als würde ihm aus dieser Perspektive endgültig kein Detail mehr entgehen.

Ist die Übung beendet, werden kurz ein paar Worte gewechselt, anschließend bekommt die Mannschaft neue Anweisungen, mitunter kleine Korrekturen an die Hand. So geht es immer wieder. Quasi im Viertelstundentakt. Allein das zeigt: Es gibt eine Menge zu tun bei Werder Bremen. Vieles soll besser werden in der neuen Saison, doch erst einmal muss sich ein neues Team finden. Eines, von dem zu erwarten ist, dass es beim Pflichtspielstart in fünf Wochen noch einmal aus ganz anderen Bausteinen besteht. Daniel Thioune ist der Architekt – der, bevor es an die Verschönerung der Fassade geht, erst einmal am Gerüst und der Basis werkelt.

Trainer Daniel Thioune hat in der Vorbereitung des SV Werder Bremen auf die neue Bundesliga-Saison jede Menge zu tun.

Werder-Bremen-Trainer Daniel Thioune über die Vorbereitung: „Kann mehr fordern und Inhalte platzieren“

„Im Februar waren wir kurz vor dem Ertrinken“, blickt der 51-Jährige auf seine Amtsübernahme mitten im Bremer Krisenmodus zurück. „Da muss man als Trainer viele Dinge aushalten und ausblenden. Jetzt spielen meine Ideen eine Rolle.“ Vor einem Jahr erlebten die Norddeutschen eine ganz ähnliche Situation, als Horst Steffen das Kommando von Ole Werner übernommen hatte – aber unter schwierigen Umständen nicht den Neustart schaffte, den sich alle gewünscht hatten. Eine erschreckend schwache Saison mit Nachhall war die Folge.

Inzwischen ist Steffen Geschichte und Thioune gibt die Richtung vor. Und diese soll weg von den düsteren Plätzen der Tabelle führen, hinein in eine wieder erfreulichere Zukunft. Dadurch verändert sich bei Werder Bremen auch das Anforderungsprofil des Chefcoaches. „In den letzten Monaten ging es darum, zu führen und ein Partner zu sein“, sagt Thioune. „Jetzt kann ich aber auch etwas mehr fordern und Inhalte platzieren, weil die Zeit dafür da ist. Wir haben sechs Wochen Vorbereitung. Da werden wir nicht alles abbilden können, was wir in den nächsten sechs Monaten brauchen. Aber es ist ein Startpunkt.“

Am Samstag wird beim Premieren-Testspiel des Sommers gegen den Oberligisten FC Verden 04 (15 Uhr/DeichStube-Liveticker) überprüft, ob die ersten Inhalte bei Werder Bremen bereits verinnerlicht wurden. Zwei Tage später folgt dann der Trip ins dieses Mal nur einwöchige Zillertal-Trainingslager, wo der nächste Entwicklungsschritt erfolgen soll. „Ich habe in der Rückrunde schon versucht, Positionsaufgaben einzubringen. System und Spielordnung sind übergeordnet, das kommt zu einem späteren Zeitpunkt“, sagt Thioune über den derzeitigen Aufgalopp der Vorbereitung. „Es geht um die Basics, die wir dafür brauchen, um in gewisse Ordnungen zu kommen. Wir wollen ein paar Dinge im Defensivverbund verändern.“

Trainer Daniel Thioune erklärt Inhalte bei Werder Bremen für Vorbereitung und Trainingslager

Als Vorbild dient das, was in den vergangenen Wochen regelmäßig auf den TV-Bildschirmen zu sehen war. Nämlich bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko, die am Sonntag zu Ende geht. „Eine Erkenntnis der WM war, dass man hoch verteidigen kann, aber vieles auch im Low-Block stattfindet“, hat Daniel Thioune beobachtet und daraus seine Lehren gezogen. „Wir wollen sehr fordernd und aggressiv verteidigen. Es geht darum, dass wir den Ball schnell bekommen, wenn der Gegner nicht so viel Qualität hat.“

Ein Vorhaben, das nicht nur für den bevorstehenden Verden-Test von Bedeutung ist, sondern auch im ersten Pflichtspiel der neuen Saison Relevanz besitzt. Am 22. August (15.30 Uhr) trifft Werder im Hamburger Millerntorstadion auf den Lüneburger SK – und der Gegner in der ersten Runde des DFB-Pokals ist wie der Club von der Aller in der Fünftklassigkeit zu Hause. Doch es geht Thioune um noch mehr: „Zudem wollen wir Abläufe synchronisieren. Das aber vermehrt im zweiten Trainingslager, wenn alle da sind und wir uns für die Spielidee Zeit nehmen können.“

Nach der Rückkehr aus Österreich wird zunächst zwei weitere Wochen am Osterdeich gearbeitet, zwischendrin gibt es Testpartien bei Zweitliga-Aufsteiger Energie Cottbus (1. August, 15 Uhr/DeichStube-Liveticker) sowie in Oythe gleich zweimal gegen Bundesliga-Konkurrent SC Paderborn (8. August, 14 und 16 Uhr). Erst dann wird im nordrhein-westfälischen Harsewinkel für fünf Tage (10. bis 14. August) das zweite Trainingscamp stattfinden – und Werder schon einen großen Stück des vorbereitenden Weges gegangen sein. Oder wie es Daniel Thioune ausdrückt: „Die Jungs werden Tag für Tag mehr erkennen, wo die Reise hingeht.“ (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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