Baumann lobt Stürmer vor dem Bundesliga-Start
„Max Kruse lässt auch die anderen gut aussehen“
Bremen - Es ist wie so oft: Der erste Eindruck täuscht. Werder-Stürmer Max Kruse lässt sich zwar mit dem Golf-Kart zum Trainingsplatz kutschieren, aber dann auch einem Kollegen den Vortritt, als erster den Trainingsplatz betreten zu dürfen.
Robert Bauer feiert das ein bisschen, Kruse lacht. Ein Spaß, ein durchaus interessanter. Die Szene zeigt nämlich, wie Kruse tickt. Natürlich ist er der Star beim SV Werder, aber der 29-Jährige beansprucht die Bühne nicht für sich alleine. „Max lässt auch die anderen gut aussehen“, sagt Frank Baumann über seinen wohl wichtigsten Spieler. Und der Sportchef fügt noch einen Satz an, der nicht nur für den Bundesligastart bei der TSG 1899 Hoffenheim (15.30 Uhr) Mut macht, sondern für die ganze Saison: „Max macht die Spieler neben sich besser.“
Diese Qualitätssteigerung kann Werder sehr gut gebrauchen. Der Kader ist freilich nicht schlecht besetzt, aber auch nicht überragend – viel Durchschnitt eben. Da hebt sich ein Kruse schon entscheidend ab. Das war schon in der Vorsaison zu sehen. Kein Kruse, kaum Punkte – ohne den verletzten Angreifer befand sich Werder in der Hinrunde im Keller. Nach Kruses Genesung ging es bergauf, steil bergauf sogar. Jetzt soll es von Beginn an so gut laufen.
Baumann schwärmt von Kruse
„Max ist ein richtig guter Kicker“, schwärmt Baumann: „Er hat nicht nur selbst gute Aktionen, sondern setzt auch seine Mitspieler gut in Szene.“ 15 Tore und sieben Vorlagen in der Vorsaison sind der Beleg dafür. Doch Kruse ist noch viel mehr bei Werder. „Ein echter Typ“, sagt Baumann: „Er ist fordernd, weil er große Ambitionen hat.“ Aber was bedeutet das? Wird Kruse etwa laut in der Kabine? „Nein“, sagt Baumann: „Das ist nicht seine Art. Max legt sehr viel Wert auf spielerische und taktische Elemente. Da bringt er sich ein.“
Kruse diskutiert mit Trainer Alexander Nouri und Co-Trainer Markus Feldhoff über die taktische Ausrichtung. Sein Wort hat Gewicht. „Max hat sehr viel Erfahrung“, sagt Baumann und betont: „Er war überall, wo er gespielt hat, erfolgreich.“ Selbst bei seiner letzten Station in Wolfsburg steuerte Kruse sechs Tore und acht Assists bei. Doch so richtig passte das mit ihm und dem VfL nicht. Es gab kleinere private Aufreger und dabei keine Rückendeckung vom Club, sondern eher das Gegenteil. Also flüchtete Kruse nach Bremen.
Max Kruse: Seine Karriere in Bildern




„Max ist schon ein Individualist, das lebt er auch“, sagt Baumann. Er lässt den 29-Jährigen ziemlich gewähren. Als Kruse im vergangenen Herbst während seiner Knieverletzung zum Pokern nach Tschechien fliegen wollte, gab der Sportchef grünes Licht. Natürlich hatte er das zuvor mit der medizinischen Abteilung geklärt. Die öffentliche Skepsis – speziell der Medien – lächelte Baumann gekonnt weg. Das mag Kruse. Er selbst äußert sich gegenüber Presse, Funk und Fernsehen nur, wenn es der Club ausdrücklich von ihm wünscht. Das ist nicht immer einfach für den Verein. Aber Kruse revanchiert sich, indem er für Sponsorentermine zur Verfügung steht.
Und Kruse ist ziemlich gefragt, weil ihn ganz Fußball-Deutschland kennt. Er war schließlich Nationalspieler und will es wieder werden. Das geht nur mit herausragenden Leistungen. Bei Werder hat er sie gebracht – und natürlich ist das auch anderen Clubs nicht verborgen geblieben. Doch das Thema Wechsel hat sich für diesen Sommer erledigt. „Ich wüsste nicht, was kommen sollte, was ihn und uns veranlassen sollte, unsere Meinung zu ändern“, formuliert es Baumann vielleicht etwas kompliziert, die Botschaft ist aber klar: Kruse darf und will nicht weg.
Werder will Kruse langfristig halten
Unmoralische Angebote natürlich ausgeklammert. Irgendwann wird im Fußball jeder schwach. Doch Werders Pläne mit seinem Star sind ganz andere. „Wir können uns sehr gut eine langfristige Zusammenarbeit mit Max vorstellen“, sagt Baumann. Das hört sich nach einer vorzeitigen Vertragsverlängerung an. Der aktuelle Kontrakt läuft angeblich bis 2019. Beides will Baumann nicht kommentieren. So hat er das auch schon gehandhabt, als über diverse Ausstiegsklauseln in Kruses Vertrag berichtet worden war.
Und das ist offenbar ganz im Sinne von Kruse. „Max nimmt diese Spekulationen zwar zur Kenntnis, aber sie lassen ihn kalt“, behauptet der Sportchef und erklärt: „Max will in erster Linie als Fußballer auf dem Platz wahrgenommen werden.“ Ab Samstag-Nachmittag ist das endlich auch in der Bundesliga wieder möglich.