Werder verliert 0:1

Taktik-Analyse: Frankfurts Tempo bekommt Werder in den Griff – die eigene Offensive nicht

Ole Werner am Gestikulieren. Die Taktik-Analyse zu Werder Bremens Niederlage gegen Eintracht Frankfurt.
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Ole Werner am Gestikulieren. Die Taktik-Analyse zu Werder Bremens Niederlage gegen Eintracht Frankfurt.

Gegen die zweitbeste Offensive der Liga gelingt es Werder Bremen, das eigene Tor zu schützen. Doch offensiv blieben die Bremer bei Eintracht Frankfurt lange Zeit harmlos. Wie stark dies am Gegner und wie sehr an Werders schwächelnder Offensive lag, analysiert unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

In der Bundesliga gibt es dieser Tage leichtere Aufgaben, als Gastspiele im Frankfurter Deutsche Bank Park zu bestreiten. 15 Tore hat die Eintracht in ihren ersten vier Heimspielen erzielt. Allein Omar Marmoush kam in zehn Bundesliga-Spielen auf elf Treffer. Die gute Nachricht aus grün-weißer Sicht: Werder Bremen hielt Frankfurts viel gelobte Offensive in Schach. Die schlechte: Die defensive Stabilität ging zulasten der offensiven Durchschlagskraft.

Werder Bremens Niederlage in der Taktik-Analyse: Eintracht Frankfurts Wechselspiele in der Defensive

Werder-Coach Ole Werner baut seine Mannschaft nicht gerne um. Vier Wechsel nahm er vor im Vergleich zum 2:1-Erfolg gegen Aufsteiger Holstein Kiel, die Mehrzahl davon aufgrund von Ausfällen. Gerade das Fehlen von Jens Stage schwächt die Bremer Mannschaft. Immerhin: Mitchell Weiser kehrte nach seiner Sperre zurück auf die Rechtsverteidiger-Position. Werder begann trotz der Änderungen im bekannten 5-2-3-System.

Frankfurts Trainer Dino Toppmöller veränderte seine Mannschaft ebenfalls. Allerdings tat er dies auf freiwilliger Basis. Mit seinen Umstellungen passte der Eintracht-Coach sein Team an den Gegner an. So begann Tuta in einer Mischrolle: Mal agierte er als Sechser, mal ließ er sich in die Abwehr fallen. So agierte die Eintracht in einer Mischung aus 4-4-2- und 5-2-3-System.

Diese Wechselspiele sollten Eintracht Frankfurt helfen, auf dem ganzen Feld Eins-gegen-Eins-Zustellungen zu erzeugen. Wenn Romano Schmid nach vorne rückte, verfolgte Tuta ihn. Ließ er sich fallen, wich Tuta ihm ebenfalls kaum von der Seite. So baute die Eintracht in der Anfangsviertelstunde einen hohen Druck auf, mit ihrem Mann-gegen-Mann-Pressing.

Werder Bremen kontert über Eintracht Frankfurts linke Seite - die Taktikanalyse zum Spiel

Offensiv griff die Eintracht vor allem über die linke Seite an. Die Frankfurter wollten die offensive Rolle von Weiser ausnutzen. So wich Marmoush in der Anfangsphase häufig auf den Flügel aus. Hier schuf er eine Überzahl mit Ansgar Knauff sowie Außenverteidiger Nathaniel Brown. Nach Ballgewinnen ging Frankfurts erster Pass sofort auf Weisers rechte Seite. So kamen die Gastgeber in den Anfangsminuten zu mehreren Torschüssen.

Nach der stürmischen Anfangsphase zog sich Werder etwas weiter zurück im 5-2-3. Die Eintracht versuchte noch immer, auf Werder Bremens rechter Seite Lücken zu provozieren. Sobald Weiser herausrückte, um Brown zu pressen, rückte dieser ins zentrale Mittelfeld. So wollte Brown seinen Gegenüber Weiser aus dessen Position ziehen.

Werder Bremen reagierte jedoch geschickt auf diese Rochaden. Im hohen Pressing glich Werders Formation einem 4-4-2. So konnten die Hanseaten im Mann-gegen-Mann verteidigen. Sobald die erste Pressinglinie überspielt wurde, zog Weiser sich sofort in die Abwehrkette zurück. Er ließ sich rechtzeitig zurückfallen, auch wenn er zunächst Brown verfolgte. Auch Leonardo Bittencourt half häufig auf dieser Seite aus, um Frankfurts Rochade zu kontern.

Die Grafik zeigt, wie Frankfurt zwischen verschiedenen Formationen wechselte. Tuta spielte mal im Mittelfeld, mal in der Abwehr. Götze füllte jeweils die Rechtsaußen- oder die Sechserposition auf. So konnte Frankfurt zwischen 4-4-2 und 5-4-1 wechseln.

Taktikanalyse: Ein Fehler gegen Eintracht Frankfurt - und Werder Bremen kassiert sofort das Gegentor

Auch offensiv ärgerte Werder Bremen den Gegner durchaus. Eintracht Frankfurts Versuch, über ein hohes Pressing zu Ballgewinnen zu kommen, scheiterte am sauberen Spielaufbau der Bremer. Werders Sechser und Zehner ließen sich im Spielaufbau weiter fallen als gewohnt. Somit hatte Werder in Ballnähe stets mehrere Anspielstationen.

Gleichzeitig hemmte die eher tiefe Staffelung das Offensivspiel: Da Ducksch die Zuspiele in die Spitze nicht festmachen konnte, kam Werder Bremen nur selten in die gegnerische Hälfte. Dafür liefen sie auch kaum Gefahr, ausgekontert zu werden. Das war angesichts des hohen Tempos aller Frankfurter Angreifer ungemein wichtig.

So entstand aus SVW-Sicht nach einer ruckeligen Anfangsphase ein angenehm ereignisarmes Spiel. Werder Bremen hatte das Tempo und die eigene rechte Seite im Griff, ohne selbst Chancen zu kreieren. Blöd nur: Eintracht Frankfurts erster erfolgreicher Angriff nach längerer Zeit führte direkt zum Treffer. Werder ließ Brown bei einem Dribbling ins Zentrum allein, er passte den Ball mustergültig in den Strafraum. Mario Götze traf (45.).

Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt in der Taktik-Analyse: Eine Frage der Balance

Nach der Pause musste Werder Bremen einen Drahtseilakt bewerkstelligen: Sie mussten angesichts des Rückstands offensiver auftreten, ohne in der Abwehr allzu große Räume zu öffnen. Frankfurt ist die vielleicht konterstärkste Mannschaft der Liga. In der Top 20 der schnellsten Bundesliga-Spieler finden sich vier Frankfurter, mit Derrick Köhn aber gerade einmal ein Bremer.

So war es auch jener Köhn, der im Bremer Spielaufbau merklich defensiver agierte als Weiser auf der anderen Seite. Werder eröffnete das Spiel mit einem 4-4-2, um Ballsicherheit im Aufbau zu behalten. Frankfurt ließ sich immer häufiger in ein tiefes 5-4-1 fallen. Die Grün-Weißen rückten vor, stellten nach und nach auf ein 3-2-5 im Aufbau um. Doch die Spieler standen zu lange in ihren Positionen, die Raumaufteilung wirkte starr und nicht dynamisch. Das genügte, um Frankfurter Konter abzuwürgen – nicht aber, um selbst zu Torchancen zu gelangen.

Werder Bremen bestrafte die immer passiv werdenden Frankfurter nur ein einziges Mal: Als Ducksch auf die linke Seite auswich, landete seine Flanke auf dem Kopf von Weiser. Trapp parierte mit einer Glanztat (76.). Dies war eine der seltenen Situationen, in denen Bremer Spieler ihre Positionen tauschte.

Fazit der Taktikanalyse: Werder Bremen kann gegen Eintracht Frankfurt mithalten, Jens Stages Ausfall wog aber enreut schwer

Erst spät gab Werner die Zurückhaltung auf. In der Schlussphase brachte er in Keke Topp (77.) und Amos Pieper (86.) zwei kopfballstarke Spieler für den Sturm. Doch auch die hohen Bälle kamen zu selten bei den Angreifern an. Eintracht Frankfurt brachte das Ergebnis über die Zeit.

Für Werder Bremen fällt das Fazit zwiespältig aus. Wie bereits gegen Dortmund (0:0) und Leverkusen (2:2) haben sie gegen Frankfurt unter Beweis gestellt, dass sie auch gegen die Top-Teams der Liga mithalten können. Gerade defensiv hat sich Werder verbessert. Zugleich war offensiv das Fehlen von Jens Stage deutlich zu spüren. Es gab kaum überraschende Läufe in die Spitze oder Positionswechsel, um Frankfurts Abwehr zu sprengen. So musste sich die Eintracht kaum mühen, Werders Angriffe abzuwehren.

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