Nach dramatischem 3:3

Werners Nemesis: Werder-Unentschieden gegen Heidenheim in der Taktik-Analyse

Werder Bremens Trainer Ole Werner muss weiter auf einen Sieg gegen den 1. FC Heidenheim warten.
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Werder Bremens Trainer Ole Werner muss weiter auf einen Sieg gegen den 1. FC Heidenheim warten.

Dreimal geht Werder Bremen gegen den 1. FC Heidenheim in Führung. Am Ende entführen die Gäste dennoch einen Punkt aus dem Weserstadion. Das lag nicht zuletzt an ihrer kompromisslosen Manndeckung – und an Werders Unfähigkeit, das Spiel zu beruhigen. Die Taktikanalyse von Tobias Escher.

In mancher Hinsicht sind Trainer wie Superhelden. Die Hoffnungen ganzer Vereine ruhen auf ihren Schultern. Wie es sich für Superhelden ziemt, haben viele Trainer auch einen Erzfeind, den sie einfach nicht bezwingen können.  Im Fall von Werder Bremens Ole Werner heißt dieser Nemesis Frank Schmidt. Am Mittwochabend traf Werner zum vierten Mal auf den ewigen Trainer des 1. FC Heidenheim. Werners Bilanz: zwei Unentschieden, fünf Niederlagen. Schmidts kompromisslose Manndeckung stellt eine Art Kryptonit dar für Werders zuletzt so erfolgreichen Trainer. Dieses Mal endete das Spiel mit einem 3:3-Unentschieden.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen 1. FC Heidenheim: Werders Fünferkette trifft auf eine Viererkette

Ole Werner musste nach der 2:4-Niederlage bei RB Leipzig seine Startelf verändern. Für den gesperrten Marco Friedl rückte Milos Veljkovic in die Dreierkette. Er ging auf die halbrechte Seite. Niklas Stark übernahm Friedls vakante Position als Abwehrchef im Zentrum. Dies blieb jedoch die einzige Änderung. Werner hielt am bewährten 5-2-3-System fest. Gegner 1. FC Heidenheim konfrontierte Werder Bremen mit einer neuen taktischen Herausforderung. Nachdem zuletzt die meisten Gegner Werders 5-2-3 gespiegelt hatten, setzte FCH-Coach auf eine Viererkette. Heidenheim begann das Spiel in einem 4-2-3-1-System, wobei die Außenstürmer weit ins Zentrum einrückten. Die Bayern-Leihgaben Frans Krätzig und Paul Wanner boten sich in den Halbräumen an, während die Außenverteidiger Breite gaben.

Trotz der etwas anderen Formation verteidigte der 1. FC Heidenheim ähnlich wie die meisten Werder-Gegner. Die Gäste stellten auf dem ganzen Feld Mann-gegen-Mann-Zuordnungen her. Jeder Verteidiger verfolgte einen Gegenspieler. Das begann ganz vorne, wo Stürmer Budu Zivzivadze Werders Abwehrboss Stark bewachte, und endete in der Abwehr mit einem Eins-gegen-eins zwischen Patrick Mainka und Marvin Ducksch. Durch die klare Zuteilung konnte aus der Heidenheimer Viererkette auch schon einmal eine Fünferkette werden. So verfolgte (der früh eingewechselte) Sechser Luca Kerber seinen Gegenspieler Romano Schmid notfalls bis in die Abwehrkette.

Die Grafik zeigt Heidenheims Manndeckung. Überall auf dem Feld stellten sie Eins-gegen-eins-Situationen her - und das, obwohl sie mit einer Viererkette spielten. Werder Bremen hatte große Mühe, das Spiel zu beruhigen.

Werder Bremen gegen 1. FC Heidenheim in der Taktik-Analyse: Kompromisslose Manndeckung zwingt Werder zu direktem Spiel

Heidenheims Manndeckung unterscheidet sich von der vieler anderer Bundesligisten durch ihre Kompromisslosigkeit. Die meisten Bundesligisten sichern in der Abwehr mit einem zusätzlichen Verteidiger ab – auf neudeutsch heißt diese Art des Verteidigens „Plus eins“. Der 1. FC Heidenheim tut dies nicht. Sie setzen ganz darauf, den Gegner wieder und wieder in direkte Duelle zu verwickeln. Phasen, in denen sie sich raumorientiert zurückziehen, gibt es praktisch nicht. In diesen fühlen sie sich nicht wohl. Das stellten sie unter Beweis, als sie nach dem Anstoß bei ebensolch einem Angriff des SV Werder Bremen 0:1 in Rückstand gerieten (1.).

Die frühe Führung hätte Werder eigentlich in die Karten spielen sollen. Das Problem: Ihnen gelang es nur selten, Ruhe in das Spiel zu bringen. Heidenheim jagte sie permanent, zwang sie in die Defensive, wollte das Spiel in Werders Hälfte tragen. Die Bremer schafften es einige Male, sich aus dem Würgegriff zu befreien. Sie zogen die Heidenheimer Formation in die Länge, indem sich Schmid und Jens Stage weit vorne anboten. Sobald sie Heidenheim zwangen, in die eigene Hälfte zurückzukehren, funktionierte Werders Kombinationsspiel. Vor allem Mitchell Weiser hängte durch seine Läufe ins Zentrum seinen Manndecker ab.

Taktik-Analyse: Werder Bremen schafft es nicht, das Spiel gegen den 1. FC Heidenheim zu beruhigen

Die langen Bälle über das Mittelfeld konnte Werder Bremen jedoch nicht konstant erobern. So gelang es dem SVW zwar ab und an, gefährlich in die Räume hinter Heidenheims Abwehr zu gelangen. Genauso oft verloren sie jedoch den Ball und mussten sofort wieder verteidigen. Der 1. FC Heidenheim wiederum suchte im Umschaltmoment Wanner und Krätzig in den Halbräumen. Gerade Krätzig zeigte sich umtriebig, er war an mehreren Chancen beteiligt. So eroberte er vor dem Ausgleichstreffer (30.) den Ball durch sein konsequentes Pressing gegen Veljkovic.

Nach der Pause ließen sich Werders Angreifer häufiger in den freien Raum zurückfallen. Werder Bremen drückte die Heidenheimer Abwehr erst nach hinten, um im Anschluss den freien Raum davor zu bespielen. Das führte zwar nicht mehr so konsequent zu Abschlüssen wie noch vor der Pause. Dafür gelang es Werder wesentlich besser, das Geschehen in die gegnerische Hälfte zu verlagern. Besonders Marco Grüll war auch abseits seiner Tore präsent. Doch Heidenheim konnte Werders verdienten Führungstreffer (56.) abermals ausgleichen (61.).

Werder Bremen-Taktik-Analyse: Wechsel begünstigen SVW, aber Intensität des 1. FC Heidenheim macht Probleme

Oberhand gewann Werder Bremen vor allem nach den Wechseln. OIe Werner reagierte in der 75. Minute mit einem Dreifachwechsel. Damit einher ging eine Umstellung auf ein 3-4-1-2-System. Den Unterschied machten jedoch nicht die Bremer Wechsel – sondern die Heidenheimer. Schmidt nahm Wanner und Krätzig aus dem Spiel (76.), beide hatten sich verausgabt. Die eingewechselten Léo Scienza und Sirlord Conteh schufen nicht mehr dieselbe Präsenz im Halbraum. Der 1. FC Heidenheim konnte den Ball nicht mehr halten.

Werder Bremen ging nach einem starken Angriff erneut in Führung (79.). Stage hatte den freien Raum vor der Heidenheimer Abwehr bei einem Angriff gedankenschnell besetzt und Grüll bedient. Im Anschluss überließ Werder den Heidenheimern den Ball. Diese schienen damit nichts anzufangen zu wissen. Doch in der fünften Minute der Nachspielzeit folgte der Schock: Nach einem umstrittenen Pfiff von Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck schlenzte Scienza einen Freistoß in den Winkel.

Auch dieser Szene ging ein wuchtiger Heidenheimer Konter voraus. Werder Bremen gelang es nicht einmal in der 95. Minute, die Intensität der Heidenheimer zu bändigen. Kein Wunder: Diese hatten mit ihren 123 gelaufenen Kilometer selbst die Fabelleistung der Bremer übertroffen (122 Kilometer). Mit dieser Intensität kam Werder nicht zurecht. Werner wird weiter tüfteln müssen, möchte er seinem Nemesis endlich die erste Niederlage beifügen.

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