Werder-Sieg der Taktik-Analyse
Horst Steffens 6:4-Aufteilung: Wie Werder Bremen Borussia Mönchengladbach zerlegt hat – die Taktik-Analyse
Werder Bremen setzt das erste Ausrufezeichen in der noch jungen Saison. Gegen Gladbach gelingt dem Team von Horst Steffen ein 4:0-Erfolg. Wie die Stärken von Steffens System zum Vorschein kommen, erklärt unser Kolumnist Tobias Escher in seiner Taktik-Analyse.
Für Werder Bremen war das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach so etwas wie der Saisonstart nach dem Saisonstart. An den ersten Spieltagen tat sich Werder schwer damit, die Ideen des neuen Trainers Horst Steffen umzusetzen. Viele Bremer Fans hofften, dass Werder nach der Länderspielpause ein anderes Gesicht zeigt. Schließlich hat die Bremer Vereinsführung in der Endphase des Transfermarkts ordentlich zugeschlagen. Zudem kehrten mit Jens Stage und Marco Friedl zwei zentrale Schlüsselspieler nach einer Verletzung zurück.
Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach in der Taktik-Analyse: Horst Steffens 6:4-Aufteilung
Dass Werder Bremen beim 4:0-Sieg in Mönchengladbach derart auftrumpfen würde, hätten indes nicht einmal die optimistischsten Anhänger erwartet. Werder zeigte eindrucksvoll, wie Steffens Fußball im Idealfall aussehen kann. Unterstützung bekamen sie von einem Gegner, der insbesondere nach der Halbzeitpause die defensive Absicherung vergaß.
Trainer Horst Steffen setzte auch gegen Borussia Mönchengladbach auf seine präferierte 4-2-3-1-Formation. Personell hat sich die Situation bei den Hansestädtern entspannt: Stage und Friedl standen wieder in der Startelf. Leihgabe Cameron Puertas kam bei seinem Debüt direkt als Zehner zum Einsatz. Romano Schmid rückte dadurch auf die Rechtsaußen-Position.
Werder Bremen setzte gegen Mönchengladbach zunächst auf eine kontrollierte Offensive. Im Spielaufbau hielt sich die Doppelsechs merklich zurück. Senne Lynen und Stage boten sich direkt vor der Abwehr an. Gerade Stage muss sich angesichts dieser neuen Rolle umgewöhnen. Seine berühmten Läufe in die Spitze sah man gegen Mönchengladbach nur selten. Dafür aber zeigte er sich im Spielaufbau präsent.
Taktik-Analyse: Werder Bremen mit viel Bewegung, aber wenig Raumgewinn gegen Borussia Mönchengladbach
Die Viererkette ließ in Kombination mit der Doppelsechs den Ball laufen. Sie wollten die gegnerischen Stürmer ins Pressing locken. Aus der Abwehr heraus versuchten die Bremer, das Spiel über die Flügel nach vorne zu tragen. Alternativ spielten die Bremer Verteidiger den Ball direkt zwischen die gegnerischen Linien. Hier sollten die vier Angreifer ihre Gegenspieler abhängen. Schon in der Anfangsphase der Partie fiel auf, wie viel sich Werder Bremens vier Angreifer bewegen. Rechtsaußen Schmid zog vom Flügel immer wieder ins Zentrum. Linksaußen Samuel Mbangula bot sich mal an der linken Seitenlinie an, mal auf der gegenüberliegenden Seite. Puertas und Grüll balancierten die Bewegungen ihrer Mitspieler aus, indem sie immer mal wieder vom Zentrum auf die Flügel auswichen.
In den Anfangsminuten gelang es Werder Bremen noch nicht, die eigenen Angreifer ins Spiel einzubinden. Gladbach begann das Spiel ebenfalls in einer 4-2-3-1-Formation. Besonders im Mittelfeld setzten die Gladbacher auf eine enge Deckung. Zwar erlangten die Hausherren in der ersten Linie wenig Zugriff. Dafür konnten sie aber die Zuspiele in die Spitze zumeist abfangen.
Ein Problem im Bremer Spiel war die Tatsache, dass sich die vorderen Akteure selten körperlich durchsetzen konnten. Gerade wenn der Ball scharf in Richtung Grüll kam, konnte er die Kugel selten behaupten. Wenn der Gegner in Gleich- oder Überzahl verteidigt, geht der Ball bei Werder Bremen noch zu schnell verloren. Victor Boniface wurde von Bayer Leverkusen ausgeliehen, um dieses Problem mittelfristig zu beheben. Er kam in Mönchengladbach nur zu einem späten Kurzeinsatz.
Auswärtssieg in der Taktik-Analyse: Werder Bremens Defensive zeigt sich gegen Gladbach stark verbessert
Werder Bremen hatte in der ersten Halbzeit die Effizienz auf der eigenen Seite. Den Angreifern gelang es lediglich zweimal, sich ins letzte Drittel zu kombinieren. Beide Male überraschte Samuel Mbangula seine Gegenspieler mit einer unorthodoxen Aktion. Den ersten Treffer erzielte er selbst (15.). Den zweiten legte er für Stage auf, der sich ausnahmsweise in den gegnerischen Strafraum getraut hatte (26.).
Insgesamt verlief die erste Halbzeit jedoch ausgeglichen. Borussia Mönchengladbach hatte insgesamt mehr Spielanteile (55 Prozent Ballbesitz) und gab mehr Torschüsse ab (11:6). Sie verfolgten grundsätzlich eine ähnliche Strategie wie die Bremer: Aus einer 4-2-Staffelung heraus wollten sie das Spiel flach nach vorne tragen. Ähnlich wie Werder Bremen fehlte aber auch Gladbach ein Ballhalter, sodass sie ständig den Ball hinter die Abwehr spielten.
Werder Bremens Defensive zeigte sich stark verbessert im Vergleich zum Saisonauftakt. Zwar gab es noch immer Situationen, in denen die Abwehr nicht ordentlich durchschob. Insgesamt konnten die Bremer das Spiel jedoch vom eigenen Kasten weghalten. Die wenigen Gladbacher Chancen entsprangen fast immer nach tiefen Bällen, sobald ein Außenverteidiger herausgerückt war – oder nach Flanken auf den zweiten Pfosten. Der Unterschied: Während Werder aus zwei Chancen zwei Tore erzielte, machte Gladbach aus vier Möglichkeiten keinen Treffer.
Taktik-Analyse: Werder Bremen kontert Borussia Mönchengladbach im eigenen Stadion aus
Nach der Pause musste Borussia Mönchengladbach mehr riskieren. Linksverteidiger Lukas Ullrich rückte weit vor, sodass Gladbach aus einem 3-2-5 aufbaute. Da auch Sechser Rocco Reitz häufig mit nach vorne rückte, sicherten maximal vier Akteure ab – wobei Sechser Philipp Sander an diesem Nachmittag neben sich stand, sodass die „Fohlen“ praktisch zu dritt verteidigten.
Werder Bremen gelang es im Verlauf der zweiten Halbzeit, die schwache Konterabsicherung der Gladbacher zu nutzen. Sie hielten an ihrer 6:4-Aufteilung und den zahlreichen Positionswechseln in der Offensive fest. Zugleich bot sich nun immer ein Spieler zwischen den gegnerischen Linien an. Ein anderer sprintete zeitgleich in die Tiefe.
Taktik-Analyse: Werder Bremens neue Offensive harmoniert schon erstaunlich gut
Zudem griff Werder gezielt die Schwachstelle auf Ullrichs linker Seite an. Yukinari Sugawara rückte hier nun weiter auf. Später bot sich der eingewechselte Justin Njinmah viel auf der (halb-)rechten Seite an. Werder Bremen schraubte das Ergebnis auf 4:0 hoch. Sie hatten noch Möglichkeiten für zwei oder drei weitere Tore.
Die Bremer Mannschaft zeigte die erste Top-Leistung dieser Saison. Sie profitierte zwar von einem Gegner, der gerade in der zweiten Halbzeit kaum Gegenwehr leistete. Doch die Bremer Offensive harmoniert bereits gut, obwohl sie bisher kaum zusammenspielen konnte. Die Hoffnungen, die Werder Bremens Fans in die neuen und alten Leistungsträger gesetzt haben, wurden wahrlich erfüllt.
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