Teilzeit-Arbeiter mit ungeklärter Zukunft
Bargfrede: Immer mit der Ruhe
Bremen - Um Philipp Bargfrede aus der Ruhe zu bringen, muss schon richtig was passieren. In der Vergangenheit hat selbst die x-te Meniskusverletzung nicht gereicht, um bei ihm das große und negative Gefühlskino zu starten.
Dem 28-Jährigen ist eine gewisse Grundentspanntheit zu eigen. Und die hilft ihm jetzt auch in einer Situation, die von außen betrachtet mindestens merkwürdig, vielleicht sogar verdächtig erscheint. Denn Bargfrede geht in Spielen einfach nicht mehr über die volle Distanz, wird jedes Mal ausgewechselt. Fragen: Lässt sein im vergangenen Jahr operiertes rechtes Knie keine Einsätze über die volle Distanz mehr zu? Und was würde das für seine Zukunft bei Werder bedeuten? Sein aktueller Vertrag läuft im Sommer aus. Was also geht noch bei Bargfrede?
Alles, sagt der aktuell dienstälteste Werder-Profi (187 Pflichtspieleinsätze seit 2009): „Mit dem Knie ist momentan alles gut.“ Dennoch hat er in dieser Saison noch nicht einmal durchgespielt, wurde zuletzt spätestens zwischen der 60. und 70. Minute vom Platz geholt. Erklärung Bargfrede: „Ich habe konditionell sicher noch Luft nach oben.“ Wobei: Er ist seit Saisonbeginn offiziell verletzungsfrei, sollte also vier Wochen vor der Winterpause keine konditionellen Probleme mehr haben. Aber um das rechte Knie so belastbar zu halten, wie es im Moment ist, habe es eben eine besondere Trainingssteuerung gebraucht, argumentiert Bargfrede: „Ich habe in der ein oder anderen Trainingseinheit individuell etwas für mein Knie getan und nicht im konditionellen Bereich gearbeitet.“
Baumann bereit, ein gewisses Risiko einzugehen
Der Rückschluss ist natürlich, dass er immer noch Rücksicht nehmen muss auf das Knie und deshalb nicht über 90 Minuten gehen kann. Doch da widerspricht der Profi deutlich. In Leipzig, wo Coach Florian Kohfeldt ihn nach 66 Minuten für Florian Kainz vom Platz geholt hatte, „hätte ich schon noch gerne weitergespielt. Wir lagen aber 0:1 zurück, ich denke, dass der Trainer nochmal einen offensiven Impuls setzen wollte.“ Eine Woche zuvor war gegen Hannover nach 70 Minuten Schluss gewesen – beim Stand von 3:0. Da sei seine Präsenz auf dem Platz nicht mehr vonnöten gewesen, grinst Bargfrede.
So lässt sich alles irgendwie erklären. Im Graubereich bleibt aber, wie zukunftsfähig Bargfredes Fitness ist. Seine Verletzungsakte ist lang und wird bei den anstehenden Gesprächen über einen neuen Vertrag zum Diskussionsthema werden. „Das ist etwas, das man berücksichtigen muss“, sagt Sportchef Frank Baumann, der für Bargfrede auch bereit wäre, ein gewisses Risiko einzugehen: „Philipp zeigt gerade wieder, wie wichtig er sportlich und auch als Typ für uns ist.“
Bargfrede will bleiben
Die grundsätzliche Richtung des Clubs ist es also, mit Bargfrede zu verlängern – ein leistungsbezogener Vertrag könnte helfen, die Bedenken zu minimieren. Und Bargfrede? Er würde natürlich bleiben. „Es weiß ja jeder, wie lange ich schon bei Werder bin und wie wohl ich mich hier fühle, erklärt er. Bis die Gespräche beginnen, lässt er die spezielle Bargfrede-Ruhe regieren. „Ich bin da echt gelassen. Wir werden uns zu gegebener Zeit zusammensetzen. Erstmal will ich mich auf die schwierige sportliche Situation konzentrieren. Alles andere erledigt sich dann irgendwann. Es ist ja noch viel Zeit bis zum Saisonende. Bis dahin möchte ich auf dem Platz noch 'was zeigen.“
Philipp Bargfrede: Seine Karriere in Bildern




Zum Beispiel mal 90 Minuten durchzuspielen. Das könnte Vertrauen schaffen. „Vielleicht ist es ja schon am Samstag gegen Stuttgart so weit. Dann hätte sich dieses Thema erledigt“, meint Bargfrede.
